Warum Huras den härtesten Job der Liga hat

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«Time-out» mit Klaus ZauggWarum Huras den härtesten Job der Liga hat

Der 4:0-Sieg gegen den HC Lugano zeigt einmal mehr: SCB-Trainer Larry Huras hat den härtesten Job der Liga. Denn nach den Spielen gegen die Tessiner und den HC Davos weiss der Kanadier immer noch nicht, ob seine Mannschaft playofftauglich ist.

Klaus Zaugg
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Klaus Zaugg
Larry Huras will in den nächsten zwei Partien die Playoffs simulieren. (Bild: Keystone)

Larry Huras will in den nächsten zwei Partien die Playoffs simulieren. (Bild: Keystone)

Dieses Lugano bleibt ein Favorit auf den Titel. Zwar ist der HC Lugano zur Zeit nur eine Operetten-Mannschaft mit einem Operetten-Coach. Eine Interessengemeinschaft von Jungmillionären, geführt von einem Trainer (Kenta Johansson), der jeden Einfluss verloren hat.

Für Lugano ist alles möglich

Aber wenn sich die Spieler zusammenreissen, ist in den Playoffs alles möglich. Am Sonntag waren sie allerdings so wenig bei der Sache wie am Vorabend beim 1:5 auf eigenem Eis gegen die Lakers. Aber weil die Luganesi so talentiert sind, bieten sie auch in der Niederlage viel Kurzweil. Denn die Dandyhaftigkeit der Lugano-Stars hat es in dieser Form noch nicht gegeben. Jeder pflegt seine Kunststückchen und kümmert sich nur um sich selbst.

Aber eben: Es reicht Lugano, die Playoffs zu erreichen. Ob auf Platz 8 oder 3 ist letztlich unerheblich. Und das macht es SCB-Trainer Larry Huras so schwer: Früher waren die Partien gegen Lugano Gipfeltreffen der mitteleuropäischen Hockeykultur. Gespielt mit höchster Intensität, Präzision und Disziplin. Der Sieger aus diesen Spielen wusste, dass er parat ist für die Playoffs. Dass seine Jungs in Form sind. Dass es keinen Grund gibt für Selbstzweifel.

Ist der SCB playofftauglich?

Aber jetzt? Das 4:0 der Berner gegen Lugano hat keinen Mehrwert über den Tag hinaus. Zu gering Tempo und Intensität. Der SCB-Sieg war nie eine Sekunde in Gefahr. SCB-Trainer Larry Huras siegte am Samstag auswärts bei Meister Davos (3:2 n.P.) und am Sonntag gegen Lugano (4:0), ist auf dem besten Wege dazu, die Qualifikation zu gewinnen und weiss doch nicht, ob seine Mannschaft playofftauglich ist. Wo er allenfalls den Hebel ansetzen muss, um ein Scheitern in der ersten Runde zu vermeiden.

Huras hofft nun, in den nächsten Partien eine Antwort zu finden und sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Wir spielen nun zweimal gegen Zug und dann gegen Servette. Da wollen wir Playoffhockey spielen.» Und ganz nebenbei will er bald erstmals seinen neuen Kanadier Lee Goren testen. Dabei gilt die Grundregel: «Never change a winning team.» Aber Huras kann sich nicht daran halten. Er muss umstellen.

Endlich eine Konkurrenzsituation für die Ausländer

Damit er sieht, was Goren taugt. Immerhin eines hat der neue SCB-Kanadier bewirkt: Er hat Simon Gamache Beine gemacht. Denn erst jetzt, mit Goren, ist eine Konkurrenzsituation unter den SCB-Kanadiern entstanden. Lubos Bartecko hatten die vier SCB-Nordamerikaner nie ernst genommen. Denn sie wussten: Kommt es wirklich drauf an, setzt ihr kanadischer Trainer Kanadier und nicht den faulen Slowaken ein. So gesehen ist der Tausch Lee Goren gegen Lubos Bartecko ein schlauer Schachzug von SCB-Sportchef Sven Leuenberger.

Nun will also Huras gegen Zug und Servette die Playoffs simulieren. Eine gute Idee. Aber der SCB-Trainer wird auch in einer Woche nicht klüger sein: Der SCB ist eine über vier Sturmreihen so gut ausbalancierte Hockeymaschine, dass am Ende des Tages im Einerlei der Qualifikation (fast) immer der Sieg steht. Ein SCB-Sieg wird allenthalben erwartet. Eine Niederlage gegen den SCB spielt jetzt keine Rolle. Viele Gegner strengen sich gegen die Berner in der Qualifikation gar nicht mehr richtig an. So wie der HC Lugano.

Bührer wieder wie ein Meistergoalie

Deshalb kann eine Schlüsselfrage, auch nach dem 4:0 gegen Lugano nicht beantwortet werden: Ist nun Marco Bührer wieder ein Meistergoalie wie 2004 oder ein Lottergoalie wie in den Playoffs von 2008 und 2009? Gegen Davos und Lugano hat er gehalten wie ein Meistergoalie und beim 4:0 gestern in seinem 617 NLA-Spielen den 63 Shutout gefeiert. Damit steht er weit vor Kultgoalie Renato Tosio, der es in 655 gerade mal auf 36 Spiele ohne Gegentreffer brachte. Aber auch auf vier Meistertitel (1989, 1991, 1992 und 1997). Und Bührer bisher nur auf einen (2004).

So gesehen hat Larry Huras den schwierigsten Job der Liga. Sein SCB siegt und siegt und siegt. Die Berner sind auf dem besten Weg dazu, zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren die Qualifikation zu gewinnen. Aber es sind zu viele billige Siege, die keine Antwort auf die Frage geben, ob der SCB, anders als 2006, 2008 und 2009, nun playofftauglich ist.

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