Team-Verkauf an Qadbak immer noch in der SchwebeWie lange zahlt BMW die Sauber-Löhne?
Toyota raus, Sauber-Ferrari rein. Was so einfach klingt, scheint in Wirklichkeit ziemlich kompliziert. Fakt ist: BMW ist bis heute immer noch offizieller Besitzer des Formel-1-Teams. Müssen die Münchner gegen ihren Willen gar in die Verlängerung?
«Nach dem letzten Grand Prix in Abu Dhabi werde ich dann genügend Zeit haben, um mir über meine persönliche Zukunft Gedanken zu machen», gab sich BMW-Motorsport-Direktor Mario Theissen am Rande des Grand-Prix von Singapur von Ende September überzeugt. Theissen ging damals davon aus, dass Anfang November die Gesamtverantwortung bereits beim Käufer des Teams, also bei der Investmentfirma Qadbak, liegen würde. Aber es sollte alles ganz anders kommen. Jetzt sind wir in der zweiten November-Hälfte, und Theissen hat viele offene Fragen, aber nur wenig Zeit für Gedanken an seine persönliche Zukunft.
BMW steht weiter in der Verantwortung für 400 Schweizer Arbeitsplätze
Auch der BMW-Motorsport-Direktor hätte sich nie träumen lassen, dass die Verhandlungen bis zum rechtsgültigen Verkauf des Teams derart zäh ablaufen würden. Schon seit mehr als zwei Monaten bemüht sich BMW beim Internationalen Automobil-Verband (FIA) und Bernie Ecclestone um einen gesicherten Startplatz für die Formel-1-Saison 2010. Bewegt hat sich bisher nichts. Das ist schlecht für BMW, denn erst bei einer offiziellen Startplatz-Garantie durch die FIA wird der Verkaufsvertrag mit Qadbak rechtsgültig. Die Qadbak-Leute haben sich in weiser Voraussicht abgesichert. Auch steinreiche Scheichs aus dem Mittleren Osten kaufen sich nun mal kein Formel-1-Team fürs Museum. Im Moment herrscht also «Status quo», und BMW steht weiterhin in der Verantwortung für die rund 400 Arbeitsplätze in Hinwil.
Kuriose Ausgangslage, groteske Situation
Eine kuriose Ausgangslage zu einer Zeit, in der es in der Formel 1 um eine Handvoll Teams gleich mehrere Fragezeichen gibt. Toyota hat sich vorletzte Woche definitiv verabschiedet. Noch ist unklar, ob die Japaner das Team verkaufen. Renault wackelt weiterhin. Die Teamleitung wartet auf grünes Licht von Konzernchef Carlos Ghosn. Der aber will sich nach eigenen Aussagen bis Weihnachten Bedenkzeit lassen. In Bezug auf die vier neuen Teams gibt es im Moment unter dem Strich ebenfalls mehr Fragen als Antworten. Und bei all diesen berechtigten Zweifeln hängt mit Qadbak-Sauber ausgerechnet jenes Team, bei dem sowohl Finanzierung wie Infrastruktur sichergestellt sind, in der Schwebe. Diese Situation ist schlichtweg grotesk. Und auch ziemlich heikel für BMW.
Drei Fragen stellen sich BMW
Denn es stellen sich folgende Fragen:
- Wie lange dauert es, bis die FIA BMW einen Startplatz garantieren kann oder will?
- Was tut BMW, wenn sich bis Ende November weiterhin nichts bewegt? Folgen dann Kündigungen, oder sind die Arbeitsverträge der Angestellten in Hinwil weiterhin garantiert?
- Muss BMW gar zwangsweise noch ein paar Wochen oder Monate länger weitermachen als geplant?
Ex-Teamchef Peter Sauber schweigt weiterhin beharrlich und argumentiert wie folgt: «Ich bin im Moment noch auf dem Beifahrersitz. Das Steuer hat bis zum definitiven Verkauf die BMW AG in der Hand und ist damit auch für die Kommunikation zuständig.» Mario Theissen bestätigte diese Woche, dass BMW für sein Formel-1-Team immer noch in der Verantwortung steht.
Neues Team unter Zeitdruck
Theissen auf die Frage, wie lange der Internationale Automobil-Verband (FIA) BMW noch hinhalten könne: «Aus meiner Sicht geht es hier nicht ums Hinhalten. Die FIA hat nach dem Ausstieg von Toyota ja umgehend angekündigt, dass es jetzt Klärungsbedarf gibt, was den 13. Startplatz für die Saison 2010 betrifft. Wir befinden uns jetzt in diesem Prozess. Wie lange das dauern wird, kann ich allerdings auch nicht einschätzen.» Und welchen Einfluss hat diese unerwartete Verzögerung auf BMW? – «Was das Auto für 2010 anbetrifft, sind wir voll im Plan, weil wir die Entwicklung bis jetzt immer vorangetrieben haben. Es ist aber auch klar, dass das Team möglichst bald Klarheit benötigt, was den Startplatz für die nächste Saison betrifft. Denn jede verlorene Woche erschwert die Verhandlungen mit möglichen Fahrern und Sponsoren zusätzlich.»