Valentin Stocker«Der FCB ist nicht meine Endstation»
Valentin Stocker bereitet beim 3:0-Sieg gegen Lissabon den ersten Treffer vor und erzielt das 2:0. Der FCB-Flügel beweist seine überragende Form unter den Augen vieler Scouts.
Valentin Stocker bewies beim 3:0 gegen Sporting Lissabon seine überragende Form der letzten Wochen. (Video: 20 Minuten Online)
Er machte seinen Job am linken Flügel gut. Richtig gut. Es war eine Freude, Valentin Stocker zuzusehen, wie er die Verteidiger von Sporting Lissabon ein ums andere Mal in Verlegenheit brachte. Wie er mit Gefühl den Querpass spielte, den Fabian Schär (24.) zur 1:0-Führung verwertete. Und es war ein Angriff wie aus dem Bilderbuch, den er nach einem Doppelpassspiel mit Momo Salah aus sechs Metern zum 2:0 abschloss.
«Das war ein unglaublicher Spielzug», freute sich Stocker. Mit der Captainbinde, die er bei der Auswechslung von Alex Frei übernommen hatte, habe das Tor nichts zu tun gehabt. «Den hätte ich auch ohne den Bändel reingemacht», so der Krienser lachend, der zwar nicht zum ersten Mal Captain war, aber erstmals die Binde trug und ein Tor erzielte. «Jetzt habe ich beim FCB alles erlebt.» Seiner grossartigen Leistung misst er keine besondere Bedeutung zu und sagt: «Ich bin von Anfang der Saison an mit meiner Leistung zufrieden.» Als Mannschaft sei der FCB auch in den letzten Jahren jeweils spät in die Gänge gekommen. «Vielleicht sind wir in dieser Saison um eine oder zwei Wochen später dran.»
Interesse aus dem Ausland
Ein spät Berufener ist er, wenn es um einen Wechsel ins Ausland geht - obwohl ihm viele Fachleute einen frühen Wechsel prophezeit hatten. Seit 2006 ist Stocker nunmehr bei Rotblau, erst im Nachwuchs und seit 2007 in der Profimannschaft, und hat in dieser Zeit zweimal seinen Vertrag verlängert. Sein jetziger Kontrakt läuft bis 2016. In dieser Form ist aber klar, dass er diesen kaum erfüllen wird. An Angeboten hat es seit 2008 nie gemangelt. Stuttgart war am Mittelfeldspieler dran, aber auch Gladbach und Bremen, um einige Beispiele zu nennen. Mit grösster Wahrscheinlichkeit wäre ein Transfer in die Bundesliga zustande gekommen, hätte er sich im April 2011 nicht das Kreuzband gerissen.
Vier Jahre später steht er bei Bremen-Trainer Thomas Schaaf immer noch auf der Wunschliste. Interesse zeigen auch Leverkusen und Hoffenheim. Aber auch Liverpool hatte am Donnerstag einen Scout im Joggeli. Die Erfahrung, einmal im Ausland zu spielen, will Stocker machen. Aber was für Vereine können den 23-Jährigen nach dem FCB, vier Meistertiteln und drei Cupsiegen reizen? Was, wenn kein Spitzenklub dabei ist? Wie gross kann die Ambition auf einen Wechsel zu einem Klub sein, der im Titelrennen kaum ein Wort mitreden kann?
Ein gewisses Risiko ist immer dabei
Stocker: «Ich würde sicher nicht einfach nur wechseln, damit ich im Ausland spielen kann. Es muss für mich schon stimmen. Aber es ist ein gewisses Risiko, dass jeder eingehen muss. Aber genau kann ich das auch nicht sagen, denn mein Beispiel gibt es beim FCB gar nicht: Es gibt keinen Spieler, der sechs, sieben Jahre hier war und so viele Titel feiern durfte und danach ins Ausland wechselte. Viele, wie auch Granit Xhaka oder Xherdan Shaqiri, haben das ein- oder zweimal erlebt und sind dann gegangen. Vergleichbar wäre es gewesen, wenn Scott Chipperfield nach sechs Jahren gegangen wäre. Er war nah dran, aber dann hat es doch nicht geklappt. Ich denke aber nicht, dass der FCB meine Endstation ist.»
Obwohl er sich sehr wohl fühlt und der FCB wie eine Familie für ihn ist. Aber die Familie wird immer kleiner. Franco Costanzo, Scott Chipperfield, Beni Huggel sind weg. Alex Frei hört Ende Saison auf. Und Stocker?