Viva World CupSchweizer Kicker kämpften im Irak
Die ganze Schweiz schaut nur zu, wenn international Fussball gespielt wird. Die ganze Schweiz? Nein, ein von unbeugsamen Rätiern bevölkertes Gebiet vertritt das Bündnerland bei der WM der Regionen in Kurdistan.
Gleich zu Beginn stand für die Schweizer ein schwerer Brocken auf dem Spielplan. Die Mannschaft aus Sansibar erwartete am 4. Juni die helvetischen Kicker, bevor am Tag darauf der Match gegen Tamil Eelam auf dem Programm stand. Schauplatz der Fussball-Duelle war die kurdische Stadt Arbil im Irak: Der FA Rätia hat die Schweiz beim Viva World Cup, der WM der Regionen vertreten.
Seit 2006 wird das Turnier im Zweijahresrhythmus ausgetragen. Teilnehmen können Mannschaften, die von der Fifa ignoriert werden. Die Insel Sansibar gehört eigentlich zu Tansania, die Westsahara wurde von Marokko annektiert. Teams aus der Provence und Occitania, das zwischen Frankreich und Spanien liegt, sind ebenfalls am 3. Juni in den Irak gereist – in der Hoffnung, am 10. Juni das Finale zu bestreiten.
Erster Sieg gegen Tamilen
Im Auftakt-Match gegen das erfahrene Team aus Sansibar hatten die Bündner klar das Nachsehen: Nach torlosen 45 Minuten wurden die Afrikaner mit einem klaren 6:0 ihrer Favoritenrolle gerecht. Es hätte auch schlimmer kommen können, wie ein Blick in Gruppe C zeigt, wo Nordzypern gegen Darfur 15 mal traf. Im zweiten Spiel gegen Tamil Elam erkämpften sich die Schweizer den ersten Sieg: Das sehenswerte 1:0 von Marco Dudler markierte den Endstand.
Eine Topplatzierung lag dennoch nicht mehr drin. Am 8. Juni fertigte das Team aus der Westsahara die Truppe vom FA Rätia bei mörderischer Hitze mit 4:0 ab. Im letzten Match der Schweizer, deren prominenter Präsident Rapper Gimma ist, ging es nur noch um Ergebniskorrektur: Wieder stand eine Partie gegen die Mannschaft der Tamilen auf der Agenda, gegen die in der Vorrunde ja gewonnen wurde.
Nur noch zehn Mann im letzten Match
«Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel. Der Platz ist rau», informierte der FA Rätia im Live-Ticker aus Arbil. Lag es daran, dass die Europäer ihren Gegner dieses mal nicht schlagen konnten? Wieder fielen in der ersten Halbzeit keine Tore, doch dafür vier in den zweiten 45 Minuten – und alle landeten im Rätia-Netz.
«Wir waren nur zu zehnt wegen Verletzten», erklärte uns Gimma die Niederlage. Es sei dennoch «ein grosser Kampf mit viel Einsatz» gewesen. «Leider sind wir nur Achter geworden, das suckt. Es hätte gut und gerne auch der fünfte Platz sein dürfen», lachte er. FA-Rätia-Vize Yacine Azzouz war am Ende des Turniers «unheimlich geschafft» und kündigte an: «Ich muss mich hinlegen.»
Ob achter oder fünfter Platz: Besser als Otmar Hitzfelds Nati sind die Bündner schon jetzt! Das Finale steigt übrigens zwischen den Teams aus Kurdistan und Nordzypern. Im Spiel um Platz drei treffen Sansibar und die Provence aufeinander.