Via Schweiz in den Himmel

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Der YB-Deal mit AbidjanVia Schweiz in den Himmel

Doumbia, Yapi, Doubaï - die grossen Stars der Berner Young Boys stammen von der Elfenbeinküste. Das ist kein Zufall. Und nützt nicht nur YB, sondern auch dem ivorischen Verein AS Athletic Adjamé. Weitere Hoffnungsträger stehen schon bereit.

Vor knapp zwei Jahren hat YB einen Partnerschaftsvertrag mit einer Fussballschule in Abidjan geschlossen - ein Geschäft zu beiderseitigem Nutzen.

Halb Fussball-Europa interessiert sich derzeit für den YB-Stürmer Seydou Doumbia. Der 21-Jährige kam letzten Sommer nach Bern, wurde auf Anhieb Torschützenkönig und ist auch jetzt wieder der treffsicherste Spieler der Schweiz.

Bis zu 15 Millionen Franken wurden YB schon geboten - doch der Klub blieb hart: «Doumbia ist unverkäuflich, wir brauchen ihn, um Meister zu werden», erklärte Stefan Niedermaier, Chef des Stade de Suisse und YB-Verwaltungsratsdelegierter, jedem Interessenten.

Trotzdem: Beobachter gehen davon aus, dass Doumbia spätestens nächsten Sommer in eine Top-Liga verkauft wird - was YB einen wahren Geldsegen bescheren dürfte. Spätestens dann wird sich erweisen, was für ein lukratives Geschäft der Partnerschaftsvertrag mit der AS Athletic Adjamé ist.

Denn Doumbia ist ein Zögling von Athletic, er hatte sich als knapp 19-Jähriger nach Japan «verirrt» und war dort - als einziger Afrikaner in der Liga - so unglücklich wie erfolglos. Athletic-Präsident Olivier Koutoua gab Niedermaier den Tipp, dieser wagte das Experiment - der Rest ist bekannt.

Weitere Ivorer in der Warteschleife

Niedermaier hatte den Mut auch deshalb, weil zuvor bereits Doumbias Freund Thierry Doubaï in Bern eingeschlagen hatte. Bald soll dessen kleiner Bruder Pascal nachfolgen, mit Youssouf Traore ist ein weiteres Talent bereits in Bern eingetroffen.

Budget verdoppelt

«Athletic ist so eine Art Milchkuh für YB», sagt der Journalist Elie Kambiré aus Abidjan - und meint das keineswegs negativ. Denn Athletic profitiert auch vom Deal. Dank YB hat der Verein sein Budget auf umgerechnet 87 000 Franken verdoppeln können. «45 Prozent davon werden durch den Schweizer Partner bezahlt», sagt Präsident Koutoua.

Mit Schweizer Geld hat der Klub einen Fitnessraum eingerichtet und plant den Bau eines eigenen Stadions. Aus Bern kam überdies kistenweise Sportmaterial - Trikots, Bälle und Trainingsmaterial aller Art.

YB ist sichtlich bemüht, das Abkommen mit Abidjan partnerschaftlich und fair umzusetzen. «Natürlich ist es unser Ziel, aussergewöhnliche Talente aus Abidjan zu uns holen zu können», räumt der YB-Verwaltungsratsdelegierte Stefan Niedermaier ein.

Wenn alle fünf Jahre ein Spieler gewinnbringend weiterverkauft werden kann, rentiert sich der Deal bereits. Wie es aussieht, liegt mit Doumbia sogar eine grosse Gewinnmarge drin.

Man wolle aber auch Athletic weiterentwickeln helfen, betont Niedermaier und sagt zusammenfassend: «Zu 70 Prozent geht es um Sport, zu 20 Prozent um Geld, zu 10 Prozent um Soziales.»

Yapi ist «Vater» und Chef

Wichtig ist für Niedermaier auch, dass sich die Spieler in Bern wohlfühlen, dass sie sozial integriert sind. Hier kommt Gilles Yapi eine Schlüsselrolle zu - auch er ist ein Ivorer, spielte früher in Frankreich und wechselte dann nach Bern. Für die anderen, teils blutjungen Ivorer ist er eine Art Vaterfigur.

Doch Yapi, der an der WM 2006 für die Elfenbeinküste spielte, ist in Bern nicht nur für seine Landsleute eine wichtige Figur. Er ist der unbestrittene «Chef» der 1. Mannschaft auf dem Platz - auch die Schweizer im Team hören auf den Regisseur mit der Nummer 10.

Doch nicht alle - oder besser gesagt - wenige Versuche von Ivorern, in der Schweiz Fuss zu fassen, laufen erfolgreich. Viele scheitern bei ihren Tests in Europa. Die Super League ist daher begehrt als Schaufenster. (sda)

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