Transfer-DilemmaDerdiyok zwischen Stuhl und Bank
Der Natistürmer will nach Leverkusen wechseln. Leverkusen will ihn haben, hat aber das Geld nicht. Hoffenheim hätte das Geld, aber Derdiyok will zu Bayer. Bleibt er bei Gross in Basel, sitzt er wieder auf der Bank. Wer ist nun Schuld an Erens Dilemma?
Beim FC Basel sitzt er häufig auf der Bank, zu häufig. Nicht nur seiner Meinung nach. Zwar schwankt seine Leistung nicht so stark wie jene seiner Konkurrenten, dafür jedoch seine Launen. Vor allem, wenn es um seinen anstehenden Vereinswechsel geht.
Rückzieher vom Wechselgedanken
Im Sommer sprach man in der Schweiz von der EM, doch Eren Derdiyok posaunte: «Ich möchte wechseln und habe Angebote.» Die Bundesliga soll es sein. Doch er ruderte zurück: «Ich möchte in Basel erst einmal eine Saison als Stammspieler bestreiten, bevor ich ins Ausland gehe.» Das sei richtig und wichtig für seine Entwicklung, fügte er an. Dieser Fehltritt im Umgang mit der Presse wurde ihm als Anfängerfehler schnell verziehen.
Kurz darauf wechselte Derdiyok jedoch seinen Berater. Die neue Agentur – betreut auch Kumpel Mladen Petric – sitzt in Köln und pflegt gute Kontakte zu den westdeutschen Bundesligisten. Kurze Zeit später flatterte prompt das Angebot von Bayer Leverkusen auf den Tisch. Derdiyok setzte sich mit Sportchef Rudi Völler an einen Tisch und sagte zu. Dumm nur, dass er es auch gleich in den Medien bekannt gab. «Ich will schon im Winter nach Leverkusen wechseln. Mit Bayer ist bereits alles klar.» Die Rechnung wurde aber ohne den FC Basel gemacht. Die Transfersumme stieg und gleichzeitig stellte Leverkusen fest: Das Geld ist schon zu Ende, aber das Jahr noch nicht.
«6 Millionen Euro Ablöse sind ausgeschlossen»
Der FC Basel muss trotz der Champions-League-Millionen weiterhin ein dickes Sackgeld einstreichen, um das Budget ausgleichen zu können. Bilanzfrist ist der 31.12.2008. Doch Völler winkte endgültig ab, als sich Stürmer Gekas verletzte und sein Verkauf nicht mehr die gewünschte Einnahme bringt. Rudi Völler: «Der FC Basel fordert 6 Millionen Euro Ablöse. Diese Möglichkeiten haben wir bei weitem nicht. Das ist ausgeschlossen!» Die Fronten zwischen Basel und Leverkusen sind also derart verhärtet, dass Völler zugeben muss: «In den nächsten Tagen passiert da sicher nichts.»
Verlierer in der ganzen Situation ist Eren Derdiyok. Und grösstenteils ist er selbst schuld. Sein Schlingerkurs «Ich wechsle, ich bleibe, ich will nach Hoffenheim , mir gefällts in Basel, ich gehe nach Leverkusen», verärgert Trainer und Fans. Die Zukunft des kopfballstarken Angreifers ist also offen. Derdiyok weiss heute nicht, was morgen passieren wird. Es geht um ihn, doch die Situation hat er längst nicht mehr unter Kontrolle. Er ist ein hilfloser Spielball im internationalen Fussballbusiness, wenn Spieler wie Ware verschoben werden.
Transferwelle in der Winterpause
Deutlich klarer ist hingegen die Situation einiger anderer Super-League-Stars, die der Schweiz im Winter vermutlich den Rücken kehren werden: Alexandre Alphonse will zurück in sein Heimatland – in die Ligue 1. Den gleichen Weg möchte Neuenburgs Matar Coly einschlagen. Andere Spieler wiederum sollen von ihren Vereinen abgeschoben und ins Ausland verhökert werden: Sittens Obinna Nwaneri, Berns tunesischer Nationalspieler Saif Ghezal, dazu Boubacar Diarra vom FC Luzern und zu Guter Letzt sollen auch die letztjährigen FCZ-Fehleinkäufe den Laufpass bekommen: Silvio wurde bereits in die Challenge League zurückgegeben, Oumar Kondé in den Nachwuchs verbannt und Andrés Vasquez, Adan Vergara und Emra Tahirovic sollen wieder verschickt werden.