KorruptionsvorwürfeEuroparat nimmt Fifa unter die Lupe
Heute gilt es für den Weltfussballverband ernst: Der Europarat will Auskunft über die Geschäftspraktiken der Fifa. Der Stuhl des Kronzeugen wird leer bleiben.
Bestechungsvorwürfe machen im Zusammenhang mit dem Weltfussballverband Fifa immer wieder die Runde. Zuletzt bei der Wiederwahl von Sepp Blatter als Präsident oder im Zusammenhang mit dem Konkurs der Zuger Sportmarketing-Agentur ISL, die sich mit Millionenzahlungen an Fifa-Funktionäre lukrative Aufträge gesichert haben soll.
Diese Schlagzeilen haben im April den Europarat auf den Plan gerufen. Die Parlamentarier in Strassburg diskutierten in ihrer Frühjahrssession über Ethik im Sport. Dabei reichte der Franzose François Rochebloine einen Vorstoss ein, dass untersucht werden soll, ob bei der Wahl des Fifa-Präsidenten «der gewählte Kandidat» seine Befugnisse genutzt habe, «um unfaire Vorteile für sich selbst oder potenzielle Wähler zu erhalten».
Europarat lädt zur Anhörung
Der Europarat hat das Thema erweitert und lädt am Mittwoch in Paris zu einer ausführlichen Anhörung zum Thema «Die Fifa-Führung im Fokus» ein. Gesucht werden bei dem Anlass Reformen für stärkere Transparenz. Es soll über den laufenden Reformprozess in der Fifa diskutiert werden sowie über weitere mögliche Massnahmen zur Verringerung des Risikos von Amtsmissbrauch und Korruption. Auch im Fokus stehen die Möglichkeiten einer neuen Gesetzgebung in der Schweiz, um Korruption in Sportorganisationen zu bekämpfen.
Der Deutsche Theo Zwanziger, Mitglied des Exekutivkomitees, wird die Fifa an der Anhörung vertreten. Auch Jérôme Champagne, ehemaliger stellvertretender Generalsekretär, wird vorsprechen. Ausserdem hat der Europarat eine Vertreterin der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International und mit Jean-Loup Chappelet einen Schweizer Experten fürs Management von Sportorganisationen eingeladen.
Bin Hammam sagt kurzfristig ab
Einer wird mit Abwesenheit glänzen: Eigentlich hatte Mohamed Bin Hammam seine Teilnahme an der Anhörung zugesagt. Der Geschäftsmann aus Katar war jahrelang treuer Wegbegleiter von Fifa-Chef Sepp Blatter, bis er diesen 2011 bei der Präsidentschaftswahl herausforderte. Bin Hammam stolperte drei Tage vor dem Duell über eine Bestechungsaffäre und wurde von der Fifa lebenslang gesperrt. Das internationale Sportgericht CAS erklärte diese Sanktion allerdings für ungültig.
Nach dem Bruch zwischen dem Katarer und dem Weltfussballverband erhoffte man sich am Mittwoch wertvolle Informationen von Bin Hammam. Er sollte die Rolle des Kronzeugen spielen. Doch wenige Tage vorher sagte er ab. Wie die «Süddeutsche Zeitung» mutmasst, soll gar Fifa-Boss Sepp Blatter seine Finger im Spiel gehabt haben. Dieser sei vergangene Woche beim Emir von Katar in Doha aufgetaucht – mit Hintergedanken. Offenbar soll der König die Europareise verboten haben.
Auch Blatter glänzt mit Abwesenheit
Auch Sepp Blatter meidet die Anhörung in Paris. Denn diese findet öffentlich statt. Deshalb schickt er seinen langjährigen Berater Jérôme Champagne und Theo Zwanziger als Fürsprecher. Letzterer ist seit seinem Rücktritt als DFB-Präsident in Deutschland isoliert und seither auffallend Blatter-nahe. Er gehört seit 2011 dem Fifa-Vorstand an und soll hier die Statuten überarbeiten.
Die Fifa stellte letzte Woche die Ermittlungen gegen Mohamed Bin Hammam ein – um dann am Montagabend mit der Meldung zu überraschen, dass sie ihn nun doch wieder lebenslang sperrt. Chefermittler Michael Garcia habe Interessenskonflikte von 2008 bis 2011 nachgewiesen. Daraufhin hat der Katarer mit sofortiger Wirkung alle Ämter niedergelegt. Bin Hammam war zuletzt Präsident der asiatischen Fussball-Konförderation.