Confed CupSpanien steht nach Elfmeterkrimi im Final
Im zweiten Halbfinal setzt sich Spanien gegen Italien erst im Penaltyschiessen durch. Nach 120 torlosen Minuten verschiesst Leonardo Bonucci den einzigen Elfmeter. Nun wartet im Final Brasilien.
Der Confederations Cup hat seinen Traumfinal: Spanien gewann in Fortaleza das europäische Halbfinal-Duell gegen Italien nach torlosen 120 Minuten 7:6 im Penaltyschiessen und wird am Sonntag ab Mitternacht Gastgeber Brasilien fordern.
Keine Treffer, aber viel Spannung in 90 Minuten, keine Treffer, aber mehrere Chancen in der Verlängerung und zwölf fehlerfreie Schützen im Penaltyschiessen: Der zweite Halbfinal des Wettbewerbs hatte ein spezielles Drehbuch. Als einzigem in der Entscheidung vom Elfmeterpunkt versagten Leonardo Bonucci die Nerven. Der Verteidiger von Juventus Turin und der italienischen Nationalmannschaft schoss weit darüber, Spaniens Jesus Navas entschied die Partie 30 Sekunden darauf. Und der Neuzuzug von Manchester City verhinderte damit die erste Niederlage seiner Mannschaft in einem Ernstkampf seit dem 0:1 gegen die Schweiz an der WM 2010. In der Verlängerung waren beide Teams durch Emanuele Giaccherini (93.) respektive Xavi (115.) zu je einem Pfostenschuss gekommen.
Verlängerung in der Hitze
Eine Zusatzschicht wollten die europäischen Halbfinal-Vertreter in der vorletzten Partie der langen Saison 2012/13 eigentlich mit allen Mitteln verhindern. Doch Spanien bekundete in der Final-Reprise der EM 2012 viel mehr Mühe bekundete als in den drei Gruppenspielen des Confederations Cup, Italien durfte in der regulären Spielzeit die Vorteil für sich beanspruchen. Von einer Überlegenheit wie vor einem Jahr in der Ukraine, als es den EM-Final 4:0 gewann, war diesmal nichts zu spüren.
Acht Gegentore in drei Gruppenspielen (gegen Brasilien, Japan und Mexiko) hatten in Italien Diskussionen in Gang gesetzt. Ein Jahr vor der WM rückte die Defensive, ansonsten das mutmassliche Prunkstück der «Squadra Azzurra», ins Zentrum der Aufregung. Zumindest die Leistung gegen Spanien dürfte den Kritikern den Wind sogleich wieder aus den Segel genommen haben. Denn Italien setzte das um, was Cesare Prandelli mit dem (Ver-)Stärken von Abwehr und Mittelfeld bezwecken wollte, auf nahezu ideale Weise um.
Italien taktisch herausragend
Die Flexibilität der Italiener in der Rückwärtsbewegung liess Spanien das gefürchtete Kurzpassspiel kaum aufziehen. Nadelstiche setzte vor der Pause praktisch ausschliesslich der Herausforderer, oftmals nach schnellen Vorstössen oder Seitenwechseln. Vier der sechs Möglichkeiten erspielte sich der EM-Finalverlierer des Vorjahres, mit sieben Juve-Spielern in der Startformation, innert vier Minuten: Zwischen der 15. und 19. Minute scheiterten der Reihe nach Alberto Gilardino (der Ersatz des verletzt abgereisten Mario Balotelli), Daniele de Rossi, Christian Maggio und Claudio Marchisio, die letzten drei jeweils per Kopfball.
Dass Spaniens erster Torschuss erst nach 58 Minuten (durch den eingewechselten Jesus Navas) erfolgte, zeigte das Problem des Welt- und Europameisters auf. Er wirkte in der Nachmittagshitze von Fortaleza behäbiger als sonst, zwingende Chancen waren im Vergleich mit anderen Auftritten, ganz zur Freude des Publikums mit klaren Sympathien für Italien, geradezu rar. Dennoch hätte Spanien die Partie in der regulären Spielzeit zu seinen Gunsten entscheiden können. Der «Matchball» des aufgerückten Innenverteidigers Piqué aus elf Metern flog ungefähr gleich viele Meter drüber.
Spanien - Italien 0:0 n.V.; Spanien 7:6-Sieger im Penaltyschiessen.
Castelão, Fortaleza. - 60'000 Zuschauer. - SR Webb (Eng).
Penaltyschiessen: Candreva 0:1, Xavi 1:1; Aquilani 1:2, Iniesta 2:2; De Rossi 2:3, Piqué 3:3; Giovinco 3:4, Ramos 4:4; Pirlo 4:5, Mata 5:5; Montolivo 5:6, Busquets 6:6; Bonucci (darüber), Navas 7:6.
Spanien: Casillas; Arbeloa, Piqué, Ramos, Alba; Xavi, Busquets, Iniesta; Pedro (79. Mata), Torres (94. Martinez), Silva (52. Navas).
Italien: Buffon; Barzagli (46. Montolivo), Bonucci, Chiellini; Maggio, De Rossi, Pirlo, Giaccherini; Candreva, Marchisio (80. Aquilani); Gilardino (91. Giovinco).
Bemerkungen: Italien ohne Abate und Balotelli (beide verletzt). 93. Pfostenschuss von Giaccherini. 115. Buffon lenkt Schuss von Xavi an den Pfosten. Verwarnungen: 65. De Rossi (Foul). 105. Piqué (Hands).