Gewalt im FussballKrawalle und Spielabsage in St. Gallen
Die Gewaltwelle im Fussball hat nun auch die Erstliga-Gruppe 3 erreicht. Etwa 50 vermummte Unbekannte haben am Samstag in St. Gallen vor einem Fussballspiel der U21-Mannschaften von FC St. Gallen und GC eine Gruppe von GC-Fans verprügelt. Bundesrat Ueli Maurer forderte die konsequente Anwendung des Hooligan-Gesetzes.
Der überfallartige Angriff der teils vermummten, schwarz gekleideten Unbekannten auf rund 100 Fans der U21-Mannschaft des Zürcher Grasshopper Clubs (GC) ereignete sich um etwa 15.30 Uhr in der St. Galler Sportanlage Gründenmoos. Die Angreifer stürmten laut Polizei unvermittelt aus Gebüschen heraus und zündeten Knallpetarden sowie Leuchtkörper. Sie verprügelten die GC-Fans inmitten von Familien mit Kindern. Zahlreiche Menschen fanden in Tribünenräumen Schutz, wohin sich auch die GC-Fans flüchteten. Einer von ihnen wurde leicht verletzt.
Als die Stadtpolizei auf dem Gründenmoos eintraf, flüchteten die Angreifer. Einzelne wurden erkannt. Sie gehören laut Stadtpolizei zur «Problemgruppe» der St. Galler Seite. Das U21-Spiel wurde vom Schiedsrichter abgesagt. Ein Teil der GC-Fans wurde zum Bahnhof St. Gallen Winkeln und fuhr später vom Hauptbahnhof aus nach Zürich. Vermutlich die gleichen Angreifer tauchten laut Mitteilung am frühen Sonntagmorgen vor einem Nachtclub in der St. Galler Innenstadt auf, wo sich Zürcher aufhielten. Als die Gruppe erfuhr, dass es keine Fussballfans waren, verzogen sie sich.
Inzwischen bekräftigte Bundesrat Maurer in der «SonntagsZeitung» und im «Sonntag» seine letzte Woche erhobene Forderung nach konsequenter, einheitlicher Anwendung des Hooligan-Gesetzes. Es gehe um kriminelle Handlungen. Unter anderem forderte der Chef des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) die Veröffentlichung von Täterfotos im Internet, die Einführung von Fanpässen und Schnellgerichten sowie Sanktionen am Arbeitsplatz eines Hooligans. «Es darf von einem Arbeitgeber nicht mehr toleriert werden, dass ein Mitarbeiter übers Wochenende als Chaot in oder um Stadien seine Freizeit verbringt und am Montag in der Krawatte wieder am Arbeitsplatz erscheint», wurde Maurer zitiert. VBS-Sprecher Martin Bühler bestätigte auf Anfrage, die Zitate seien autorisiert. Der Schweizerische Fussballverband (SFV) begrüsste Maurers Forderungen in einer Mitteilung.
Die als so genanntes Risiko-Spiel eingestufte Begegnung von GC und dem FC Basel im Zürcher Letzigrundstadion verlief problemlos. Nach dem Spiel, das GC mit 4:1 Toren gewann, blieb es vorerst ruhig, wie es auf Anfrage bei der Zürcher Stadtpolizei hiess. Vor Wochenfrist hatte es nach dem Spiel FCZ - FCB schwere Ausschreitungen mit Verletzten und erheblichen Bahnverkehrsstörungen gegeben. Nun gratulierte die Zürcher Stadtregierung dem FCZ, der Bellinzona 1:0 schlug, zum Gewinn des Schweizer-Meister-Titels. (sda)