Zielsprünge: Spektaktel oder nur Gefahr?

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Zielsprung-DiskussionZielsprünge: Spektaktel oder nur Gefahr?

In Wengen ging noch alles gut - in Kitzbühel ist die Diskussion über Zielsprünge jedoch wieder voll entbrannt. Grund dafür ist der böse Unfall des Schweizer Ski-Idols Daniel Albrecht. Eine österreichische Ski-Legende will diese Zielsprünge in Zukunft am liebsten gar nicht mehr sehen.

Herbie Egli
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Herbie Egli

Von den aktuellen Fahrern hatten vor allem Didier Cuche und Michael Walchhofer ihre Zweifel am Zielsprung in Kitzbühel. Bei der Besichtigung vor dem Abschlusstraining protestierte Cuche mit einer Vollbremsung und quer gestellten Skis an eben jener Stelle, an der Albrecht später abhob. «Ich will keine Polemik», hält Cuche fest, «aber ich finde es nicht gut, wenn dort künstlich eine Schanze gebaut wird. Selbst wenn diese perfekt gemacht ist, ist die Passage noch giftig genug.»

Michael Walchhofer empfand diese Schanze jedoch als nicht perfekt gemacht. «Ich habe mit Didier gemeinsam besichtigt und wir haben schon von oben festgestellt, dass die Schanze eine kleine Nase hat. Nachdem Didier dann oben auf dem Sprung gebremst hat, kam es mit dem Schanzenmeister der Piste zu einer Diskussion», so Walchhofer. «Didier hat ihm dann klar und deutlich erklärt, dass der Tisch flach sein muss, weil man sonst zu viel Druck unter den Ski bekommt. Doch der Schanzenmeister hat nur gelächelt und abgewinkt.» Nach Albrechts Sturz ist ihm dieses Lachen sicherlich im Hals stecken geblieben.

Rückendeckung von FIS-Renndirektor

Beim internationalen Skiverband FIS kann man die Polemik um diese Schanze nicht verstehen. Renndirektor Günther Hujara hält die künstliche Kuppe gerade aus Sicherheitsaspekten für dringend notwendig: «Die Läufer haben so einen klar definierten Punkt zum Abspringen oder auch, um den Sprung zu drücken.» Damit nimmt er den Schanzenbauer aber nur indirekt aus der Schusslinie.

Swiss-Ski-Cheftrainer Martin Rufener und Experte Bernhard Russi blasen in etwa ins gleiche Horn. Daniel Albrecht stürzte wegen eines Fahrfehlers, waren sie sich bei der Analyse einig. Ein wenig zu viel Rücklage und ein wenig zu viel Selbstsicherheit, dafür zu wenig Konzentration und Respekt vor dieser letzten Aufgabe auf der schwersten Abfahrt der Welt, lautete das gemeinsame Fazit.

«Ich verstehe das nicht»

Wenn die besten Skisportler der Welt sowohl körperlich als auch geistig nicht in der Lage sind, diese letzte Herausforderung immer ohne negative Folgen für die eigene Gesundheit zu bewältigen, muss man da nicht reagieren? Zwei Generationen haben da keine zwei Meinungen. Nicht nur Bode Miller stellt sich die Frage nach dem Sinn eines solchen Sprungs, sondern auch die österreichische Ski-Legende Karl Schranz hat sich noch in diese Diskussion eingebracht: «Es ist einfach nicht nötig, am Ende einer so schwierigen Strecke noch so einen gefährlichen Sprung zu haben! Ich verstehe das einfach nicht.»

Der Weltcup ist aber längst mehr als ein gemeinsames Treffen der besten Skifahrer. Er ist Show, Spektakel und Faszination. Für die Funktionäre geht es längst nicht mehr nur um das Rennen, sondern auch um die Fernsehübertragung und die Sponsoren. Damit hat der Skisport die gleichen Probleme wie das Eishockey oder die Formel 1: Dort warten die Leute auf die Schlägerei bzw. auf den Unfall mit Autos. Doch im Skisport fliegen nicht Autos, sondern Menschen. Und Wengen hat gezeigt: Auch wenn am Ziel kein Sprung mehr ist, kommen die Leute an die Piste, denn die Sportler sind Sympathieträger.

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