Männerbild«Es zeigt, dass die Rollen noch fest verankert sind»
Das Video, in dem eine Frau in Davos ein Auto freischaufelt, ist auf grosse Resonanz gestossen. Gemäss eines Experten ist dies der Ausdruck von Geschlechterrollen, die noch fest in den Köpfen verankert sind.
Die Frau schaufelt das Auto frei, der Mann schaut zu.
Justyna SpiessDarum gehts
Das Video, in dem eine Frau ein Auto freischaufelt, stösst auf grosse Resonanz.
Es zeige, dass die Geschlechterrollen noch fest verankert sind, meint ein Experte.
Jeder und jede müsse diese Rollen reflektieren, falls man etwas ändern möchte.
Das Video aus Davos, welches zeigt, wie eine Frau ein schneebedecktes Auto freischaufelt und ein Mann untätig daneben steht, hat eine grosse Resonanz ausgelöst. Doch wieso ist das überhaupt so? Die Reaktionen auf die Bilder würden beweisen, dass die traditionellen Geschlechterrollen heutzutage noch tief in den Köpfen verankert sind, meint Mike Mottl, Geschäftsleiter und Männerberater des Mannebüros in Zürich. «Es ist eine ganz andere Reaktion, die ausgelöst wird, als wenn es umgekehrt wäre», meint Mottl. Wäre es der Mann, der schaufelt, würde es wohl nicht auf eine derartige Aufmerksamkeit stossen.
Gleichzeitig könne man sich fragen, wieso dies eigentlich so sei. «Wieso sollte eine Frau nicht selbst das Auto freischaufeln können?» Das ginge gemäss Mottl völlig in Ordnung. «Es ist aber schwierig, darüber zu urteilen, da man den Kontext überhaupt nicht kennt.»
Rollenbilder sind nicht nur böse
Zwar sei das Verständnis über die traditionelle Rolle des Mannes eine andere als in vergangenen Zeiten. «Heutzutage möchte die Mehrheit eine Beziehung auf Augenhöhe führen», so Mottl. Gleichzeitig seien viele Stereotypen, zum Beispiel der starke Mann als Ernährer und die Frau, die zu Hause die Kinder erzieht, noch immer stark im Bewusstsein der Gesellschaft verankert. Dies zeige auch die Reaktion auf den TikTok-Clip. Einerseits sei es eine gesellschaftliche Frage, anderseits sei es Aufgabe jedes Einzelnen, diese Rollen zu reflektieren und zu ändern. Doch: «Es ist auch für einen Mann schwierig, sich von solchen Vorstellungen zu lösen», sagt Mottl. So sei jeder und jede gefordert, seine eigene Rolle zu hinterfragen, falls man das Verständnis der Geschlechterrollen verändern möchte.
Das heisse aber nicht, dass Rollenbilder an sich böse sind. «Ich bin auch gerne ein Gentleman und öffne für meine Begleitung die Türe», meint Mottl. Geschlechterbilder seien Teil unserer Kultur, und das müsse nicht nur schlecht sein. Eher solle man sich überlegen, was man von den traditionellen Rollen beibehalten möchte und was nicht.