«Ich bekam sogar Morddrohungen»

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Scientology-Gegner vor Gericht«Ich bekam sogar Morddrohungen»

Manfred Harrer kämpft in Basel seit Jahren gegen Scientology. Deren Mitglieder haben ihn mit Anzeigen eingedeckt, jetzt wehrt er sich vor Gericht gegen eine Verurteilung.

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Mit seinen Mitstreitern stellt Manfred Harrer schon seit Jahren Scientologen nach und stört deren Aktivitäten in Basel. Dabei soll er auch die Grenzen des Erlaubten übertreten haben.
Die Staatsanwaltschaft verurteilte den 68-Jährigen im Januar 2019 per Strafbefehlsverfahren deswegen zu einer Geldstrafe von 3600 Franken. Dagegen wehrt sich Harrer, ein Jahr später wird der Fall nun am Montag vor dem Basler Strafgericht verhandelt.
«Wir plädieren auf Freispruch in allen Punkten», sagt der Aktivist am Vortag des Prozesses.
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Mit seinen Mitstreitern stellt Manfred Harrer schon seit Jahren Scientologen nach und stört deren Aktivitäten in Basel. Dabei soll er auch die Grenzen des Erlaubten übertreten haben.

Keystone/Stefan Bohrer

Mehrfache Tätlichkeiten, mehrfache üble Nachrede, mehrfache Beschimpfung, Drohung und Nötigung; der Katalog an Straftaten, die Manfred Harrer bei seinen Aktionen gegen Scientology in Basel begangen haben soll, ist lang. Die Staatsanwaltschaft verurteilte den 68-Jährigen im Januar 2019 per Strafbefehlsverfahren deswegen zu einer Geldstrafe von 3600 Franken. Dagegen wehrt sich Harrer, ein Jahr später wird der Fall nun am Montag vor dem Basler Strafgericht deshalb abermals verhandelt.

«Wir plädieren auf Freispruch in allen Punkten», sagt der Aktivist am Vortag des Prozesses. Mit seinen Mitstreitern stellt Harrer schon seit Jahren Scientologen nach und stört deren Aktivitäten in Basel. Dabei soll er auch die Grenzen des Erlaubten übertreten haben. Mehrere Scientologen zeigten ihn im Jahr 2015 an. Sie werfen ihm vor, sie beschimpft, bedroht und tätlich angegriffen zu haben. Ihr «blaues Wunder» würden sie erleben, soll er gedroht haben, als Scientologen versuchten, am Claraplatz mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.

Zudem postete er im Internet auf öffentlichen Profilen Beiträge, die rufschädigend sein sollen. «Wer mit diesem Mann und dieser gefährlichen Sekte Geschäfte macht, für diese arbeitet oder diese sonst wie unterstützt, sollte mit Ignoranz nicht unter drei Jahren bestraft werden», schrieb Harrer.

«Sie wollen Kritiker mundtot machen»

Harrer sagt in Richtung Scientology: «Mit ihren falschen Anschuldigungen wollen sie Kritiker mundtot machen. Das ist ihr System. Ich habe sogar Morddrohungen erhalten und wurde schon von Scientologen tätlich angegriffen.» Beides könne er beweisen. Dies wird aber nicht Gegenstand des aktuellen Verfahrens sein.

Ob er aber tatsächlich einen Freispruch in allen Punkten erwirken kann, ist er sich nicht so sicher. Er habe sich zum Teil schon grenzwertig benommen, sagt Harrer. So wird das Gericht nun unter anderem klären müssen, ob es in Ordnung ist, Bilder von Scientologen auf Facebook zu veröffentlichen, wie das Harrer und seine Mitstreiter systematisch machten. Der Aktivist zeigt sich aber kampflustig: «Wir zerpflücken die vor Gericht.»

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