Spaziergänger fürchten den Jäger mehr als den Wolf
Im Wald von Benglen ist die Idylle getrübt. Angeblich wurde ein zähnefletschender Wolf gesichtet. Doch die Spaziergänger fürchten sich mehr vor dem Jagdaufseher als vor dem wilden Tier.
Seit das Ehepaar Poliakovsky bei
Tele Züri von einem «zähnefletschenden Wolf» im Wald von Benglen berichtete, ist die Zürcher Vorortsgemeinde
in Aufruhr. Mit Fernglas und Gewehr ausgerüstet streift Jadaufseher Hans Augsburger seit drei Tagen durch das Dickicht. «Ich muss ihn finden, denn viele Rehkitze sind in Gefahr», sagt der 78-Jährige. Die Zeugen hätten einen glaubwürdigen Eindruck gemacht, Herr Poliakovsky sei zudem Wildbiologe. Jagdaufseher Augsburger hat auch schon eine erste Fährte: «Ich bin auf einen Pfotenabdruck gestossen, der durchaus von einem Wolf stammen könnte.»
Weniger erfreut über den Jagdtrieb des 78-Jährigen sind hingegen die Hundehalter. «Wir fürchten uns nicht vor dem Wolf, sondern vor dem schiessfreudigen Jagdaufseher. Was, wenn er unsere Hunde mit dem Wolf verwechselt?», sagt Hundehalterin Annemarie Renggli.
Doch Augsburger beruhigt: «Solange mir die Jagdverwaltung keine Abschusserlaubnis erteilt, darf ich so oder so nicht schiessen.» Heute will er mit den Zuständigen in Kontakt treten.
Für Robert Zingg, Kurator des Zürcher Zoos, ist die Wolfhysterie übertrieben. «Es ist eher unwahrscheinlich, dass ein Wolf unbemerkt von den italienischen Wäldern bis nach Zürich gelangen kann.»
Romina Lenzlinger