Forster: «‹Syriana› stünde der Oscar als bester Film zu»
Gestern Nacht wurden die Oscars vergeben. Der Bündner Regisseur Marc Forster (37) war letztes Jahr nahe dran, einen zu kriegen. Sein neuster Film «Stay» wurde gar nicht mehr nominiert.
Mit «Finding Neverland» hätte Marc Forster fast einen Oscar ergattert. Sieben Mal nominiert war der Streifen, schliesslich ging er leer aus. Noch ärger erging es dem neusten Film des Bündners: Das Drama «Stay» mit Naomi Watts (37) und Ewan McGregor (34) fiel bei den US-Kritikern durch und wurde Oscar-mässig komplett übergangen. «Damit habe ich gerechnet», sagt Forster. «Der Film ist viel zu abstrakt, um Academy-Mitglieder im Alter von 65 bis 90 Jahren zu beeindrucken. Er
ist zu europäisch.»
Dabei ist «Stay» Forsters persönlichster Film: ein visuell bestechender Thriller, der sich um einen Psychiater und seinen suizidgefährdeten Patienten dreht. «Je länger ich daran arbeitete, desto mehr Parallelen offenbarten sich», erzählt Forster. «Mein eigener Bruder war schizophren und hat sich vor ein paar Jahren das Leben genommen. Bei gewissen Szenen hatte ich ein Déjà-Vu.»
Die Vergangenheitsbewältigung und die Realisierung seiner Visionen waren Forster wichtiger als die Mainstream-Tauglichkeit. So erstaunt es auch nicht, dass sein persönlicher Oscar-Favorit weder «Capote» noch «Munich» ist. «Dem Politthriller ‹Syriana› stünde der Oscar als bester Film zu», sagt Forster. «Aber auch der wurde dafür nicht nominiert.»
Claudia Schlup
«Stay»: Ab 16. März in den Schweizer Kinos