GleichberechtigungWerden Männer bald aus den Unis verdrängt?
Immer häufiger wird in der aktuellen Bildungsdebatte der Politik vorgeworfen, dass Frauen an Hochschulen bevorteilt werden. Statistiken der letzten Jahre belegen, dass der Männeranteil tatsächlich rückläufig ist. Doch ein wichtiger Aspekt wird bei der Diskussion meist verschwiegen.
Die Statistiken zeigen, dass der Frauenanteil unter den Studienanfängerinnen und -anfängern in den letzten Jahrzehnten stetig gewachsen ist und seit kurzem auch knapp über die Hälfte der Studentenschaft ausmacht. In den einzelnen Fachrichtungen variiert der Anteil an Studentinnen jedoch stark zwischen etwa 30 und 70 Prozent. Am stärksten vertreten sind Frauen in den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie in der Medizin und Pharmazie. «Vor allem in diesen Studienrichtungen dominieren schon heute Studentinnen klar», sagt Christoph, Masterstudent der Erziehungswissenschaften an der Universität Bern.
Männliche Exoten haben bessere Chancen
Trotz den höheren Eintrittsquoten von Frauen an die Universitäten überholen die männlichen Studenten ihre Kommilitoninnen jedoch beim Abschluss zum Bachelor zahlenmässig. Bei den höheren Abschlüssen zum Master oder Doktorat sind sie sogar noch stärker vertreten. Zwar haben die Studentinnen in den letzten Jahren an Boden gut gemacht und die Anteile auch bei den höheren Abschlüssen erhöht. Ein ausgeglichener Anteil der Geschlechter ist aber noch lange nicht erreicht. Eine eindrückliche Ausnahme von der Regel ist in der Veterinärmedizin zu finden, wo 70 Prozent der Doktoranden Frauen sind. Auch in der Psychologie gibt es viele Studentinnen: «Der Frauenanteil bei uns ist extrem hoch, fast zu hoch für meinen Geschmack. Denn dadurch werden die Männer zu Exoten und haben vor allem auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen», sagt Alex, Masterstudentin der Psychologie an der Universität Bern.
Mehr Studentinnen, mehr weibliches Personal?
Die steigenden Frauenanteile unter den Studierenden und Doktorierenden legen den Schluss nahe, dass auch die Anteile der Frauen bei den Dozierenden und Professuren entsprechend gestiegen sind. Tatsächlich ist ein kontinuierlicher, aber nur leichter Anstieg in diesen Positionen zu verzeichnen. Am höchsten ist der Frauenanteil unter den wissenschaftlichen Mitarbeitenden mit 39 Prozent. Von den Dozierenden sind gut ein Viertel Frauen und bei den Professuren steht eine kleine Gruppe von Frauen einem Männeranteil von 85 Prozent gegenüber. Auch in den vermeintlich weiblichen Fachrichtungen wie den Geistes- und Sozialwissenschaften sind lediglich rund 19 Prozent der Professuren von Frauen besetzt.
Gleichgewicht in weiter Ferne
Von einem Bildungsvorteil für Frauen an den Universitäten kann also in keiner Weise gesprochen werden. Die Gesamtzahl an Studienanfängern ist vom Geschlechteraspekt her gesehen zwar seit kurzem ausgeglichen, je höher man jedoch in der Hochschulhierarchie geht, desso weniger Frauen sind anzutreffen. Gerade die Lehre ist stark männlich dominiert und es wird noch mehrere Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis auf allen Hochschulstufen erreicht ist.