IntersexualitätDie Reise zum eigenen Ich
Jedes Jahr kommen in der Schweiz etwa 40 intersexuelle Kinder zur Welt. Auch Phoebe verfügt über weibliche und männliche Geschlechtsmerkmale. Zusammen mit ihrer Schwester begibt sie sich auf die Suche nach ihrer Identität.

Phoebe auf Erkundungstour ins eigene Leben - immer mit dabei: die Kamera. (Bild: SRF)
Bub oder Mädchen, hellblau oder rosa? Spätestens nach der Geburt ist klar, ob wir männlich oder weiblich sind – eigentlich. Denn jedes Jahr kommen etwa 40 Babys in der Schweiz zur Welt, die sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsmerkmale aufweisen. Diese Ausprägungen zeigen sich nicht nur äusserlich. So können beispielsweise Menschen, die über eine Vagina verfügen, genetisch gesehen männlich sein (XY-Chromosomen haben). Anstatt Eierstöcken oder einer Gebärmutter, sind Hoden vorhanden.
Umgekehrt ist es möglich, dass ein Kind mit einem Penis geboren wird, genetisch gesehen aber ein Mädchen ist (XX-Chromosomen hat) und gleichzeitig weibliche Fortpflanzungsorgane in sich trägt.
Menschen, die eine solche Besonderheit aufweisen, nannte man früher Zwitter oder Hermaphrodit. Noch bis in die 80er-Jahre war es Intersexuellen – wie sie heute heissen – meistens nicht möglich, ihr Geschlecht selbst zu wählen. Oft hatten sich die Eltern bereits früh dafür entschieden, ob das Kind ein Bub oder ein Mädchen sein soll. Wie «drs2.ch» berichtete, operierten Ärzte die Kinder sogar ohne die Zustimmung der Eltern. Die aufgezwungene Geschlechterzuweisung, die später unter Umständen von einer Hormonbehandlung begleitet wird, bleibt für viele Betroffene nicht folgenlos: Sie geraten in eine Identitätskrise, fühlen sich weiblich, werden aber in die männliche Rolle gedrängt oder umgekehrt. Hinzu kommt, dass es durch die operative «Korrektur» zu einer Minderung des sexuellen Empfindens kommen kann, wie es auf «intersex.ch» heisst.
Streng gehütetes Familiengeheimins
Auch die junge Australierin Phoebe ist intersexuell. Rein genetisch gesehen ist sie ein Mann – doch ihr Körper zeigt sich aufgrund einer sogenannten Androresistenz widerstandsfähig gegenüber männlichen Hormonen. Als sie 13 Jahre alt war, wurde Phoebe von ihren Eltern über die Besonderheit aufgeklärt. Sie erfuhr, dass sie nie menstruieren werde und keine Kinder bekommen könne. Ein schwerer Schlag für das Mädchen, das damals dazu angehalten wurde, dieses streng gehütete Familiengeheimnis zu bewahren.
Heute ist Phoebe glücklich verheiratet. Zusammen mit ihrer Schwester Bonnie, die ebenfalls intersexuell ist, reist sie quer durch Australien: Begleitet von einem Kamerateam, begeben sich die Frauen auf eine humorvolle, beschwingte und zugleich tiefgründige Suche nach der eigenen Identität (siehe TV-Tipp).
TV-Tipp:
«Hermaphrodite - Phoebes intersexuelles Abenteuer» aus der Reihe «DOK», Montag, der 28. März um 22:50 Uhr auf SF 1.