Bio-Burger und Happy Meal im Schimmeltest

Aktualisiert

Trau deinen Augen nichtBio-Burger und Happy Meal im Schimmeltest

Eine Fotoreihe schien zu beweisen: McDonald's-Burger schimmeln nicht. Waren Konservierungsstoffe schuld? Oder schimmeln auch Bio-Burger nicht? Ein Test.

Patrick Toggweiler
von
Patrick Toggweiler

Sechs Monate lang fotografierte die New-Yorker-Fotografin Sally Davies jeden Tag dasselbe Happy Meal, das sie in ihrer Wohnung vor sich hingammeln liess. Wobei «vor sich hingammeln» offensichtlich nicht der richtige Ausdruck ist, wie die Fotos zeigen. Rein optisch veränderten sich weder Hamburger noch Kartoffelstangen. Was vor allem stutzig macht: Auf den Nahrungsmitteln ist kein bisschen Schimmel auszumachen.

Davies' Fotoreihe wurde von verschiedenen Medien aufgegriffen. Auf der Homepage der Künstlerin entflammte eine hitzige Diskussion: Schnell hiess es, McDonald's verwende zu viele Konservierungsstoffe. Andere zweifelten an der Aussagekraft des Versuchs, nur ein Vergleich mit Homemade-Produkten würde genug Beweiskraft erbringen. 20 Minuten Online wollte es genau wissen und hat mit Hilfe des Instituts für Lebensmittel- und Getränkeinnovation (ILGI) der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) den Test gemacht: Über 6 Wochen wurde Davies' Experiment unter kontrollierten Bedingungen nachgestellt und die Produkte mikrobiologisch auf Verderb untersucht – zum Happy Meal gesellten sich zu Hause zubereitete Bio-Hamburger und Pommes frites aus dem Supermarkt.

Der Schimmel zeigt sich nicht

Das erste Resultat zeigte vor allem eines: Davies hatte beim Schimmel nicht geschummelt. Auf den McDonald's-Produkten bildete sich erneut kein ersichtlicher Schimmelpilz. Wie dem Schlussbericht des ILGI zu entnehmen ist, blieben aber auch die zu Hause zubereiteten Nahrungsmittel vom Schimmel unberührt. «Die Proben behielten ihre ursprüngliche Form nahezu vollständig bei. Es wurde jedoch festgestellt, dass alle Proben bereits nach zwei Tagen sehr hart und trocken waren», so die Beobachtungen der Wissenschaftler.

Womit wir bereits bei des Rätsels Lösung wären. Denn genau dieses Austrocknen verhindert die Bildung von Schimmel – egal, ob Bio- oder McDonald's-Burger. Trotzdem bringt die Untersuchung des ILGI gewisse Unterschiede ans Licht.

Das Resultat: Fisch wie Vogel

Die Gesamtbelastung mit Verderbskeimen war bei den Selfmade-Burgern über den gesamten Zeitraum der Untersuchung stets höher als bei den Proben der Fastfood-Kette. Das hat einerseits mit der Zubereitung am heimischen Gas-Herd ohne Temperaturkontrolle im Vergleich zum Industriestandart bei McDonald's zu tun, andererseits aber auch mit der grösseren Fleischdicke und dem entsprechend langsameren Austrocknen des Heimproduktes. Diese bakteriellen Verderbskeime sind mit blossem Auge nicht sichtbar, die Auswirkungen ihrer Vermehrung zeigen sich jedoch in einer Veränderung von Geschmack sowie Geruch des Lebensmittels.

Sally Davies hätte also auch ihren selbstgemachten, nur aus Bio-Produkten bestehenden Feinkost-Burger fotografieren können, das Resultat wäre dasselbe gewesen – die Publikumsreaktion wäre aber wohl ausgeblieben. Und übrigens: Auch wenn sowohl Pommes frites als auch Hamburger nach mehreren Wochen scheinbar noch geniessbar aussehen – zum Verzehr sind sie keinesfalls mehr geeignet.

Eine ähnliche Versuchs-Idee hatte auch 20-Minuten-Online-Leser john Dierauer: Er wollte den Zerfallprozess zweier Hamburger in einem Zeitraffer festhalten - nach 5 Tagen brach er das Experiment ab - weil es zu langweilig war.

Zeitraffer von John Dierauer

(Video: YouTube)

Deine Meinung zählt