Reflektierte UV-StrahlenLösen Handys und Tablets Hautkrebs aus?
Smartphones und Tablets reflektieren UV-Licht. Laut einer Studie steigt durch die umgelenkten Strahlen die UV-Belastung, was zu einem erhöhten Hautkrebs-Risiko des Nutzers führen könnte.

Studie auf einer Wiese: Forscher haben auf dem Kopf einer Schaufensterpuppe einen UVA/UVB-Lichtmesser installiert. Auf dem Notenständer liegen verschiedene mobile Geräte.
Forscher der Universität von New Mexico in Albuquerque haben in einer neuen Studie untersucht, wie sich UV-Belastung durch die Reflexion der UV-Strahlen auf Smartphones und Tablets verändert. Die beiden Forscher, Mary E. Logue und Barrett J. Zlotoff wollen nun auch der Frage nachgehen, ob durch die Reflexion der UV-Strahlen auf den elektronischen Geräten das Hautkrebs-Risiko steigt.
«Diese Geräte werden in der Regel zur Kommunikation oder zur Unterhaltung verwendet, wodurch wir übersehen, dass sie reflektieren», so Logue zu «Reuters Health». «Es fällt uns erst auf, wenn wir in der Sonne einen grellen Schein aufflimmern sehen.»
Puppe sollte Mensch imitieren
In einer kleinen Beobachtungsstudie, die auf einer Wiese in Albuquerque durchgeführt wurde, stellten die Forscher eine Schaufensterpuppe auf. Auf deren Kopf installierten sie einen UVA/UVB-Lichtmesser und richteten sie in Richtung eines Notenständers. Auf dem Ständer stellten sie verschiedene mobile Geräte auf.
In zwei Versuchsrunden zeichneten die Forscher die UV-Messwerte für eine Stunde – von 11 Uhr bis 12 Uhr – auf. Verändert wurde jeweils die Distanz zwischen dem Sensor und dem Gerät: In der ersten Runde betrug diese rund 42 Zentimeter, in der zweiten rund 31 Zentimeter. Sowohl die Geräte als auch der UV-Sensor wurden so eingestellt, dass sie einen Erwachsenen mit dem Blick nach unten auf sein Gerät in der Hand imitieren.
Leeres Blatt als Standardwert
Dann wurden die UV-Messwerte der Reflexion durch ein iPhone 5, mehrere iPad-Modelle, zwei Macbooks und einen Kindle-Reader mit der UV-Belastung verglichen, die von einem leeren Blatt Papier ausgeht. Das Resultat: Die Werte stiegen je nach Gerät und Distanz um 36 bis 85 Prozent, wie die Forscher in der Zeitschrift der «American Academy of Dermatology» berichteten.
«Die schädlichen Auswirkungen der UVA-und UVB-Strahlen sind gut dokumentiert», so Logue zu «Reuters Health». «Angesichts der Zunahme der UV-Belastung bedarf es weiterer Forschung, um zu sehen, ob die Geräte das Hautkrebsrisiko wirklich erhöhen.»
Hals und Gesicht eincremen
Um die Belastung so niedrig wie möglich zu halten, sind präventive Massnahmen die einzig effektive Lösung», so Logue. Laut ihr sollte man die Smartphone-Nutzung begrenzen. Ausserdem könne man die Schultern bedecken, eine Brille aufsetzen und Sonnencreme auftragen – vor allem auf den belichteten Bereichen wie Hals und Gesicht.
Auch könnte man die Geräte neu designen, so dass sie weniger reflektierten, oder UV-Sensoren einbauen, damit die Nutzer mitverfolgen können, wie hoch die UV-Belastung ist.
Theoretisch möglich
Das Bundesamt für Gesundheit konnte am Montag auf Anfrage keine Stellung zu der US-Studie nehmen. Man müsse sie zuerst analysieren.
Andreas Arnold, Arzt an der Dermatologie am Rhein, sagt zu der US-Studie: «Es ist lediglich die Frage, ob die erhöhte Strahlung für die kurze Zeit relevant ist.» Laut Arnold ist es theoretisch möglich, dass umgelenkte UV-Strahlen das Hautkrebs-Risiko erhöhen: «Dafür müsste man aber sehr lange und immer wieder in der prallen Sonne solche Geräte benutzen.»
Erste Zweifel kommen auf
Auch Günther Hofbauer, Leitender Arzt an der dermatologischen Klinik des Universitätsspital Zürich, hält die Resultate für plausibel: «Diese Studie ist sinnvoll, aber nicht sehr überraschend», so Hofbauer. «Es ist länger bekannt, dass solche Geräte reflektieren, nur wurde nun die erhöhte UV-Belastung in einer Studie festgehalten.»
Dennoch hält er die Resultate für nicht so relevant für den Alltag: «Bei Hautkrebs ist es immer eine Frage vom Mass», so Hofbauer. «Ich denke nicht, dass jemand bei so extremen Bedingungen, wie sie im Test verwendet wurden, in der Sonne steht und auf sein Handy schaut – und das tagtäglich über einen längeren Zeitraum hinaus.» Vielmehr sei es sinnvoll zu schauen, wie viel Prozent zusätzlich durch reflektierte UV-Strahlen auf Geräten zu bereits reflektierenden Ebenen wie Wasser, Schnee oder Sand im Alltag hinzukommen.
Auch in den USA werden bereits Zweifel an der Studie laut: Gemäss Robert Dellavalle, Leiter der Dermatologie im Medical Center in Denver, kann die Studie nicht auf die Realität übertragen werden: Die meisten Bildschirme seien in der Sonne kaum lesbar. So würden die Nutzer diesen abdecken oder in den Schatten gehen, wodurch die UV-Belastung wiederum sinke.