Norm für DickeWas taugt eigentlich der Body-Mass-Index?
Für viele ist er einer der wichtigsten Richtwerte überhaupt: der Body-Mass-Index. Liegt er über 25, ist man übergewichtig. Doch Wissenschaftler stellen den Nutzen der Norm in Frage.
Gewicht durch das Quadrat der Körpergrösse, so berechnet sich der Body-Mass-Index. Manche Leute, besonders vermeintlich oder tatsächlich Übergewichtige, starren auf die Zahl wie das Kaninchen auf die Schlange. Denn der BMI sagt, was noch gesund und normal ist, und er bestimmt, ob wir übergewichtig oder gar schon fettleibig sind.
Doch seit einiger Zeit wird die Kritik an dieser vermeintlichen Zauberformel lauter. Der BMI unterscheide nicht zwischen verschiedenen Arten von Körperfett, sagen Wissenschaftler nun auch im renommierten Wissenschaftsmagazin «Science». Und wie kann es sein, dass leicht Übergewichtige unter bestimmten Umständen länger leben als Normalgewichtige?
Hohes Übergewicht ab einem BMI von 30 («Adipositas»; «Fettsucht») verkürzt zwar unbestritten die Lebensdauer, denn es erhöht das Risiko für metabolische Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs. Bei einem BMI zwischen 25 und 30 – laut BMI die Stufe der «Präadipositas» – leben die Betroffenen indes länger als Normalgewichtige. Wer an einer chronischen Krankheit wie Niereninsuffizienz leidet, glauben manche Forscher aufgrund von neuen Studien, könnte aus den zusätzlichen Fettreserven Energie gewinnen.
Böses Bauchfett
Der BMI werde trotz seiner offensichtlichen Schwächen so oft verwendet, weil er so simpel zu berechnen sei, meint Professor Rexford Ahima von der University of Pennsylvania. Es sei nun mal einfach, das Gewicht und die Grösse einer Person zu messen. Doch der BMI berücksichtigt keine Unterschiede bei Geschlecht und Alter, und auch ethnische Verschiedenheiten entgehen ihm. Vor allem aber misst er kein Körperfett, und er misst auch nicht, wo am Körper sich das Fett angesammelt hat.
Es macht tatsächlich einen Unterschied, wo sich das Fett befindet. Bauchfett, das muss zum Leidwesen vieler Biertrinker gesagt werden, erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herzerkrankungen und Demenz, weil es schädliche Fettsäuren an innere Organe wie die Leber abgeben kann. Fettreserven an Hüften, Beinen oder Po gelten dagegen nicht als gesundheitsgefährdend – im Gegenteil, sie sollen diese schädlichen Fettsäuren aus dem Verkehr ziehen und einlagern können.
Der Body-Mass-Index ist also nicht die griffige Formel, die in jedem Fall gesundes Gewicht von ungesundem scheiden kann. Alternativen zum BMI gibt es zwar, beispielsweise die Messung des Bauchumfangs oder etwas sophistizierter die Waist-to-Height-Ratio, (Taillenumfang geteilt durch Körpergrösse). Auch diese Messverfahren haben jedoch ihre Nachteile.
Diabetes Typ I und Typ II
Der Diabetes vom Typ I trifft in der Regel junge Menschen. Bei dieser Form der Erkrankung werden die sogenannten Beta-Zellen, die in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) das Insulin produzieren, zerstört. Aus diesem Grund müssen sich diese Patienten das Insulin regelmässig selbst in Form von Spritzen zuführen, um einem erhöhten Blutzuckerspiegel entgegenzuwirken.
Anders ist das beim Diabetes des Typs II, von dem etwa 90 Prozent aller Zuckerkranken betroffen sind. Durch eine längerfristige, überhöhte Energiezufuhr und andere, noch unbekannte Faktoren, entsteht bei einigen Organen eine Insulin-Resistenz. Diesen Effekt versucht die Bauchspeicheldrüse auszugleichen, indem sie noch mehr Insulin produziert eine Belastung, der die Insulin-Produzentin nicht ewig stand hält: Es kommt zu einer stark reduzierten Insulin-Ausschüttung, der Blutzuckerwert steigt. Diese Form des Diabetes ist auch als Altersdiabetes bekannt. Heute erkranken daran vor allem Übergewichtige vereinzelt erkranken sogar Kinder an dem durch Ernährungsfehler entstehenden Leiden.