«Du Ziege» ist eigentlich ein Kompliment

Aktualisiert

Erstaunlich klug«Du Ziege» ist eigentlich ein Kompliment

Wer seinen Gegenüber als «Ziege» bezeichnet, drückt etwas ganz anderes aus als beabsichtigt. Denn die Tiere sind klug und haben ein erstaunliches Gedächtnis, wie Forscher zeigen.

fee
von
fee
Ziegensind clever und  verfügen über ein enormes Langzeitgedächtnis.

Ziegensind clever und verfügen über ein enormes Langzeitgedächtnis.

Wenn es um Futter geht, lernen Ziegen schnell und merken sich Tricks für mehrere Monate. Das erkläre, warum die Paarhufer sich so gut an harte oder wechselnde Umweltbedingungen anpassen können, schreibt das britisch-schweizerische Forscherteam im Fachmagazin «Frontiers in Zoology». Vorbilder bräuchten die Tiere dafür nicht.

Die Wissenschaftler um Alan McElligott von der Queen Mary University of London hatten zwölf Hausziegen im Alter von 5 bis 15 Jahren in ihr Experiment einbezogen. Um an das in einer Plastikbox versteckte Futter heranzukommen, mussten die Tiere erst an einem Hebel ziehen und diesen dann mit dem Maul nach oben drücken. Neun der Ziegen hätten diese Herausforderung nach 8 bis 22 Versuchen gemeistert. Im Schnitt brauchten sie zwölf Anläufe.

Domestizierung ohne Nebenwirkungen

Nach einem sowie zehn Monaten Pause wiederholte das Team das Experiment noch einmal. Zu beiden Zeitpunkten erinnerten sich die Wiederkäuer bald wieder an den Trick, berichten die Forscher. Nach einem Monat benötigten die Ziegen dafür durchschnittlich 36 Sekunden, nach zehn Monaten 39 Sekunden. Dieses Tempo weise auf ein exzellentes Langzeitgedächtnis hin, so Elodie Briefer von der ETH Zürich.

Ob die tierischen Probanden den Weg zum Ziel zuvor von einem anderen Tier abgeschaut hatten oder nicht, habe für den Lernerfolg keine Rolle gespielt. Doch nicht alle Ziegen hätten sich so schlau angestellt. So hatte ein Tier auch nach 22 Versuchen noch keine Fortschritte gemacht, zwei weitere wurden von dem Experiment ausgeschlossen, weil sie die Box mit ihren Hörnern malträtiert hatten.

Die Studie lasse darauf schliessen, dass die Domestizierung die kognitiven Fähigkeiten von Hausziegen - anders als bei vielen Haustieren - wohl nicht beeinflusst habe. Womöglich beflügle es sogar ihre Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem, vermuten die Forscher. Obwohl sie sehr sozial seien und in eng verbundenen Gruppen leben, spiele Lernen von Vorbildern bei den Ziegen offenbar keine Rolle.

Der Clip der Forscher zeigt, wie fix die Ziegen bei der Futterbeschafftung sind. (Video: Elodie Briefer/Alan McElligott)

Deine Meinung zählt