Forschen im Paradies«Schildkröten erforschen ist wie Meditation»
Der Zürcher Ökologe Dennis Hansen forscht dort, wo andere gerne Ferien machen würden: an einsamen Stränden. Sein Interesse gilt den Riesenschildkröten.
Das Forschungslabor des Zürcher Wissenschaftlers Dennis Hansen ist das paradiesische Aldabra-Atoll vor der ostafrikanischen Küste. Es gehört zum Unesco-Weltnaturerbe. Die vier Hauptinseln des Atolls sind die Heimat von 100'000 Aldabra-Riesenschildkröten.
Hansen und seine Kollegen der Zürich-Aldabra Research Platform verfolgen das Ziel, so viel wie möglich über die bis zu 250 Kilogramm schweren Kolosse herauszufinden. Was die Tiere so faszinierend macht? «Alles», sagt Hansen mit einem Grinsen. «Landschildkröten zu studieren ist für mich wie Meditation.» Er war schon einmal so in seine Arbeit versunken, dass ihn eines der Tiere wohl für eine Pflanze hielt und in die Ferse biss.
Tierische Landschaftsgärtner
Der Forscher untersucht unter anderem, welchen Einfluss die Schildkröten auf die Pflanzenwelt haben. Die Reptilien fressen die Früchte von Bäumen und verbreiten so deren Samen. Damit sind sie eine Art Landschaftsgärtner für die Inseln des Atolls. Erfahrungen von anderen Inseln - etwa Mauritius - haben gezeigt: Wenn Landschildkröten ausgerottet werden, verschwinden auch die von ihnen abhängigen Baumarten.
Eine der grossen Fragen ist darum, ob sich diese wieder erfolgreich anpflanzen lassen, wenn auch die Schildkröten zur gleichen Zeit wieder angesiedelt werden. Falls ja, könnten die gepanzerten Reptilien auf Inseln rund um den Globus für den Schutz von seltenen Pflanzen eingesetzt werden.
Trotz Traumstrand ist Hansens Arbeit auf dem Atoll hart. Weil es keine Infrastruktur gibt, musste er mit seinen Kollegen beim letzten Aufenthalt eine Tonne Ausrüstung zum Camp schleppen: «Dabei habe ich zehn Kilo Gewicht verloren.»
«Wissen»
in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.