Eine Vegetarier-Pille soll das Klima retten

Aktualisiert

Bioethiker auf AbwegenEine Vegetarier-Pille soll das Klima retten

Den Mensch klein züchten, seinen Fleischkonsum medikamentös behandeln, ihm Katzenaugen verpassen: Um den Klimawandel zu stoppen, hat ein US-Forscher ein paar unkonventionelle Ideen parat.

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Wir Menschen trampeln so rücksichtslos über die Erde, dass wir riesige ökologische Fussabdrücke hinterlassen. Hybrid-Autos und Sparlampen können helfen, doch nur schon unsere Primärbedürfnisse hinterlassen Spuren, die die Umwelt belasten. Der Bioethiker S. Matthew Liao hat mit seinem Team untersucht, wie man die Menschen biologisch verändern könnte, um das Problem zu lösen.

Die Vegetarier-Pille, kleinere Kinder

Manche Leute würden gerne fleischlos leben, doch beim Geruch eines feinen Bratens kommt ihnen die Willenskraft abhanden. Da könnte eine Pille helfen. Wer sie einnimmt, dem wird übel, sollte er dennoch einen Bissen Fleisch essen. Dadurch entwickelt sich langfristig eine Abneigung gegen Fleisch. Wird weniger Fleisch gegessen, müssen weniger Tiere gezüchtet werden, wodurch der CO2-Ausstoss enorm eingeschränkt werden könnte.

Je kleiner der Mensch, desto weniger wird die Umwelt belastet. Denn jedes Körperkilo benötigt eine gewissen Menge Nahrung. Demenstprechend brauchen grössere Menschen mehr Energie, zudem mehr Benzin zum Transportieren oder mehr Stoff für Kleider.

Selektion und Genmanipulation

Wäre der Durchschnitts-Amerikaner 15 Zentimeter kleiner, würde seine Körpermasse um 21 Prozent (Männer) oder 24 (Frauen) Prozent schrumpfen, und das wiederum würde den Kalorienumsatz um bis zu 18 Prozent reduzieren, erklärt Liao im Interview mit «The Atlantic». Wer weniger Nahrung braucht, für den muss weniger Energie aufgewendet werden, um diese zu produzieren. Und schon wieder gelangen weniger Treibhausgase in die Atmosphäre.

Da die Menschen nicht mit einem Hammerschlag auf den Kopf schrumpfen, müsste bei den kommenden Babies angesetzt werden. Der Bioethiker von der New York University sieht zwei Möglichkeiten: Selektion und Genmanipulation.

Im Reagenzglas könnten nach einer Gendiagnose diejenigen Embroys ausgewählt und eingepflanzt werden, aus denen sich kleinerer Menschen entwickeln. Medikamente wiederum könnten Einfluss darauf nehmen, ob eher das väterliche oder das mütterliche Erbgut zum Zug kommt. Alternativ könnten mit Hormonen das Wachstum im passenden Moment gestoppt werden.

Gute-Leute-Pille

Auch die Fähigkeit, sich in andere hineinzufühlen oder die Neigung zur Selbstlosigkeit könnten medikamentös beeinflusst werden. So wäre für Liao und sein Team neben der Vegetarier-Pille auch eine Altruismus- oder Empathie-Pille denkbar.

Der Bioethiker verteidigt seine Idee damit, dass es nicht darum ginge, jemandem neue Überzeugungen einzupflanzen, sondern darum, den Willen zu stärken. So würden die Menschen nicht nur gut handeln wollen, sondern es auch tun. «Mind over body», heisst es in den Martial Arts. Nur, dass der eiserne Wille keine Sache harten Trainigs mehr wäre, sondern von jedem mit einer Pille geschluckt werden könnte.

Katzenaugen, Freiheitseinschränkungen

Hätten die Menschen Katzenaugen, könnten sie in der Nacht sehen und bräuchten nicht so viel Licht, also nicht so viel Energie. Der Energieverbrauch der Welt könnte drastisch heruntergesetzt werden. Es gibt gemäss Liao zwar theoretische Ansätze zu solchen Eingriffen, ob es jedoch wirklich mögich wäre, Menschen Katzensicht zu verschaffen, ist noch sehr spekulativ.

Die chinesische Ein-Kind-Politik auf andere Länder anzuwenden wäre ebenfalls ein Mittel, den ökologischen Fussabdruck der Menschheit zu verkleinern. Allerdings verbunden mit einer grossen Freiheitseinschränkung. Besser sei doch ein CO2-Maximum pro Familie, meint Liao. Diese könnten dann wählen, ob sie zwei grosse, oder drei kleine Kinder wollen. Oder gar ein einziges riesengrosses, das dann zum erfolgreichen Basketballspieler heranwachsen könnte.

Wunschmensch vs. Klimawandel

Wenn der Mensch in diesem Ausmass in die Natur eingreift, ist man auf der Hut. Nicht nur, weil die Folgen kaum absehbar sind, sondern vor allem aus ethischen Gründen. Da es hier aber nicht einfach darum ginge, einen Wunschmenschen zu erschaffen, sondern darum, den Klimawandel abzuschwächen, sehe die Sache anders aus, meint Liao. Der Klimawandel ist menschlich verursacht, und sollte daher auch von ihnen wieder gerade gebogen werden. Mit vollem Körpereinsatz, offenbar.

Liao und sein Team betonen, dass es sich um Denkansätze handle, die ausschliesslich freiwillig zum Zug kommen sollen. Mit dem Ziel, die Welt für alle, also auch für das genetisch veränderte Kind, zu verbessern, könne man die Eingriffe möglicherweise ethisch rechtfertigen, meint der Forscher der New York University.

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