Mini-Roboter heilen von innen

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SpitzenmedizinMini-Roboter heilen von innen

Sie transportieren im Inneren des Körpers Medikamente oder nehmen kleine Operationen vor: Mikro-Roboter könnten bald die Medizin revolutionieren.

A. Söldi
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A. Söldi
Der winzige Roboter soll Medikamente direkt in Blutgefässe spritzen.

Der winzige Roboter soll Medikamente direkt in Blutgefässe spritzen.

ETH Zürich

Intelligente Geräte prägen immer mehr unseren Alltag. Künftig sollen winzige Roboter sogar in unsere Körper eindringen.

Bereits vor zwei Jahren ist es dem ETH-Forscher Bradley Nelson gelungen, einen Schwarm von 80'000 Mikro-Robotern in die Bauchhöhle einer Maus zu spritzen. Die lediglich ein Tausendstel Millimeter grossen Metallteilchen wurden über ein Magnetfeld zu einer bestimmten Stelle geleitet, wo sie einen Wirkstoff abgaben.

Im Einsatz gegen Krebs und Erblindung

Nun arbeitet der Professor für Robotik daran, die kleinen Maschinen für den Einsatz im Menschen weiterzuentwickeln. Von der neuen Methode verspricht er sich bahnbrechende medizinische Fortschritte, zum Beispiel bei der Behandlung von Krebs: Könnten Medikamente direkt beim Tumor freigesetzt werden, bräuchte es viel kleinere Dosen. «Das würde die Nebenwirkungen von Chemotherapien senken», sagt Nelson.

Ein weiteres Einsatzgebiet sieht er bei der Makula-Degeneration – einer häufigen Augenkrankheit, die ohne Behandlung zur Erblindung führen kann. Auch hier sollen die winzigen Roboter Medikamente direkt an die betreffende Stelle im Auge bringen. Etwas grössere Arten könnten beispielsweise Gewebe-Proben im Körperinnern entnehmen.

Gut Ding will Weile haben

Allerdings: «Erste Versuche an Menschen dürften frühestens in fünf Jahren stattfinden», so Nelson. Bisher gibt es nämlich keine Möglichkeit, die Minimaschinen wieder aus dem Körper zu entfernen.

Deshalb arbeitet sein Team zurzeit an einer neuen Generation von Mikro-Robotern, die aus Kunststoffen bestehen. Diese sollen sich nach ihrem Einsatz einfach im Körper auflösen. Idealerweise reagieren sie auf Unterschiede in Temperatur, pH-Wert oder den Lichtverhältnissen – und finden so selbstständig zu ihrem Bestimmungsort. Produziert werden die winzigen Alleskönner vom 3-D-Drucker.

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