Landung geglückt«Curiosity» ist auf dem Mars gelandet
Nach einer achteinhalbmonatigen Reise ist das «Mars Science Lab» mit dem Rover «Curiosity» auf dem Mars angekommen. Eine Hauptherausforderung der 2,5-Milliarden-Dollar-Mission ist geglückt.
Der Roboter «Curiosity» ist auf dem Mars gelandet. «Landung bestätigt», sagte ein Mitglied der US-Raumfahrtbehörde NASA am Montagmorgen Schweizer Zeit im Kontrollzentrum im kalifornischen Pasadena.
Kurz nach 7.30 Uhr (MESZ) habe die NASA Signale einer sicheren Landung auf dem Mars empfangen und damit fast exakt zur errechneten Zeit. «Wir sind sicher auf dem Mars», bestätigte Ingenieur Allen Chen im kalifornischen Kontrollzentrum nach den durchlittenen «sieben Minuten des Schreckens» während des beispiellosen Landemanövers. «Curiosity» erreichte den Roten Planeten nach einem mehrmonatigen Flug. Kurz nach der Landung habe die Sonde bereits die ersten beiden Bilder zur Erde gesendet, teilte die NASA mit.
Die Landephase galt unter Experten als schwierigster Abschnitt der rund zwei Milliarden Euro teuren Mission. Ihre Anspannung war den Mitarbeitern insbesondere während der sieben Minuten langen Landephase ins Gesicht geschrieben.
Schwierige Landephase
Bei dem sehr komplizierten Landemanöver hätte vieles schiefgehen können. Die Flugkontrolle hatte «sieben Minuten des Schreckens» zu überstehen, als «Curiosity» die dünne Mars-Atmosphäre durchflog und von einer Geschwindigkeit von 20 920 Kilometern pro Stunde auf Null abgebremst werden musste.
Mit der Nachricht der erfolgreichen Landung brach minutenlanger Jubel im Kontrollzentrum aus. Die Mitarbeiter lagen sich in den Armen. Die Crew brach angesichts des mit Spannung erwarteten Ereignisses in Tränen aus, die Mitglieder des Kontrollteams umarmten sich und verteilten «Mars»-Schokolade. «Oh mein Gott», sagte einer der Forscher.
Angespannten Minuten im Kontrollzentrum in Kalifornien und grenzenloser Jubel nach der gelungenen Ankunft auf dem Mars. (Quelle: YouTube/NASA-TV)
«Wir sind wieder auf dem Mars», jubelte NASA-Chef Charles Bolden. «Es ist absolut unglaublich. Nichts kann das toppen.» US-Präsident Barack Obama lobte die Landung von «Curiosity» als eine «beispiellose Technologie-Leistung». «Heute haben die USA auf dem Mars Geschichte geschrieben», sagte Obama am Montag in Washington einer Mitteilung zufolge.
Die Landung des Roboterfahrzeugs der US-Raumfahrtbehörde NASA werde in der Zukunft als «Argument des Nationalstolzes» dienen. Er warte gespannt auf die Ergebnisse, die «Curiosity» liefern werde.
Nach der Zitterpartie war der Jubel und Applaus im Kontrollzentrum Jet Propulsion Laboratory derart riesig, dass dessen Leiter Charles Elachi um Ruhe bitten musste, um die anberaumte Pressekonferenz abzuhalten. «Dieses Team hat Gold zurückgebracht», verglich er seine Mannschaft mit den Athleten bei den laufenden Olympischen Spielen in London.
Wo suchen?
Über den geeignetsten Landeplatz hat sich die Nasa nach eigenen Angaben lange den Kopf zerbrochen. Sie entschied sich schliesslich für den Gale-Krater, einen Schlund mit 154 Kilometern Durchmesser, von dessen Boden ein Berg fast 5000 Meter hoch aufragt – höher als jeder Berg in Europa. Am Fusse dieses Berges soll «Curiosity» aufsetzen und zu seiner Erkundungstour aufbrechen. Pro Tag kann der Rover 100 bis 300 Meter zurücklegen. Er ist in der Lage, unüberwindbare Hindernisse selbstständig zu umfahren - ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn man bedenkt, dass ein von der Missionskontrolle ausgelöster Steuerbefehl den Rover erst nach 14 Minuten erreicht.
Der Gale-Krater bietet laut der Nasa gleich aus mehreren Gründen die besten Voraussetzungen für eine Mission. Gesteinsformationen und Sedimente am Grund deuteten darauf hin, dass es hier einmal Wasser gegeben habe. Das wiederum eröffne die Möglichkeit, dass sich tief unter der Oberfläche noch lebende Mikroben befänden. Die Existenz flüssigen Wassers gilt als Voraussetzung für jedes Leben.
William Shatner erklärt die Landung von «Curiosity». (Video: YouTube/NASAtelevision)
Sammeln und analysieren
Vom Studium der fächerartigen Gesteinsschichten versprechen sich die Nasa-Forscher Einblicke in die lange Evolutionsgeschichte des Planeten, erläutert Projektmanager John Grotzinger vom kalifornischen Technologie-Institut Caltech in Pasadena. Um seine Aufgaben zu erfüllen, bringt «Curiosity» zehn ausgeklügelte Instrumente mit.
So kann der Roboter mit zwei an einem Masten befestigten Kameras dreidimensionale Aufnahmen machen und Panoramafotos liefern. Er verfügt über einen Laser, der die chemische Zusammensetzung des Marsbodens in einem Radius von rund sechs Metern erfassen kann, über einen zwei Meter langen Roboterarm und einen Bohrer, um Gesteinsproben zu sammeln. Im Bauch hat «Curiosity» die nötigen Vorrichtungen zur Analyse, inklusive Gaschromatograph und Quadrupol-Massenspektrometer.
Den nötigen Strom für das MSL liefern im Gegensatz zu vorherigen Rover-Missionen nicht Solarzellen, sondern eine Radionuklidbatterie. Sie enthält 4,3 Kilogramm Plutoniumdioxid. Die beim radioaktiven Zerfall entstehende Wärme wird zur Stromgewinnung und zur Aufrechterhaltung der Betriebstemperatur im Innern des Rover genutzt. Die Halbwertzeit von Plutoniumdioxid beträgt 87,7 Jahre. «Curiosity» könnte also weit über die geplante Missionsdauer von einem Marsjahr (rund zwei Erdjahren) aktiv bleiben und die Suche nach Leben auf dem Mars weiter fortsetzen.
Die Mission des MSL in 5:29 Minuten. (Video: NASA-TV) (jcg/sda)