HirnforschungRatten verblöden bei Handystrahlung
Über mögliche Risiken durch Handystrahlung wird seit langem diskutiert. Neurowissenschaftler wiesen nun erstmals nach, dass starke Handy-Strahlung bei Ratten Lernprozesse im Gehirn behindert.

Sehr starke Strahlung schadet dem Rattenhirn. (Bild: Ruhr-Universität Bochum)
Der Effekt sei unabhängig von anderen Einflussfaktoren wie Stress, teilte die Ruhr-Universität Bochum am Montag mit. Die Ergebnisse könnten zwar nicht ohne Weiteres auf Menschen übertragen werden. Sie zeigten aber am Tiermodell, dass elektromagnetische Felder «im Prinzip Lernprozesse im Gehirn beeinträchtigen können».
Die Ratten wurden unterschiedlich leistungsstarken hochfrequenten elektromagnetischen Feldern im UMTS-Frequenzbereich ausgesetzt. Die Forscher analysierten die Auswirkungen auf neuronales Lernen und synaptische Gedächtnisbildung.
50-fache Strahlendosis verabreicht
Zusätzlich untersuchten die Wissenschaftler alle Tiere unmittelbar danach auf die Freisetzung von Stresshormonen. Zum Vergleich untersuchten sie Kontrolltiere, die ihren Käfig nicht verlassen mussten. Stress beeinflusst deutlich synaptisches Lernen und Gedächtnisbildung negativ.
Die Feldstärken wählten die Forscher angepasst an die Hirnmasse der Ratten entsprechend der Standards, die für Menschen gelten. Die Tiere wurden mit Energiemengen von 0,2 (heruntergerechneter Grenzwert für Menschen) und 10 W/kg (50-fache Dosis) bestrahlt.
Handy-Strahlen weit schwächer
Im Experiment zeigte sich, dass schwache Strahlung bis 2 W/kg keine messbare Beeinträchtigung der Rattenhirne bewirkte. Die massive Bestrahlung während zwei Stunden mit 10 W/kg führte hingegen zu signifikant schlechteren Lern- und Gedächtnisleistungen.
Sorgen braucht sich laut den Forschern niemand zu machen: Für normale Handy-Benutzer sei das Telefonieren unbedenklich, da sie nicht ausreichend starken Feldern ausgesetzt seien. Anders sehe es aber unter anderem bei Sicherheitsdiensten und im Militär aus, wo wegen der Verwendung spezieller Antennen höhere Grenzwerte erreicht würden.