Keine Eiszeit in Sicht

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Forscher gibt EntwarnungKeine Eiszeit in Sicht

Uns steht laut einem Medienbericht ein Jahrhundertwinter bevor und sogar eine Eiszeit. Ein Schweizer Klimaforscher erklärt, warum er trotzdem noch keinen Salzvorrat anlegt.

Martina Huber
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Martina Huber
Steht uns ein Jahrhundertwinter bevor, wie uns deutsche Wetterexperten am Wochenende prophezeiten? (Bild: istock)

Steht uns ein Jahrhundertwinter bevor, wie uns deutsche Wetterexperten am Wochenende prophezeiten? (Bild: istock)

Der Golfstrom sei geschwächt, deshalb stehe uns der kälteste Winter seit 100 Jahren bevor, zitierte die «Bild» am Wochenende deutsche Wetterexperten. Weiter stand da: Käme die Meeresströmung, die aus dem Golf von Mexiko Wärme nach Europa bringt, eines Tages ganz zum Erliegen, würde uns eine neue Eiszeit drohen.

Reto Knutti, Klimaforscher an der ETH Zürich, kann über diese Aussagen nur staunen. Erstens könne man für unsere Breitengrade gar keine zuverlässigen saisonalen Prognosen machen. So habe Meteo Schweiz für den letzten, überaus kalten Winter vorausgesagt, er werde normal bis mild – mit einer Wahrscheinlichkeit von 55 Prozent. «Man könnte also ebenso gut würfeln», sagt Knutti. Zweitens sei die Idee, dass der Golfstrom abrupt abbrechen und dadurch eine Eiszeit auslösen könnte, in der Klimaforschung längst überholt. Zwar zeigen Modelle, dass die Meeresströmung mit der Klimaerwärmung tatsächlich schwächer wird. Aber diese Veränderung wird nicht plötzlich, sondern über längere Zeit geschehen. Angetrieben wird der Golfstrom dadurch, dass über dem Nordatlantik kaltes, salziges Wasser absinkt und in der Folge warmes Wasser aus dem Süden nachgezogen wird. Je kälter und salziger das Wasser, desto dichter und schwerer ist es, und desto mehr zieht es in die Tiefen des Meeres.

Umgekehrt heisst das auch: Je wärmer das Wasser infolge des Klimawandels und je mehr der Salzgehalt mit dem Abschmelzen des grönländischen Eisschildes abnimmt, desto schwächer wird die Strömung. Die Prognose des Zürcher Forschers lautet: Bis ins Jahr 2100 wird sich der Golfstrom um rund 50 Prozent abschwächen. Dass er danach irgendwann einmal ganz zum Erliegen kommt, ist laut Knutti möglich, aber unwahrscheinlich. Und selbst wenn: Die dazu notwendige Klimaerwärmung würde die wegfallende Wärme des Golfstroms mehr als wettmachen.

Dennoch will der Forscher die Veränderungen nicht verharmlosen: «Für das Klima in Europa, die Ökosysteme im Ozean und die Verteilung des Meeresspiegel-Anstiegs werden sie eine grosse Rolle spielen.» Ein Szenario wie im Katastrophenfilm «The Day After Tomorrow» haben wir aber nicht zu befürchten.

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

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