Mission «ExoMars»: Die Schweizer sind dabei

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RaumfahrtMission «ExoMars»: Die Schweizer sind dabei

Für die Reise zur Mars-Station in der Wüste von Utah brauchte Physiklehrerin Barbara Burtscher nur zwei Tage. Tatsächlich dauert die Reise zum Mars rund ein Jahr, die Vorbereitung sogar Jahrzehnte.*

Fee Riebeling/Dora Strahm/Carolin Arndt
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Fee Riebeling/Dora Strahm/Carolin Arndt

Eigentlich hätte die Mission «ExoMars» der Europäischen Raumfahrt-Behörde ESA übernächstes Jahr starten sollen, doch sie wurde bereits mehrfach verschoben. Geplant ist sie nun für 2018 – auch wenn die Finanzierung noch nicht gesichert ist. Der Entscheid, wie viel Geld für die Mission zur Verfügung stehen soll, wird an der ESA-Rat-Sitzung am kommenden Mittwoch gefällt. Ungeachtet des Ergebnisses forschen die hiesigen Wissenschaftler ununterbrochen weiter. Wir stellen die Schweizer Akteure vor.

Wendiger Hightech-Rover für den Mars

So lang und breit wie ein Schreibtisch, etwa ebenso hoch und 250 Kilogramm schwer – auf der Erde. An seinem Bestimmungsort, dem Roten Planeten, wiegt der Mars-Rover wegen der geringeren Anziehungskraft hingegen nur 90 Kilo. Seit sechs Jahren arbeitet Roland Siegwart vom Institut für Robotik und Intelligente Systeme der ETH Zürich mit seinem Team an der Entwicklung des Fahrgestells des Rovers. Eine Herausforderung, denn: «Es geht um ein Werkzeug, das dort oben wichtige Aufgaben erfüllen muss.» Kein leichtes Unterfangen, wie die Erfahrungen mit dem aktuellen Modell des Mars-Rovers Spirit zeigen, der gegenwärtig wieder einmal festsitzt. Daher bekommt das neue Chassis elastische Stahlräder. Die grös­sere Reifenoberfläche soll das Festfahren zukünftig verhindern. Neben der ETH sind noch zwei Schweizer Firmen involviert: Bluebotics kümmert sich um das Bewegungsdesign, die Ruag Space AG trägt die Gesamtverantwortung.

Gesucht: Marsbewohner im All-Gestein

Seit Jahren suchen Weltraumforscher auf dem Roten Planeten nach Lebensspuren – bisher ohne Erfolg. Doch die nächste europäische Mars-Mission soll den Durchbruch bringen. Der Berner Geologe Beda A. Hoffmann, Leiter der Abteilung Erdwissenschaften am Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern, beteiligt sich an der Suche. «Wer auf dem Mars Leben entdecken will, muss wissen, wonach er suchen soll», sagt Hoffmann. Er untersucht deshalb so genannte Biosignaturen – Spuren, die von lebenden Organismen hinterlassen wurden. Solche Zeichen können versteinerte Bakterien im Innern bestimmter Gesteinsablagerungen sein. «Wenn wir auf dem Mars solche Strukturen finden, haben wir es fast sicher mit Marsbewohnern zu tun», erklärt Hoffmann. Das wäre eine Sensation – auch wenn es sich nur um einfachste Organismen handelte.

Wasser auf dem Wüstenplaneten

Einst muss es riesige Wassermassen auf dem Roten Planeten gegeben haben. davon zeugen Schluchten und ausgetrocknete Ozeane. Heute ist der Mars nur noch von Staub bedeckt. Woher das Wasser kam und wohin es verschwand, untersucht Nicolas Thomas von der Universität Bern. Denn wo es Wasser gibt, da kann sich Leben entwickeln. Kürzlich entdeckte der Weltraumphysiker auf Bildern des Weltraumteleskops HiRISE frische Einschlagskrater — auf deren Grund eine Sensation: schimmerndes, blaues Eis. «Unter der dicken Staubschicht ist offenbar das Wasser ganzer Ozeane versteckt», folgert Thomas. Zweimal pro Jahr hat der Berner Forscher die Gelegenheit, von seinem Büro aus die Kamera der Nasa-Sonde Reconnaisance Orbiter zu steuern. Jetzt schon sind Wissenschaftler rund um die Welt auf seine nächsten Bilder gespannt. Denn mit seiner Entdeckung ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, auf dem Mars auch Spuren von Leben zu finden.

Schwereloses Risiko

Nach längeren Aufenthalten im All kehren viele Astronauten krank zurück. Sie kämpfen mit Infektionen, schlecht heilenden Wunden und sogar Knochenabbau. Schuld daran sind die menschlichen Immunzellen, die in der Schwerelosigkeit anders arbeiten. «Wenn heute schon Leute zum Mars fliegen würden, wüssten wir nicht, ob und wie die dort ankommen würden», sagt Professor Oliver Ullrich vom Anatomischen Institut der Universität Zürich. Er forscht nach Ursachen und Behandlungsmethoden.

Mit seinem Team unternimmt der Forscher ein- bis zweimal im Jahr so genannte Parabelflüge – Flugmanöver mit speziellen Flugzeugen, bei denen während Sturzflügen für wenige Sekunden Schwerelosigkeit herrscht. Das Geheimnis der veränderten Zellaktivität hat er aber noch nicht gelüftet. «Bis das Risiko von Langzeitmissionen für Astronauten annehmbar ist, brauchen wir sicher noch zehn bis zwanzig Jahre», schätzt er. Zum Glück startet der Flug zum Mars nicht schon morgen.

*Berichtigung vom 18. August 2010

Barbara Burtscher hat nie das NASA-Astronautentraining besucht und war auch nicht NASA-Mitarbeiterin, wie sie das in zahlreichen Gesprächen gegenüber verschiedenen Medien vorgab. Tatsächlich war sie 2009 und 2010 im U.S. Space and Rocket Center (Spacecenter), welches aber nicht von der NASA betrieben wird. (red)

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