Heikle RegelnSchlecht in der Schule wegen Handy-Verbot
Kinder, deren Eltern die Nutzung von Snapchat, Whatsapp und Youtube wegen der Hausaufgaben einschränken, sind später in der Schule weniger gut.
Den neuen Medien, seien es Handy, Computer oder Spielkonsole, werden viele negative Auswirkungen zugeschrieben: So kann Handykonsum am Abend zu Ein- oder Durchschlafstörungen führen, exzessiver Smartphone-Gebrauch Depression, Angst und impulsives Verhalten hervorrufen und Social Media zur Vereinsamung führen. Das treibt manche Eltern dazu, ihren Kindern klare Regeln für die Nutzung bestimmter Technologien aufzustellen. Laut einer neuen Studie der Universität Zürich könnte aber genau das kontraproduktiv sein.
Die Kommunikationsforscherin Eszter Hargittai und ihr Kollege Drew Ciongel sind der Frage nachgegangen, wie sich solche elterlichen Regeln auf spätere schulische Leistungen der Kinder auswirken. Ausserdem untersuchten sie, welche Folgen die von den Eltern abgegebene Begründung für die Regeln hatte. Dazu befragten sie über 1100 Erstjahres-Absolventinnen und -Absolventen eines US-Colleges, wie sie in «The Communication Review» schreiben.
Schuss geht nach hinten los
Dabei zeigte sich, dass Jugendliche, deren Eltern früh schon Regeln zur Technologienutzung aufstellen, im College nicht besser abschneiden als ihre Mitstudierenden. Ihre Leistungen sind sogar schlechter, wenn die Eltern den Gebrauch von Smartphone & Co. mit der Begründung einschränken, dass sonst die Zeit für Hausaufgaben fehlt. Das Argument, dass Eltern Kindern mit Schulproblemen eher solche Regeln auferlegen, greift laut den Forschern nicht. Denn auch die schulischen Fähigkeiten wurden in der Auswertung berücksichtigt. Der negative Einfluss von Technologieregeln auf die späteren Schulnoten zeigte sich unabhängig davon.
Für Hargittai zeigt dieses Beispiel, dass trotz guter Absichten der Schuss manchmal nach hinten losgehen kann. «Die gut gemeinte Massnahme zieht möglicherweise unbeabsichtigte negative Konsequenzen nach sich», sagt die Kommunkationswissenschaftlerin.
Technologien gemeinsam nutzen
Begründen die Eltern die Regeln dagegen mit der Sorge um die Gesundheit der Kinder, zeigen diese später vergleichsweise bessere schulische Leistungen. Das könnte laut Hargittai daran liegen, dass Eltern, die sich um die Gesundheit ihrer Kinder sorgen, nicht nur deren Medienkonsum regeln, sondern zugleich andere Aktivitäten fördern, von denen die Kinder langfristig profitieren.
Wie die Eltern Regeln oder Verbote begründen, hängt auch davon ab, ob sie für ein Mädchen oder einen Jungen gelten sollen. Eltern führen bei Mädchen eher Sicherheits- oder Datenschutzbedenken ins Feld, während sie bei Knaben eher gesundheitliche Gründe oder das Argument der Zeitverschwendung angeben.
Die Forscher geben Eltern den Rat, den Einsatz moderner Technologien proaktiv mit ihren Kindern zu diskutieren und dabei auch die Besonderheiten verschiedener Anwendungen zu berücksichtigen. Laut Hargittai ergibt auch das gemeinsame Nutzen von Technologien Sinn: «So können Eltern ihren Schützlingen die Vor- und Nachteile direkt und ganz praktisch erläutern.»