Schweizer Jugend forscht

Publiziert

Helle KöpfeSchweizer Jugend forscht

Jugendliche aus der ganzen Schweiz stellen am 44. Nationalen Wettbewerb von Schweizer Jugend forscht ihre wissenschaftlichen Begabungen unter Beweis: Heute präsentieren sie ihre Projekte den Experten.

Steiler Aufstieg: Ab nächstem September arbeitet der Informatiker Dominik Käser beim Trickfilmstudio Pixar.

Steiler Aufstieg: Ab nächstem September arbeitet der Informatiker Dominik Käser beim Trickfilmstudio Pixar.

Mehr als 200 Jugendliche reichten bis letzten Oktober ihre Projekte ein. 89 Finalistinnen und Finalisten haben es an den Nationalen Wettbewerb von Schweizer Jugend forscht (SJf) geschafft. Gewinner sind sie alle: Nun entscheiden die Fachpersonen noch, ob die Projekte gut, sehr gut oder gar hervorragend sind.

Morgen Samstag erhalten dann alle Teilnehmenden eine Urkunde mit der jeweiligen Bewertung – und ein davon abhängiges Preisgeld von 500, 800 oder 1200 Franken. Für hervorragende Leistungen winken zudem Forschungsaufenthalte und andere Sonderpreise. Wie bei Dominik Käser: 2005 erhielt er für sein Schachprogramm das Prädikat «hervorragend» und durfte im IBM-Labor in Rüschlikon schnuppern. Heute studiert er in Berkeley (USA) und tritt bald eine Stelle bei der Forschungsabteilung von Pixar an.

20 Minuten stellt sechs spannende Projekte der diesjährigen Auswahl vor.

1. Ein starkes Stück

Ein Brückenbau-Wettbewerb der Alten Kantonsschule Aarau hatte es ihnen angetan: Andreas Amrein, Martin Balimann und Robin Streuli (alle 20) leimten, vermassen und testeten – bis ihr gerade mal 101 Gramm leichtes Holz-Modell ganze 104 Kilogramm Belastung aushielt. Für diese Maturarbeit gab es die Note 6 und die Tüftler wurden für Schweizer Jugend forscht nominiert.

Trotzdem sind sie bescheiden geblieben: «Hätten wir die Brücke noch präziser fertigen können, hätte sie eine noch höhere Traglast erreicht.» (ak)

2. Im Alzheimer-Labor

Alzheimer kündigt sich oft durch einen Verlust des Geruchssinns an. Dies, weil abgestorbene Nervenzellen in der fürs Riechen zuständigen Hirnregion nicht mehr durch neue Zellen ersetzt werden. Yoran Beldengrün (19) hat im Rahmen seiner Maturaarbeit untersucht, welche Rolle das Protein mit dem Namen BAG-1 bei der Entwicklung von Neuronen spielt. Am Weizmann-Institut in Israel hat er im Experiment erforscht, wie das Protein die Entwicklung von neuronalen Stammzellen beeinflusst. Ergebnis: Je mehr BAG-1 vorhanden ist, desto weniger Stammzellen bilden sich zu Neuronen aus. Dies passt zu aktuellen Forschungsresultaten, gemäss welchen die Werte dieses Proteins bei Alzheimer-Patienten erhöht sind. (mhu)

3. Nach den Steinen greifen

Etwas mit Spracherkennung musste es sein. So viel war den Elektroniker-Lehrlingen Jonathan Schole (20), Roger Wehrli (21) und Davide Spezzacatena (19) bereits zu Beginn ihrer Projektarbeit klar. Die Technologie dahinter habe sie schon immer fasziniert. «Die Idee mit dem sprachgesteuerten Mühlespiel kam auf, als uns die Schule einen ausgemusterten Roboterarm zur Verfügung stellte», sagt Wehrli. Mühle deshalb, weil die Regeln möglichst einfach und die Spielsteine gut greifbar sein mussten. Mit dem roboterisierten Mühlespiel sollen auch Personen spielen können, denen die klassische Version wegen einer körperlichen Behinderung verwehrt bleibt – gelähmte oder ältere Menschen zum Beispiel. Ob es aber der Prototyp jemals zur Marktreife bringt, steht in den Sternen. «Zunächst möchten wir bei SJf glänzen. Wie es dann weitergeht, wissen wir noch nicht.» Mit ihrer Teilnahme erhoffen sich die Tüftler vor allem eines: gute Chancen in der Arbeitswelt. (jha)

4. Handystrahlung vs Gartenkresse

3200 Gartenkressepflänzchen mass Gisela Ledergerber (19) in ihrer Maturaarbeit aus. Dabei verglich sie zwei Gruppen: Die eine keimte neben einem eingeschalteten Handy, die andere war von der Strahlung abgeschirmt.

Das Ergebnis vorweg: Die bestrahlte Gartenkresse war nach sechs Tagen bis zu einem halben Zentimeter kürzer als die abgeschirmte. So konnte die Schülerin mit ihrer Arbeit zeigen, dass Handystrahlen einen direkten Einfluss auf Organismen haben – sogar wenn das Handy nur im Standby-Modus eingeschaltet ist.

Ein beunruhigendes Resultat? Gisela telefoniert heute jedenfalls nicht weniger: «Man kann die Resultate nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen.»

Es würde sie aber freuen, wenn das Thema in einer nachfolgenden Maturaarbeit aufgenommen würde, sagt die junge Forscherin. Sie selbst hat momentan anderes zu tun: Jetzt stehen erstmal die Maturaprüfungen an. Wir drücken die Daumen! (ak)

5. Plante die Schweiz den Krieg?

«Mein Schatzi, es wird doch nicht Krieg geben?», schrieb Lydia Voltz 1902 ihrem Verlobten Otto Hilfiker. Sie fürchtete, ihr Zukünftiger werde als Oberleutnant der Schweizer Armee gegen Italien in den Krieg ziehen müssen.

Ob tatsächlich Kriegsgefahr bestand und wie es überhaupt zum Konflikt zwischen den beiden Ländern kam, hat der Urenkel von Lydia und Otto untersucht. Ausgehend von 300 Briefen seiner Urgrosseltern hat Lorenz Hilfiker (20) Akten in verschiedenen Archiven durchforstet – und dabei Erstaunliches aufgedeckt: Zwar gab es 1902 keine reale Kriegsgefahr, trotzdem aber sehr konkrete Pläne der Schweiz für einen Angriff auf Italien. So hat der General­stabschef im April 1902 bereits 200 000 Paar Militärstiefel in Auftrag gegeben. Er erwog sogar einen Marsch auf Mailand.

Der Hintergrund: Seit den 1890er Jahren gab es zunehmend Spannungen zwischen dem damaligen Königreich Italien und der Schweiz, weil viele italienische Revolutionäre hier Zuflucht fanden. Im April 1902 gipfelte die Krise im Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum italienischen Botschafter in Bern, Giulio Silvestrelli. Doch bereits im Juli nahmen die Länder ihre diplomatischen Beziehungen wieder auf – nachdem beide ihren Botschafter ersetzt hatten. (mhu)

6. Politisch und doch neutral

Überkonfessionelle Ethikstunden statt Religionsunterricht, dies forderte in Graubünden die so genannte Ethikinitiative. Als Jungfreisinnige hatte Manuela Fetz daran zunächst nur politisches Interesse. «Dann wollte ich die andere Sicht kennen lernen.» Die Initiative wurde zum Thema ihrer Maturaarbeit. Um den wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen, entwickelte sie gemeinsam mit ihrer Religionslehrerin einen Fragenkatalog. Erst als die politischen Kontrahenten von der Neutralität der Formulierungen überzeugt waren, gab Fetz die Umfrage frei. 217 Oberstufenschüler machten mit. Das Ergebnis: Rund 60 Prozent waren für einen Ethikunterricht, 15 Prozent lehnten ihn ab. Die meisten möchten ihren Horizont erweitern, sagt die 19-Jährige: «Das Sprechen über Religionen kommt viel zu kurz.» Jedoch folgte die Abstimmung im Mai 2009 nicht Fetz' Voraussage: Man entschied sich für eine Zwischenlösung – je eine Stunde Religion und Ethik im Wechsel. (fee) (20 Minuten)

Schweizer Jugend forscht

Bei Jugendlichen die Freude am selbständigen Forschen wecken und den Nachwuchs fördern – zu diesem Zweck wurde 1970 die gemeinnützige Stiftung Schweizer Jugend forscht (SJf) ins Leben gerufen. Neben dem alljährlichen Nationalen Wettbewerb organisiert SJf auch Studien- und Projektwochen für Schüler. Finanziert wird die Stiftung von der Privatwirtschaft, der öffentlichen Hand sowie von Privatpersonen.

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

Deine Meinung zählt