StudieSoftdrinks machen Kinder aggressiv
Sie zerstören Dinge und greifen andere Menschen an: Kinder, die viel Limonade trinken, sind gewaltbereiter, zeigt eine repräsentative Studie. Schweizer Experten raten vom Konsum ab.
Wenn Dreikäsehochs plötzlich zu tobenden Plagegeistern mutieren, sollten die Eltern mal in den Kühlschrank schauen. Denn hinter der schlechten Laune ihrer Sprösslinge könnten schlicht und einfach Süssgetränke wie Eistee und Limonade stecken. Dies zeigt eine aktuelle Studie aus den USA, für die Wissenschaftler verschiedener amerikanischer Universitäten rund 3000 Fünfjährige untersucht haben. Sie konnten nachweisen, dass zwischen dem Konsum von Softdrinks und aggressivem Verhalten ein Zusammenhang besteht. Rund die Hälfte der teilnehmenden Kinder konsumiert täglich mindestens einmal Coca-Cola, Sprite und Ähnliches, vier Prozent bekommen daheim jeden Tag mehr als viermal Softdrinks serviert. Andere Faktoren, die das Verhalten der Knirpse beeinflussen können – wie etwa der soziale Status, Herkunft und Fernsehkonsum – wurden von den Wissenschaftlern eliminiert.
Bereits ab einem Glas eines Süssgetränks am Tag wiesen die Kinder ein überdurchschnittlich aggressives Verhalten auf: Die Kleinen zerstörten Dinge, gerieten in Prügeleien und griffen andere Menschen an. Jene Kids, die täglich mindestens zweimal zur Limo-Flasche greifen, schienen ausserdem in sich gekehrter als die Gruppe, die ungesüsste Getränke bekam. «Das erstaunt mich nicht», sagt Stefan Fritz, ehemaliger Präsident des Berner Apothekerverbands und Inhaber der Vitalis Plus Gesundheits- und Ernährungsberatung in Bern. Er ist überzeugt: «Die Ernährung spielt für das Verhalten eine sehr wichtige Rolle.» Beispielsweise könne man mit einer Reduktion von Zucker sowie sogenannten schnellen Kohlenhydraten wie Weissmehl und weissen Teigwaren die Unruhe und Aggressivität bereits innert 14 Tagen senken – «so weit, dass bei vielen hyperaktiven Kindern die Medikamente reduziert oder gar abgesetzt werden können». Aber nicht nur Zucker und Co. stehen im Verdacht, die Kinderlaune zu trüben. «Auch auf Zusatzstoffe sollte so weit wie möglich verzichtet werden.»
Kleine Kinder sollten Finger von Softdrinks lassen
Die Frage, welche Inhaltsstoffe die Kinder denn nun tatsächlich auf die Palme bringen und warum das so ist, können auch die US-Forscher nicht beantworten. Christian Brägger, Leiter der Abteilung Gastroenterologie und Ernährung am Kinderspital Zürich, findet denn auch: «Die Studie ist zwar sehr interessant und seriös gemacht worden. Sie lässt jedoch wichtige Fragen unbeantwortet.» Es brauche weitere Studien, um herauszufinden, ob nicht nur ein zufälliger Zusammenhang zwischen den Softdrinks und kindlichen Verhaltensauffälligkeiten bestehe, sondern die Getränke tatsächlich dafür verantwortlich seien. «Auch müsste man untersuchen, welche Inhaltsstoffe allenfalls ursächlich sind.» Solche Untersuchungen seien zwar sehr aufwendig: «Sollte sich aber herausstellen, dass gewisse Getränke wirklich Verhaltensauffälligkeiten fördern, wäre das natürlich ein wichtiger Faktor für Ernährungsempfehlungen.» Auch Apotheker Stefan Fritz fände weitere Studien notwendig. Bis dahin sind sich die Experten aber einig: Kinder sollte man möglichst lange von Süssgetränken fernhalten. Denn haben sie sich erst einmal an Fanta & Co. gewöhnt, wolle kaum ein Knirps freiwillig zurück zu Wasser und Tee.