Neonikotinoid-VerbotVier Milliardstel Gramm sind für Bienen tödlich
Es ist ein guter Tag für Bienen: Die EU-Staaten haben einem Teilverbot für Pestizide zugestimmt, die für das Bienensterben mitverantwortlich sind.
Mit knapper Mehrheit haben die EU-Mitgliedstaaten für ein Freilandverbot von drei bienenschädlichen Insektengiften, sogenannten Neonikotinoiden, gestimmt. Die Vertreter der Mitgliedstaaten nahmen den Vorschlag der Europäischen Kommission an, die Verwendung der drei Wirkstoffe weiter einzuschränken, wie die Behörde am Freitag in Brüssel mitteilte. EU-Quellen zufolge stimmten 16 von 28 Mitgliedstaaten für das Verbot – 15 Ja-Stimmen hätten nicht gereicht.
Der Einsatz im Freien der Pestizide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam werde nun europaweit nicht mehr genehmigt, teilte die Kommission mit. Die Regelung solle noch in diesem Jahr in Kraft treten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hatte im April die Schädlichkeit der Stoffe für Bienen und Hummeln bestätigt: «Die Mehrzahl der Anwendungen von Neonikotinoid-haltigen Pestiziden stellt ein Risiko für Wild- und Honigbienen dar.» Der Einsatz in Gewächshäusern bleibt erlaubt.
Neonikotinoide können Experten zufolge Insekten bereits bei einer niedrigen Dosierung lähmen, töten oder das Lernvermögen und die Orientierungsfähigkeit beeinträchtigen. Die tödliche Dosis liege für viele der Wirkstoffe bei etwa vier Milliardstel Gramm pro Biene.
Industrie kritisiert Entscheid
Der europäische Verband der Pflanzenschutzindustrie (ECPA) kritisierte die Entscheidung als «voreilig». Die EU-Institutionen hätten eine noch ausstehende Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) abwarten sollen. Bayer und Syngenta haben gegen frühere Beschränkungen der Nutzung von Neonikotinoiden vor dem EuGH Klage erhoben. Das Verfahren läuft noch. Im Mai soll das Urteil fallen.
Zuspruch kam von Umweltverbänden und von den Grünen. Der Europa-Abgeordnete der Grünen Martin Häusling erklärte, das Anwendungsverbot sei «überfällig». «Es hätte früher kommen müssen, denn die Aussaat der Zuckerrüben wird es in diesem Jahr nicht mehr betreffen», fügte er hinzu. Auch Martin Hofstetter von der Umweltorganisation Greenpeace gab zu bedenken, dass die heutige Entscheidung allein das rasante Artensterben bei Insekten nicht stoppen könne. (jcg/sda/afp)