SabuElefant in Murten mit Kanone erschossen
Sabus Ausflug ging glimpflich aus. Ein freiheitsliebender Vorgänger wurde 1866 in Murten mit ganz grossem Geschütz erlegt.
In der Schweizer Geschichte ist Sabu nicht der erste Elefant, der es schaffte einen Ausflug in die Freiheit zu unternehmen. Doch im Gegensatz zum aktuellen Fall endete die Eskapade des Elefanten von Murten in einer Katastrophe: Am 29. Juni 1866 gab der amerikanische Wanderzirkus Bell & Myers in Murten eine Vorstellung. Attraktion waren zwei dressierte Elefanten, ein weibliches und ein männliches Tier, die Kunststücke vorführten.
Vor der Abreise geriet der männliche Elefant in Wut, tötete seinen ihn seit 14 Jahren versorgenden Wärter und rannte aus seiner Unterkunft hinaus in die Gassen von Murten. Den Zirkusangestellten und den Murtener Bürgern gelang es nicht, das rasende Tier einzufangen. Der nicht zu bändigende Bulle rannte hin und her und verursachte bei den Anwohnern Tumulte. Erst einige Stunden später gelang es den Verfolgern, den Elefanten durch den Bau von Barrikaden in einer Gasse einzuschliessen. Der Zirkusbesitzer beschloss, ihn töten zu lassen - mit einer Kanone. Das Geschoss traf das Tier tödlich, es starb sofort.
Der Zirkus reiste ab und hinterliess den Kadaver des Elefanten den Murtenern. Sein Skelett befindet sich heutzutage im Naturhistorischen Museum in Bern.
Elefanten rasten ab und zu aus
Es ist nicht unüblich, dass Elefanten, die in Gefangenschaft leben, ab und zu mal ausrasten. Die meisten Fälle – in der Regel handelt es sich um Bullen – enden allerdings fatal. Als Mensch hat man gegen einen fast fünf Tonnen schweren Bullen ganz schlechte Karten. «Es ist nicht so, dass der Elefant von Natur aus aggressiv ist. Aber wenn es einen erwischt, dann ist es ganz übel», sagt Elefantenpfleger Andreas Ochs vom Zoo Berlin dem Nachrichtensender SAT1 nach dem «unerklärlichen» Ausraster einer Elefantendame. Das Tier war während eines Sportanlasses in Sri Lanka durchgedreht.
«Nicht nur Menschen, auch Elefanten können unter Stress leiden», erklärt Prasop Tipprasert, Elefanten-Experte in der gleichen Reportage. Zum Teil seien es die schlechten Bedingungen, denen sie ausgesetzt sind, die diesen Stress verursachen. Manchmal ist es aber die Tatsache, dass das Tier aus seiner Herde gerissen wurde und nun angekettet für den Menschen Arbeit leisten muss, sagt Experte Tipprasert weiter. Für den Notfall gibt er den Zuschauern einen guten Tipp: «Sollte ein Elefant auf Sie zurennen, den Sie nicht kennen, Vorsicht, er könnte gestresst sein.»
Wer auf YouTube sucht, der findet
Allein in Sri Lanka starben im Jahr 2007 50 Menschen durch Elefanten-Angriffe. Statistiken aus Indien belegen, dass zwischen 2000 und 2004 bei Attacken von Dickhäutern im Bundesstaat Jharkhand 300 Menschen das Leben verloren. Zwischen 2001 und 2006 sollen im Bundesstaat Assam 239 getötet worden sein.
Auf der Video-Plattform YouTube gibt es viele Clips, die Wutanfälle von Elefanten dokumentieren. Der Fall der wütenden Bullen, die während eines traditionellen Hindu-Festes im südindischen Bundesstaat Kerala tobten, wird als «eine der zehn schockierendsten Tierattacken» beschrieben. Drei Stunden lang randalierten die zwei 5-Tönner auf dem Festareal. Die Bilanz ihrer Racheattacke: zwei Tote und 24 Verletzte.