Wasserverbrauch lässt Ozeane ansteigen

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KlimawandelWasserverbrauch lässt Ozeane ansteigen

Die Erderwärmung ist nicht der einzige Grund für den Anstieg des Meeresspiegels. Auch abgeschöpftes Grundwasser landet letztlich in den Ozeanen.

Kian Ramezani
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Kian Ramezani

Die Temperaturen steigen, Polareis und Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt, Küstengebiete auf der ganzen Welt versinken in den Ozeanen. Nichts veranschaulicht die Konsequenzen des Klimawandels drastischer als dieses Horrorszenario. Die Wissenschaft glaubt, neben der globalen Erwärmung einen anderen Grund für den Anstieg des Meeresspiegels gefunden zu haben: Grundwasserabschöpfung.

Die Amerikanische Geophysikalische Union beschreibt in einem noch unveröffentlichten Artikel den Zusammenhang zwischen dem Rückgang der weltweiten Grundwasserreserven und dem Anstieg des Meeresspiegels. Weltweit werden pro Jahr rund 2000 Kubikkilometer Wasser für die landwirtschaftliche Bewässerung eingesetzt. Davon stammen 1500 Kubikkilometer aus sogenannten «blauen», erneuerbaren Wasserquellen, d.h. aus Flüssen, Seen und Reservoirs. Die restlichen 500 Kubikkilometer müssen aus dem Grundwasser bezogen werden. Daneben verbraucht auch der Mensch und die Industrie Wasser. Im Jahr 2000 betrug die Grundwasserabschöpfung insgesamt rund 700 Kubikkilometer.

Mensch verbraucht zu viel zu schnell

Die Wissenschaft hat nun errechnet, wie viel dieses abgeschöpften Grundwassers wieder dort landet, wo es herkam: Gerade einmal 3 Prozent. Die restlichen 97 Prozent fliessen über Verdampfung und Niederschlag ins Meer. Daraus ergibt sich einerseits ein unweigerlicher Rückgang der globalen Grundwasserreserven. Für einige trockene Regionen in Nord- und Mittelamerika und im Mittleren Osten, die einen Grossteil ihres Wasserbedarfs mit Grundwasser abdecken, verheisst das nichts Gutes. Andererseits führt das den Ozeanen zugeführte Grundwasser zu einem Anstieg des Meeresspiegels. Die Wissenschaft geht von 0.8 Milimeter pro Jahr aus. Das entspricht einem Viertel des jährlichen Gesamtanstiegs von 3.1 Milimeter.

Über einige Faktoren herrscht noch Unsicherheit, z.B. in welchem Ausmass Dämme den Abfluss von Wasser ins Meer verhindern und damit die negativen Effekte kompensieren können. Doch die Wissenschaftler sind überzeugt, dass der Zusammenhang zwischen Grundwasserrückgang und Anstieg des Meeresspiegels an Bedeutung gewinnen wird. Ganz einfach weil der weltweite Wasserbedarf weiter steigen und deshalb die Grundwasserreserven weiter sinken werden.

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