Zürcher Forscher spürt Abfall-Bären nach

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TürkeiZürcher Forscher spürt Abfall-Bären nach

Gabriele Cozzi schleicht sich nachts an türkische Braunbären heran, um herauszufinden, warum die Tiere Abfälle fressen.

Atlant Bieri
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Atlant Bieri
Forscher legen einem betäubten Braunbären ein Halsband an.

Forscher legen einem betäubten Braunbären ein Halsband an.

Der Wildtierbiologe Gabriele Cozzi von der Uni Zürich ist fasziniert von grossen Raubtieren. Er hat in Afrika bereits Löwen und Hyänen erforscht. Nun wagt er sich an Bären heran.

Zusammen mit Kollegen von der türkischen Wildtierorganisation Kuzey Doga und der amerikanischen Universität Utah erforscht er das Verhalten von Braunbären in einem Naturpark nahe der Stadt Sarikamis im Osten der Türkei. Um die Tiere zu studieren, betäuben die Forscher sie und legen ihnen Halsbänder an, mit denen sie sich über Satellit orten lassen. So können ihre Wanderungen aufgezeichnet werden.

Clevere Tiere

Die bisher gewonnenen Daten zeigen, dass Bären sehr ökonomisch denken: «Sie gehen dorthin, wo das Futter am einfachsten zu holen ist», sagt Cozzi. So ernährt sich eine Gruppe Bären von den Abfällen einer grossen Mülldeponie, die in der Nähe der Stadt Sarikamis liegt.

Das Problem: Die Deponie soll bald geschlossen werden. Die Frage ist, wie sich die Bären danach verhalten werden. «Das Schlimmste wäre, wenn die Tiere ihre Nahrung zukünftig in der nahegelegenen Stadt suchten», sagt Cozzi. Denn dadurch würden sie zu einer Gefahr für den Menschen.

Als Gegenmassnahme sollten die Behörden den Tieren die Futtersuche in der Stadt so unbequem wie möglich machen. Denn: «Wenn es dort nichts zu holen gibt, gehen sie nicht in die Siedlungen hinein», sagt Cozzi. Deshalb müssten potenzielle Futterquellen wie offene Abfalleimer so weit wie möglich bärensicher gemacht werden. «Nur so ist das friedliche Zusammenleben mit den Bären möglich», sagt Cozzi.

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

Gabriele Cozzi ist Wildtierbiologe an der Universität Zürich.

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