Irrsinnige Mieten während dem WEF

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WEF extremIrrsinnige Mieten während dem WEF

Was in Davos jeder weiss, spricht nun eine Branchenkennerin aus: Für Mietwohnungen kann in der WEF-Woche beinahe beliebig viel verlangt werden - und es wird auch.

von
Felix Burch

Alle Zimmer sind voll, kein Bett bleibt in Davos und Klosters während der Woche des WEF frei. Laut dem Davoser Gemeindeschreiber Michael Straub sind die Hotels bis ins Rheintal von WEF-Teilnehmern, Sicherheitsleuten, Begleitern und Journalisten belegt. Von der Bettenknappheit während dem WEF profitieren auch Wohnungsvermieter – und wie. «Es werden höhere Mieten bezahlt in der WEF-Woche, Zahlen sind mir aber keine bekannt», sagt Straub. Vielleicht will er sie auch gar nicht wissen. Denn viele Vermieter wandeln während der Grossveranstaltung am Rande zur Abzocke - oder haben diese Grenze schon lange überschritten, wie Recherchen ergaben.

«Es werden unverschämt hohe Mieten verlangt»

L.S. (Name der Redaktion bekannt), die in der Ferienwohnungsbranche in der Region tätig ist, wird in Sachen Mieten konreter: «Für eine 3,5-Zimmerwohnung, die unter dem Jahr 2000 Franken kostet, wird während dem World Economic Forum über 10 000 Franken hingeblättert», so L.S. Aus leicht nachvollziehbaren Gründen will sie anonym bleiben. Kein Wunder. Denn was sie zu berichten hat, verschlägt manch einem den Atem und könnte sogar die Steuerbehörden auf den Plan rufen. Dieses Jahr werde für eine Wohnung mit 3,5 Zimmer an guter Lage auch schon Mal 15 000 Franken hingelegt. «Viele vermieten ihre Wohnungen ein Mal, während dem WEF, und haben so die Nebenkosten für ein ganzes Jahr gedeckt», schildert L.S. die gängige Praxis. Es sei manchmal schon fast unverschämt, was Ferienwohnungsbesitzer für ihre Objekte verlangten.

«Ich bezahle für meine Wohnung in Davos 2500 Franken im Monat; während dem WEF kann ich sie für 2000 Franken pro Nacht vermieten», bestätigt ein 20 Minuten Online-Leser das offene Davoser Geheimnis, welches niemand offiziell zugibt. Selbst ältere, günstigere Wohnungen und Zimmer finden dank dem Anlass Mieter, die bereit sind, grosse Summen zu zahlen. So werden Snowboardlehrer-WGs für eine Woche aufgelöst, um sie an WEF-Leute zu vermieten. Eine bequeme Variante, das ohnehin tiefe Januarmonatssalär aufzubessern.

Die Situation nicht ausnutzen

Bei der Wohnungsvermittlung Reisebüro Christoffel tönt es ganz anders: «Wir vermieten unsere Ferienwohnungen zu normalen Preisen und nutzen die spezielle Situation während dem WEF nicht aus», behauptet Paula Christoffel. Dennoch sei das WEF eine wertvolle Sache für ganz Davos. Überprüfen lässt sich das allerdings schwer, denn aufgrund der hohen Nachfrage kommen derzeit nur Fehlermeldungen bei der Suche nach einer Schlafgelegenheit für den genannten Zeitraum.

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