SnowfarmingEin Streifen Schnee erhitzt die Gemüter
In Adelboden ist am Wochenende eine Skipiste eröffnet worden, die aus Schneeresten des Vorjahres besteht. Nicht überall ist man erfreut darüber.
Snowfarming: Was in der Schweiz bisher einzig in Davos für Langläufer gemacht wurde, ist nun auch fester Bestandteil im Berner Oberland. Auf der Tschentenalp bei Adelboden wurde am Donnerstag eine Skipiste eröffnet, die ausschliesslich aus Schnee vom letztem Jahr besteht. Über 100 freiwillige Helfer investierten insgesamt rund 3000 bis 4000 Arbeitsstunden.
Eine Skipiste bei wunderbarstem Herbstwetter und fernab von Minustemperaturen? Naturschutzorganisationen sind sich einig:«Das ist überhaupt nicht nachhaltig», sagt Andreas Boldt von Pro Natura. «Man kann anders auf die Klimaerwärmung reagieren», heisst es bei Mountain Wilderness. «Der Energieaufwand bei Snowfarming ist trotzdem zu hoch», findet Greenpeace Schweiz.
Natur- oder Kunstschnee?
Jürg Hänggi vom verantwortlichen Verein «das Trainingszentrum Adelboden» kann die Aufregung nicht verstehen: «Wir arbeiten mit Umweltfachleuten zusammen und sind aktiv auf diese zugegangen.» Der Verein sei sich sehr wohl der Umweltproblematik bewusst. «Für dieses Pilotprojekt, wie wir dieses bezeichnen, werden wir wissenschaftlich begleitet, was Fauna und Flora sowie die Nachhaltigkeit angeht.» Nach drei Jahren werde man ein Fazit ziehen, so Hänggi.
Tim Marklowski von Mountain Wilderness Schweiz kritisiert, dass das Ökologie-Argument des Snowfarmings Etikettenschwindel sei. «Der recyclete Schnee ist meistens sowieso Kunstschnee und dessen Herstellung verbraucht Wasser und Strom.» Diesem Vorwurf widerspricht Hänggi vehement: «Die ganze Skipiste besteht aus Naturschnee. Ausserdem ist der betreffende Ort immer schon eine Skipiste gewesen.»
Snowfarming braucht viele Fahrzeuge und Maschinen, die den Schnee bearbeiten und verteilen – das schade der Vegetation, so Greenpeace. Hänggi kontert: «Für unsere Pisten mussten nicht extra Maschinen herbeigezogen werden. Die Strecke wurde ausschliesslich mit Fahrzeugen präpariert, die auch normalerweise dort oben sind.»
Ein Nachwuchsfahrer fährt auf der Snowfarm-Piste (Quelle: «Das Trainingszentrum»)
«Snowfarming könnte zum Normalfall werden»
Wie notwendig ein solches Angebot sei, zeige sich in der Anzahl Interessierten, so Hänggi: «Viele Leute zeigen Interesse an unserem Projekt und unterstützen uns.» Snowfarming als neuer Trend in der Schweiz? «Da schrillen bei uns die Alarmglocken», so Greenpeace. Die Vorstellung sei durchaus realistisch: «Vor 15 bis 20 Jahren hiess es, man werde Schneekanonen nur in Ausnahmefällen benutzen. Mittlerweile ist diese Technik ein Normalfall.»