Klo-GeschichteDas erste moderne Klo verdanken wir dem Göttibueb von Elisabeth I.
Still war das stille Örtchen in früheren Jahren nicht. Auch sonst unterschied sich der Ort fürs grosse und kleine Geschäft deutlich von dem, was wir heute kennen.
Darum gehts
- Toiletten gibt es schon seit mehreren Tausend Jahren.
- Seit den Anfängen haben sie eine ordentliche Entwicklung durchgemacht.
- Es gab aber auch gewaltige Rückschritte, etwa im Mittelalter.
- Besonders kreativ ging es im 18. Jahrhundert zu, als Pelerinenmänner und Abtritt-Anbieterinnen den Menschen auf der Strasse anboten, unter ihre langen Umhänge zu schlüpfen und dort auszutreten.
- Unsere heutigen Toiletten gehen auf den Erfindungsreichtum zweier Briten zurück.
Ob grosses oder kleines Geschäft: Beim Verrichten dieser Angelegenheit ist man – mit Ausnahme von öffentlichen Pissoirs – meist für sich. Daheim in einem eigenen Raum, auswärts immerhin durch Trennwände von anderen Personen abgeschirmt. Doch so privat ging es auf dem WC (siehe Box) nicht immer zu. Früher war der Toilettengang ein echtes gesellschaftliches Ereignis. Selbst öffentliche WCs-to-go gab es mal. Doch von vorn.
Ein Ort, verschiedene Namen
- Toilette: Im 18. Jh. von dem französischen «toilette» für «Tüchlein» entlehnt. Später ging es auf den Raum über, wo man es nutzte – etwa zum Schminken. Weil die Damen dort auf speziellen Stühlen auch ihre Notdurft verrichteten, bürgerte sich der Begriff für das Klosett ein.
- «Klosett» geht auf das englische «closet» zurück, was so viel wie «kleine Kammer» oder «abgeschlossener Bereich» zurückgeht. Der Ursprung liegt im lateinischen «claudere» – schliessen.
- Auch «WC» geht darauf zurück. Es steht für «water closet» – Wasserklosett.
- Latein spielt auch bei «Lokus» eine Rolle. Das Wort geht auf «locus necessitatis» zurück: Ort der Notdurft.
- Auch «00» steht für Toilette. Entstanden ist das Zeichen im 19. Jh. Damals hatten viele Hotels und Pensionen nur Etagen-WCs in der Nähe des Treppenhauses. Weil dort auch die Nummerierung der Zimmer begann, trugen die WCs die Zimmernummer Null oder «00».
- Die Abkürzung «AB», die hierzulande noch ab und zu verwendet wird, steht für Abort oder Abtritt. Laut Schweizerischem Idiotikon ist es «verschämte Alternative» dafür.
Wer war zuerst?
Das ist bis heute nicht klar. Sicher ist: Erste Toiletten gab es schon lange vor Christus. Archäologische Funde in Schottland zeigen, dass es bereits vor 5000 Jahren toilettenähnliche Vorrichtungen gab. Auch in Indien soll es sie damals schon gegeben haben. Beim Volk der Sumerer im heutigen Irak war es spätestens vor 4000 Jahren soweit. In den Ruinen einiger Paläste fand man Toilettenräume mit Wasserspülung. Ähnlich hygienisch soll es im alten Ägypten und im antiken Griechenland zugegangen sein.
Dass das Fortbringen von Fäkalien wichtig ist, wird sogar in der Bibel erwähnt. Dort heisst es im Alten Testament, dass man sein Geschäft auf dem Feld verrichten und seine Hinterlassenschaften verscharren sollte.
Andere Orte und Klassen, andere Toiletten
Wie heute gab es auch damals nicht die eine Toilette: Bei Grabungen an Euphrat und Tigris, in Ägypten, in Athen und im Römischen Reich wurden Aborte und Sickerschächte, Kanalanlagen zwischen Wohnhäusern und Flüssen, steinerne Klosettsitze und Nachttöpfe gefunden. Die Entdeckungen zeigen, dass etwa die alten Griechen es kunstvoll mochten. In reichen Häusern waren die Verrichtungsstätten oft aufwändig verziert. In weniger reichen Haushalten ging es schlichter zu.
Auch im Alten Rom gab es solche Unterschiede. Während die Reichen auf richtigen Toiletten platznahmen, nutzten die Armen simple Nachttöpfe, die sie anschliessend in grosse Fässer leerten. Die meisten Menschen suchten damals aber die öffentlichen Latrinen mit 25 bis 60 Steinsitzen auf, wo man in geselliger Runde, Po an Po und Mann neben Frau, Darm oder Blase entleerte.
Römische Latrinen: Gute Gespräche und Parasiten
Trennwände gab es auf den öffentlichen Latrinen nicht, dafür jede Menge gute Gespräche, und leider auch Läuse, Flöhe, Zecken und Bandwürmer, wie Forschende 2016 berichteten.
Der Grund: Nicht immer landete die Notdurft in einem Wassergraben, der Kot und Urin in die Cloaca Maxima, den grossen Abwasserkanal, brachte. Oft mussten die Latrinen auch händisch ausgehoben werden. Die Fäkalien landeten dann als Dünger auf den Feldern. Über die Nahrung gelangen die darin enthaltenen Parasiten dann wieder zu den Menschen.
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Im Mittelalter landeten Kot und Urin wieder auf der Strasse
Statt die Hygiene bei der Notdurft weiter voranzutreiben, ging es im Mittelalter einen gewaltigen Schritt zurück. Nach dem Zerfall des Römischen Reichs im 5. Jahrhundert nach Christus landeten kleines und grosses Geschäft wieder im Freien, die Nachttöpfe wurden auf der Strasse entleert. Manchmal erfolgte die Entsorgung direkt aus dem Fenster:

Wer nachts im bewohnten Gebiet unterwegs und liquid war, leistete sich einen Begleiter, der vorausging und vor allfälligen Häufchen warnte. Rund um Burgen «regnete» es auch schon mal Kot und Urin. Dort entleerte man sich nämlich in sogenannten Abtritterkern. Das heisst: Die Notdurft plumpste durch ein Loch im Boden – im besten Fall in den Burggraben, doch je nach Wind klatschte sie auch mal gegen das Gemäuer.
Mancherorts landeten die Fäkalien auch in den sogenannten Ehgräben, die offen zwischen den engen Häuserreihen hindurchführten – aufgrund des «pestilenzialischen Gestankes» auf der Rückseite der Gebäude, auf der es kaum bis keine Fenster hatte. Erst im Hoch- und Spätmittelalter wurden die stinkenden Gräben «mit Rutengeflecht, Palisaden, Blockwerk, Bohlenwänden sowie Bollenstein- oder Backsteinmauern verkleidet und zum Teil mit Lehm abgedichtet», wie es im Historischen Lexikon der Schweiz heisst.
Öffentliche Toiletten gab es damals kaum. Nur in London, Basel und Frankfurt am Main soll es ein paar wenige gegeben haben.
Dreierlei Arten WC
- Flachspüler: Hierbei landen die Fäkalien nicht direkt im Wasser, sondern zunächst auf einer flachen Ebene und können begutachtet werden. Erst beim Spülen rutscht der Kot ins Wasser und dann in die Kanalisation.
- Tiefspüler: Hierbei plumpsen die Fäkalien direkt ins Wasser. Dadurch entsteht weniger unangenehmer Geruch. Allerdings kann es beim Eintauchen zu Wasserspritzern kommen.
- Absaugklosett: Bei dieser vor allem in den USA gebräuchlichen WC-Art wird im stark verengten Siphon ein Vakuum erzeugt, das ruckartig die Schüssel leersaugt. Der grosse Nachteil hierbei: Es verbraucht fast viermal so viel Wasser.
Ende des Mittelalters: Erstes modernes Klo und royale Kackstühle
Das erste moderne WC geht auf den Briten John Harington zurück, einen Göttibueb von Königin Elizabeth I. Etwa um das Jahr 1590 baute er ein Klappklosett mit Wasserspülung. Den komplizierten Apparat, den er «Ajax» taufte (von «a jakes» – Plumpsklo) mit vielen beweglichen Teilen, installierte er im Palast der Queen in Richmond (Grafschaft Surrey). Doch trotz der Begeisterung der Königin blieben die Menschen dem Nachttopf treu. Auch in royalen Kreisen setzte sich Haringtons Erfindung nicht durch: König Louis XIV. von Frankreich etwa soll einen Kackstuhl genutzt haben, auf dem er sich sogar während Empfängen vor den Augen aller erleichtern konnte.
Erst rund 200 Jahre nach Haringtons Erfindung gelang dem britischen Uhrmacher Alexander Cummings der grosse Toilettenwurf. Er verbesserte Haringtons Modell, das nun neu über eine Wasserspülung und ein doppelt gekrümmtes Abflussrohr verfügte: Der Siphon war geboren und das Geruchsproblem damit gelöst. Doch erst in den 1860er-Jahren begann man schliesslich in Manchester, Häuser mit solch einem neuen «water closet» zu bauen. 1877 wurde dann noch der Spülkasten eingeführt, wie man ihn heute kennt. Seitdem hat sich am Prinzip nicht viel geändert.
Toiletten-to-go fürs grosse Geschäft
Öffentliche Toiletten waren im 18. Jahrhundert noch selten. Trotzdem musste man bei Druck auf Blase oder Darm nicht gleich nach Hause rennen oder sich in die Natur hocken. Zumindest nicht in Edinburgh oder Frankfurt am Main, wo die sogenannten Pelerinenmänner (in Schottland) und Abtritt-Anbieterinnen (in Deutschland) den Menschen auf der Strasse anboten, unter ihre langen Umhänge zu schlüpfen und auf den mitgeschleppten Eimern auszutreten. Mit «Who wants me for a bawbee?» (Wer benötigt mich für ein grosses Geschäft?) und «Möcht mol aaner?» lockten sie ihre Kundschaft an.
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Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen, History & Digital und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.
