Experten zur VasektomieBeliebtes Verhütungsmittel: Unterbindungen in der Schweiz häufen sich
Ist der Kinderwunsch und die Familienplanung abgeschlossen, kann eine Unterbindung bei Männern durchgeführt werden. Der kleine operative Eingriff wird zum beliebten Verhütungsmittel in der Schweiz, wie Experten berichten.
Darum gehts
- Vasektomie ist eine Operation, welche den Mann unfruchtbar macht.
- Sie wird in der Schweiz mittlerweile als gängiges Verhütungsmittel verwendet.
- Experten raten den Männern, die Unterbindung erst durchführen zu lassen, wenn die Familienplanung definitiv abgeschlossen ist.
Ist der Kinderwunsch und somit auch die Familienplanung abgeschlossen, greifen Paare gerne zu einer definitiven Verhütungsmethode. Die sogenannte Vasektomie, also die Unterbindung des Mannes, ist dabei hoch im Kurs und sticht hormonelle Verhütungsmittel, wie die Pille oder Spirale, aus.
Unterbindungen bei Frauen sind ebenfalls möglich, jedoch um einiges aufwendiger, wie der Urologe Josef Beatrice weiss. Bei Männern gestalte sich die Vasektomie als deutlich unkomplizierter: «Der Eingriff kann ambulant, in einer urologischen Praxis in örtlicher Betäubung durchgeführt werden und dauert kaum 30 Minuten. Im Anschluss kann der Mann die Praxis wieder zu Fuss verlassen», erklärt der Urologe. Danach sollte auf sportliche und sexuelle Aktivitäten für etwa eine Woche verzichtet werden, rät Beatrice.
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Erhöhtes Verantwortungsbewusstsein bei Männern
In der Schweiz ist die Vasektomie mittlerweile ein gängiges Verhütungsmittel: «Während die Verhütung mit der Pille oder Spirale in den letzten Jahrzehnten mehrheitlich den Frauen überlassen wurde, spürt man bei den Männern in den letzten Jahren vermehrt ein erhöhtes Verantwortungsbewusstsein», so Josef Beatrice.
Er höre häufig von interessierten Männern, dass die Frauen mit der Schwangerschaft und Geburt einen erheblichen Beitrag für die Familie geleistet haben. Die Vasektomie bei Männern stelle deshalb eine schöne «Geste der Revanche» dar.
Dem stimmt die Urologin Manuela Hunziker zu. Immer mehr Männer lassen die Operation durchführen, beobachtet auch sie. Dabei sollte die Familienplanung aber definitiv abgeschlossen sein: «Wenn sich der Mann unsicher ist, dann empfehle ich, keine Vasektomie durchführen zu lassen», so Hunziker.
«Ich musste bisher schon vereinzelte Unterbindungen ablehnen, wenn mir der Zeitpunkt hierfür nicht ‹reif› schien.»
Rückoperation möglich – wird jedoch nicht empfohlen
In seltenen Fällen wird eine Rückoperation gemacht. Doch der Eingriff sei deutlich aufwendiger, erklären beide Urologen. Eine Vasektomie soll also wohl durchdacht und mit der Partnerin abgesprochen sein, so Beatrice. «Ich musste bisher schon vereinzelte Unterbindungen ablehnen, wenn mir der Zeitpunkt hierfür nicht ‹reif› schien.»
Die Hauptrisiken bei der Vasektomie sind Wundinfekte und Nachblutungen, erklärt Urologin Manuela Hunziker. Wichtig sei eine sorgfältige Abklärung vor dem Eingriff bezüglich Allergien, Einnahme von Medikamenten und früheren Eingriffen, ergänzt Josef Beatrice. «Dass der Hodensack nach dem Eingriff wegen des Hämatoms über die ersten sieben bis zehn Tage etwas blau-violett gefärbt ist, ist vollkommen normal», beruhigt der Urologe.
Machen die Frauen Druck?
Männer, welche eine Vasektomie in Erwägung ziehen, sind meist durch Freunde oder das Internet gut informiert. Dass die Partnerinnen etwas Druck auf ihre Männer ausüben, würde Urologe Josef Beatrice nicht sagen. Aber: «Vereinzelt habe ich schon den Eindruck, dass die Partnerin ‹motivierend› ist.»
Laut dem Urologen Josef Beatrice könne die Unterbindung des Mannes ausserdem das Sexleben vereinfachen: «Die Sexualität in der Partnerschaft kann dank erfolgter Vasektomie und damit hinfälliger Verhütung etwas unbeschwerter gestaltet werden.»
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Gina Sergi (gis), Jahrgang 1997, arbeitet seit März 2024 bei 20 Minuten. Sie ist seit September 2025 Ressortleiterin People.
