Junge Generation Schweiz: Polarisierte Ansichten zu Minderheiten laut GDI

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SchweizLGBTQ+, Veganer & Co.: Unter 25-Jährige sind stark gespalten

Eine neue Studie des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) offenbart: Die unter 25-Jährigen in der Schweiz sind in ihren Ansichten zu gesellschaftlichen Minderheiten stark gespalten.

Darum gehts

  • Eine neue Studie des GDI zeigt, dass junge Menschen unter 25 in der Schweiz stark gespalten in ihren Ansichten zu gesellschaftlichen Minderheiten sind.
  • Rund 20 Prozent der unter 25-Jährigen empfinden negative Gefühle gegenüber LGBTQ-Personen, Veganern und anderen Minderheiten.
  • Soziale Medien und soziale Blasen verstärken diese Spaltung, was den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden könnte.

In der öffentlichen Wahrnehmung gelten junge Menschen oft als offen und progressiv – besonders, wenn es um Vielfalt geht. Eher die älteren Generationen haben den Ruf, sich gegen Veränderungen zu wehren. Doch die neue «Vielfaltsstudie» des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) zeigt ein anderes Bild: Die junge Generation unter 25 Jahren in der Schweiz ist stark polarisiert, wenn es um ihre Einstellungen gegenüber verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen geht.

Die spannendsten Erkenntnisse

Ältere Generationen sind neutraler als jüngere

Die Umfrage zeigt: Während ältere Generationen eher neutral bleiben, sind die unter 25-Jährigen besonders gespalten. So empfinden etwa 20 Prozent dieser Altersgruppe negative Gefühle gegenüber trans und nonbinären Personen. Diese starke Spaltung zeigt sich auch gegenüber anderen Minderheiten: Veganern, Homosexuellen und Menschen mit psychischen Erkrankungen lösen innerhalb der Altersgruppe sowohl «extreme Ablehnung» als auch «grosse Zustimmung» aus.

Ein Teilnehmer der Studie sagt: «Ich bin durch einen Freund schon ewig lang mit der Schwulenszene vertraut. Früher habe ich sie als total andere Welt empfunden, und mittlerweile hat das schon ein bisschen meinen Horizont erweitert. Es sind oft Freigeister und das ist halt inspirierend.» Doch genau diese Vielfalt, die einige als bereichernd empfinden, wird von anderen als bedrohlich wahrgenommen.

Starkes emotionales Engagement

«Die Schweiz wird immer grösser und vielfältiger. Vor ein paar Jahren war es irgendwie auch schon vielfältig, aber es wird immer extremer», sagt ein Studienteilnehmer. Mit seiner Haltung ist er nicht allein, wie die Studienergebnisse verdeutlichen: Im Vergleich zu älteren Generationen reagieren die unter 25-Jährigen deutlich stärker und emotionaler auf gesellschaftliche Minderheiten – sei es positiv oder negativ.

Ein Beispiel in Bezug auf die Nachbarschaft: Menschen, die Sympathien für die Schweizerische Volkspartei (SVP) zeigen, gehören zu den Gruppen, die bei einem erheblichen Teil der Befragten negative Emotionen hervorrufen. Etwa ein Drittel der Befragten äussert Unbehagen oder Ablehnung bei der Vorstellung, solche Personen als Nachbarn zu haben. Dasselbe gilt für Asylsuchende und muslimische Nachbarn: Die Studie zeigt, dass rund ein Drittel der Befragten negativ auf die Vorstellung reagiert, dass eine asylsuchende oder muslimische Person in ihre Nachbarschaft ziehen könnte.

Was denkst du über die Ergebnisse der GDI-Studie zur Polarisierung der jungen Generation in der Schweiz?

Das starke emotionale Engagement in Bezug auf politische oder soziale Themen der jungen Generation könnte laut der Studie von verschiedenen Faktoren geprägt sein: Soziale Medien und digitale Plattformen spielten eine wichtige Rolle. Sie verstärken Inhalte und Meinungen, die innerhalb sozialer Blasen zirkulieren, und befeuern damit die emotionalen Reaktionen. Darüber hinaus beeinflussen auch persönliche Erfahrungen sowie die zunehmende Präsenz von Diversitätsthemen in Schulen und Medien die Sensibilität junger Menschen gegenüber gesellschaftlichen Unterschieden. Die Präsenz des Themas bewirkt, dass viele Jugendliche nicht nur eine Meinung haben, sondern diese auch besonders stark vertreten.

Menschen bleiben gern unter ihresgleichen

Die Studie zeigt, dass sich die Befragten oft in den gleichen sozialen «Blasen» aufhalten. So berichten etwa 60 Prozent, dass sie nur wenig oder gar keinen Kontakt zu Menschen mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen haben. Weiter zeigt die Studie, dass beinahe zwei Drittel der Befragten keine engen Beziehungen zu Personen mit einer abweichenden politischen Ausrichtung pflegen.

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Diese sozialen Blasen entstehen, wenn sich Menschen überwiegend mit Gleichgesinnten umgeben. Dies wiederum führt zu einer Verstärkung ihrer eigenen politischen und sozialen Ansichten. Die Isolation bewirkt, dass abweichende Meinungen seltener gehört und weniger toleriert werden. Die Folge sei eine zunehmende Polarisierung – weil andere Standpunkte kaum noch angehört werden. Die Studie warnt, dass diese Verstärkung der eigenen Überzeugungen in sozialen Blasen den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet. Der Dialog zwischen verschiedenen Gruppen werde dadurch immer schwieriger.

Jakub Samochowiec erläutert im Interview mit 20 Minuten, weshalb sich die junge Generation nicht einig ist – und wie sie wieder zusammenfindet.

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Anja Zobrist (zoa) ist Redaktorin und Content Creator im Ressort News und Gesellschaft. Das Journalistenhandwerk erlernte sie an der Ringier Journalistenschule in Zürich. Anschliessend absolvierte sie den CAS Innovation im Journalismus an der ZHAW Winterthur und dem MAZ Luzern.

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