Der Oberste Gerichtshof der USA hat mit einem Urteil ein Gesetz aus der Zeit der Bürgerrechtsbewegung geschwächt, durch das Schwarze und andere Minderheiten im Kongress stärker vertreten werden sollten. Konkret erklärte der Supreme Court am Mittwoch den umstrittenen Zuschnitt eines mehrheitlich von Schwarzen bewohnten Wahlkreises in Louisiana für ungültig. Dadurch wurde ein Abschnitt des Wahlrechtsgesetzes von 1965 ausgehöhlt und der Weg für weitere Neueinteilungen von Wahlkreisen im ganzen Land geebnet, die den Republikanern mehr Chancen auf eine Kontrolle über das Repräsentantenhaus geben könnten.
Mit 6 zu 3 Stimmen befand die konservative Mehrheit des Gerichts, dass der Wahlbezirk in Louisiana zu stark auf die ethnische Zugehörigkeit ausgerichtet sei. Es handle sich um eine «verfassungswidrige Wahlkreismanipulation», schrieb Richter Samuel Alito im Namen der sechs Konservativen.
Auswirkungen bei Wahl 2028 bemerkbar
Die Auswirkungen des Urteils könnten sich erst bei der Wahl 2028 stärker bemerkbar machen, da die meisten Fristen für die Kongresswahlen im Herbst bereits abgelaufen sind. Louisiana muss jedoch möglicherweise seinen Plan zur Neugliederung der Wahlbezirke ändern, um der Entscheidung nachzukommen.
Das Urteil schwächt zudem Abschnitt 2 des Wahlrechtsgesetzes von 1965, durch das schwarzen Amerikanern der Zugang zu den Wahlurnen ermöglicht und Diskriminierung abgebaut wurde. Die liberale Richterin Elena Kagan, die gegen die konservative Mehrheit stimmte, schrieb, dieser Abschnitt 2 sei nun nur noch eine leere Worthülse.
Nach Schätzungen des Wahlrechtsexperten Nicholas Stephanopoulos kommt dieser Abschnitt 2 im Moment noch bei fast 70 der 435 Kongresswahlkreise der USA zur Anwendung.
Jubel und Kritik
Das Urteil ist ein Dämpfer für die Demokraten, die in mehreren Bundesstaaten mit den Republikanern über den Zuschnitt der Wahlkreise streiten.
Die Abgeordnete Suzan DelBene sagte, die Entscheidung sei ein weiterer Beweis dafür, wie die Trump-Regierung und das von ihm nach rechts gerückte Oberste Gericht die Rechte schwarzer Wähler einschränkten. Eine Sprecherin des Weissen Hauses, Abigail Jackson, begrüsste hingegen die Entscheidung. «Dies ist ein vollständiger und uneingeschränkter Sieg für die amerikanischen Wähler. Die Hautfarbe eines Menschen sollte nicht darüber entscheiden, zu welchem Kongresswahlkreis man gehört», schrieb sie in einer E-Mail. (DPA)