Schweizer ArmeeSchimmelpanzer bis Maskenbschiss: Darum floppt das VBS in Serie
Das Debakel um die Hermes-900-Drohnen, der Ruag-Skandal und der Abgang des Armeechefs Thomas Süssli sind nur die jüngsten Einträge auf einer langen Liste von Flops im VBS. Woran liegt das?
Darum gehts
- Der Ruag-Skandal und die Abgänge an der Armeespitze sind die neusten negativen Entwicklungen um die Armee.
- Weitere Beispiele sind die Mirage-Affäre, der Kauf von überteuerten Schutzmasken sowie diverse IT-Projekte.
- Wirtschaftspsychologe Christian Fichter erklärt, dass grosse und komplexe Organisationen wie das VBS besonders anfällig für Pannen sind.
Der Ruag-Skandal erschüttert die Schweiz, nach Verteidigungsministerin Viola Amherd schmeissen nun offenbar auch Armeechef Thoams Süssli und NDB-Direktor Christian Dussey hin. Damit setzt sich die Pannenserie fort.
Kürzlich lief bei der Beschaffung von sechs High-Tech-Drohnen aus Israel vieles schief. In ihrem Bericht kritisierte die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) unter anderem die mangelhafte Planung und das unzureichende Risikomanagement bei der Beschaffung der Hermes-900-Drohnen von der israelischen Firma Elbit. Für Rüstungschef Urs Loher ist das keine Option. Dafür hätten alle Seiten schon zu viel Geld investiert.
VBS: Probleme wegen Sonderwünschen
Ein Grund für die Probleme seien die Spezialwünsche der Schweiz: «Vieles geht darauf zurück, dass wir in der Schweiz oft Anpassungen verlangen. Wir müssen künftig noch mehr das Standardprodukt ab Stange kaufen», sagte er im Interview mit 20 Minuten. Ähnliches war schon nach früheren Flops aus dem VBS zu hören.
Warum kommt es im VBS immer wieder zu Pannen und Pleiten?

Schweizer Armee: Das waren die grössten Flops
Der Mirage-Skandal
Für 870 Millionen Franken bestellte die Schweiz 1961 in Frankreich hundert Mirage-III-Kampfjets. Weil die Kosten massiv überschritten wurden, musste der Bund drei Jahre später einen Zusatzkredit von 576 Millionen Franken beantragen, den das Parlament ablehnte.
Auch damals waren eine «undurchsichtige Projektplanung» und «diverse Sonderwünsche» die Ursache der Kostenexplosion. Erstmals in der Geschichte der Schweiz wurde eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) eingesetzt, um den Skandal aufzuarbeiten. Schliesslich wurden nur 57 statt 100 Flieger beschafft.
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Feindliche Kühe
Das Parlament bewilligte 2009 die Beschaffung eines neuen Radarsystems. Dieses Mal kaufte die Armee das 296 Millionen Franken teure Anflugleitsystem in Deutschland ab Stange.
Doch bei der Installation des Flugplatz-Rundsuchradars offenbarten sich Probleme: «Offenbar funktioniert das System in der Ebene, aber wenn sich in den Bergen an den Hängen zum Beispiel eine Kuh bewegt, nimmt der Radar diese Kuh als feindliches Instrument wahr, und das stört», erklärte der damalige Verteidigungsminister Ueli Maurer (SVP).

Schimmlige Panzer
Bei so vielen Beschaffungen verliert man schnell mal den Überblick. 2010 fand das Militär in einem Stollen im Wallis unverhofft 400 Schützenpanzer, die niemand vermisst hat. Nachdem ein Verkauf in die Vereinigten Arabischen Emirate geplatzt war, hätten sie 2006 zerstört werden sollen – doch die SVP wehrte sich mit Erfolg dagegen.
Also lagerte man sie im Stollen ein und vergass sie wieder. Zu gebrauchen waren die Panzer nicht mehr, dafür grau und voller Schimmel.

Vergoldete Duros
Die 2200 Duro-Kleinlastwagen der Armee wurden in den letzten Jahren auf den neusten Stand gebracht. Eingebaut wurde etwa ein umweltfreundlicher Motor. Für Kritik sorgten bei dieser Beschaffung die hohen Kosten.
Für die Umrüstungen waren 250’000 Franken pro Fahrzeug veranschlagt. 15 Jahre zuvor hatte die Armee die Laster für 140’000 Franken gekauft. 2015 beschloss das Parlament die Nachrüstung mit dem zusätzlichen Rüstungsprogramm.

Überteuerte Schutzmasken
Zu Beginn der Corona-Pandemie musste es schnell gehen beim Maskenkauf. Das wussten auch die beiden Jungunternehmer der Firma Emix Trading. In Mails machten die heutigen Maskenmillionäre dem VBS Druck – mit Erfolg: Die Armee bestellte prompt 50’000 Stück.
Innerhalb von drei Wochen bestellte das VBS Masken im Wert von insgesamt 22 Millionen Franken. Pro Maske zahlte sie zwischen 8.50 und 9.90 Franken. Die Masken waren nicht nur überteuert, sondern auch von schlechter Qualität. Weil sie ihr Verfallsdatum erreichten, mussten Millionen von Masken vernichtet werden.

Der wetterfühlige Kampfjet
Er trägt zwar das Wort «Lightning» (englisch für Blitz) im Namen, doch macht er diesem keine Ehre: der F-35-Kampfjet vom US-Hersteller Lockheed Martin, der ab 2027 ausgeliefert werden soll. Bereits 2030 müssen die Triebwerke nachgerüstet werden – auf Kosten der Schweiz. Zudem mag der Jet keine Blitze.
Die 36 Tarnkappen-Jets F-35A Lightning II, welche die Schweiz für sechs Milliarden bestellt hat, müssen einen Abstand von mindestens 40 Kilometern zu Gewittern halten. Schlägt ein Blitz ein, könnte das Flugzeug in Brand geraten.

Kritische IT-Projekte
Das VBS ist das Departement mit den meisten IT-Grossprojekten beim Bund. Knapp fünf Milliarden Franken kosten die aktuell neun Projekte zusammen. Die Projekte befinden sich laut der EFK teilweise in einer kritischen Phase. Recherchen von SRF zeigten, dass sie vom Bundesrat eine zusätzliche Aufsicht über das VBS fordert.
Denn IT-Projekte sorgten beim VBS immer wieder für Schlagzeilen. Neben dem Drohnen-Bericht publizierte die EFK am Mittwoch noch zwei weitere Untersuchungen zur neuen Digitalisierungsplattform, wo zahlreiche Schnittstellen noch nicht funktionieren, sowie zu einem krisensicheren Datennetz, das dem Zeitplan hinterherhinkt.
Anmerkung der Redaktion: Eine erste Version dieses Artikels erschien am 24. Januar 2025 im Zuge der Beschaffungsprobleme von Drohnen.
In der ersten Version stand ausserdem, dass die Armee 50’000 Masken für 22 Millionen Franken bei Emix kaufte. Dabei handelte es sich um einen Fehler, der nun korrigiert wurde.
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