Alois ZwinggiWEF-Direktor «besorgt», weil Davoser aus Wohnungen geworfen werden
Alois Zwinggi ist Direktor des WEF. Im Interview zieht er Bilanz über die Ausgabe 2025. Zum ersten Mal mache er sich ernsthaft Sorgen, dass das WEF den Rückhalt der Davoserinnen und Davoser verliert. Und er spricht exklusiv über seinen baldigen Ruhestand.
WEF: Darum gehts
- Alois Zwinggi, WEF-Direktor, äussert Bedenken über die Vertreibung von Davosern aus ihren Wohnungen.
- Er verurteilt die sogenannten «Rauswurfklauseln» in Mietverträgen von Einheimischen.
- Zwinggi will die Anzahl der Rahmenveranstaltungen reduzieren, um die Nachfrage nach Unterkünften zu senken.
- Er wird Ende 2026 in den Ruhestand gehen – wie er erstmals öffentlich sagt.
Der Luzerner Alois Zwinggi ist eine der wichtigsten Figuren des WEF – gleich nach Klaus Schwab und Børge Brende. Wegen seiner umgänglichen Art und seines Schweizer Charmes gilt er auch als «das nette Gesicht» des Weltwirtschaftsforums.
Alois Zwinggi ist bei der WEF-Organisation zuständig für die Beziehungen der Veranstaltung zu den örtlichen Hotels, Geschäften, aber auch zu den Davoser Behörden, dem Kanton Graubünden und dem Bund. Er arbeitet seit 15 Jahren für das WEF – gibt aber exklusiv bei 20 Minuten bekannt, dass die Ausgabe 2025 seine zweitletzte ist.
Herr Zwinggi, das WEF 2025 endet heute. Sind Sie zufrieden? Mehrheitlich. Die grossen Spannungen der Weltpolitik waren natürlich auch hier in Davos das dominante Thema, ganz klar. Gerade deswegen haben wir auf das Motto der «Zusammenarbeit im Zeitalter der Intelligenz» gesetzt. Dazu habe ich viele spannende Inputs gehört.
Heisst aber auch: Einiges ist nicht gelungen.
Das Vertrauen der Staaten untereinander zu stärken. Das ist uns nach meinem Eindruck zwar im Rahmen unserer Möglichkeiten gelungen, aber es ist klar: Hier muss die Welt wieder besser werden. Die internationale Zusammenarbeit ist derzeit «nicht in Mode». Sinnbildlich dafür waren vielleicht die eher leeren Ränge bei der Rede von UN-Generalsekretär António Guterres.

Der Blick in die Kristallkugel: Was ist vom WEF 2026 zu erwarten?
Ich denke, ein ganz grosser Schwerpunkt werden die neuen Technologien – und die Spielregeln dafür sein. Wir müssen darüber sprechen, wie wir mit AI und Quantencomputern umgehen, damit diese wirklich der Gesellschaft nutzen.
«2026 ist mein letztes WEF.»
Bleiben wir in der Zukunft: Sie sind 63. Wie lange bleiben Sie noch beim WEF?
Auch beim WEF gilt das Rentenalter 65. Das heisst: 2026 ist mein letztes WEF und danach werde ich etwas anderes machen. Was das dann ist, an dem arbeite ich noch. Ich bin aber eine sehr breit interessierte Person, ich werde sicher etwas finden (lacht).
Werden Sie das WEF vermissen?
Ich konnte Jahrzehnte ohne WEF leben, habe hier aber seit 15 Jahren eine super spannende Zeit. Auch störrische Hoteliers und Abzocker zu bändigen, machte und macht mir grossen Spass! Ohne mich selbst loben zu wollen: Insgesamt ist die Zusammenarbeit mit Hotels und Co. besser geworden.

Damit sind wir bei der Bilanz über das «Rundherum» Ihrer Veranstaltung. Neuerdings gibt es Mietverträge in Davos, wonach Einheimische während des WEF Platz machen müssen. Das hat einen Aufschrei ausgelöst. Was sagen Sie dazu?
Das besorgt mich zutiefst und ich verurteile solche Klauseln heftig. Wir müssen in Davos willkommen sein, um hier eine erfolgreiche Veranstaltung durchzuführen. Aber genau wegen dieser «Rauswurfklauseln» reise ich tatsächlich das erste Mal aus Davos ab und mache mir Sorgen über die Stimmung der Bevölkerung und deren Wohlwollen uns gegenüber.
Was unternehmen Sie gegen diese Entwicklung?
Wenn wir über die Gesetzgebung – etwa im Zusammenhang mit dem Baugesetz – die Anzahl der trittbrettfahrenden Rahmenveranstaltungen, die eigentlich nichts mit uns zu tun haben, verringern können, wird auch die Nachfrage nach Unterkünften sinken.

Heisst: «Firmenpaläste» werden es künftig schwieriger haben an der Promenade – können Sie das ausführen?
Die Gemeinde hat ja kürzlich ihr Baureglement angepasst. Und eigentlich auch das Baugesetz. Dagegen ist aber noch eine Klage vor Gericht hängig. Meines Erachtens hat sich aber die Qualität der Pavillons schon jetzt verbessert. Trotzdem glaube ich, dass es hier eine Begrenzung des Angebots, also der Pavillons, braucht.
Sollte die Davoser Promenade während des WEF verkehrsfrei sein?
Das könnte auch bei der Stau-Problematik helfen, die dieses Jahr einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Der Gipfel war ein Brand an der Promenade am Mittwochabend. Ein Davoser Feuerwehrmann klagte bei uns, dass er erst verspätet ausrücken konnte, weil seine Einfahrt blockiert war.
Die Verkehrssituation hat sich definitiv nochmal verschlechtert. Hier sind der Kanton und die Gemeinde in der dringenden Pflicht, das zu verbessern. Ich träume ja seit Jahren von der verkehrsfreien Promenade und sage das auch immer wieder den Behörden. Aber rechtlich ist das scheinbar kompliziert oder nicht möglich, da es öffentliche Gemeinde- und Kantonsstrassen sind.
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Stefan Lanz arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Er ist Bundeshausjournalist mit langjähriger Erfahrung.
Silvan Haenni (sih) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten, leitet seit 2023 das Wirtschaftsressort und amtet bis 2025 als Leiter Spezialprojekte.

