Luka (50): Männer trauern anders als Frauen

Publiziert

Witwer erzähltLuka (50): «Als Mann trauert man anders»

Den Verlust der Lieblingsperson zu verarbeiten, fällt vielen nicht leicht. So auch Luka, dessen Frau vor zwei Jahren verstarb. Wie unterschiedlich Männer und Frauen mit Trauer umgehen, erklärt eine Expertin.

Darum gehts

  • Der Zürcher Luka (50) verlor seine Frau vor zwei Jahren an Krebs.
  • Er und sein Sohn unterstützen sich gegenseitig in ihrer Trauer.
  • Eine Therapie hat ihm nicht geholfen.
  • Perrine Mäder, psychologische Beraterin bei Psyvita, erläutert, dass das Trauerverhalten von Männern und Frauen unterschiedlich ist.

Laut dem Bundesamt für Statistik haben von 1981 bis 2023 rund 400'000 Menschen schweizweit die schmerzliche Erfahrung gemacht, ihren Lebenspartner oder ihre Lebenspartnerin mitten im Leben zu verlieren. Monika (29) und C. (36) erzählen hier, wie es ist, als junge Frau verwitwet zu sein.

Auch Luka (50) verlor seine Frau und musste feststellen, dass man als Mann anders trauert. Der Zürcher erzählt uns, wie er mit dem Verlust seiner Frau umgeht und mit welchen Schwierigkeiten er am meisten zu kämpfen hat.

Luka (50) aus Zürich: «Mich als Witwer zu bezeichnen, ist das Schlimmste»

Luka fühlt sich seiner verstorbenen Frau immer noch verbunden. «Sie war die Liebe meines Lebens», sagt er. (Symbolbild)
Luka fühlt sich seiner verstorbenen Frau immer noch verbunden. «Sie war die Liebe meines Lebens», sagt er. (Symbolbild)Pexels

«Vor zwei Jahren hat der Krebs mir meine Frau genommen. Wir waren 18 Jahre zusammen und haben einen gemeinsamen Sohn (16). Sie war lange krank, aber wir haben nie gedacht, dass es so zu Ende gehen wird. Wir haben immer gehofft, dass es besser wird. Aber dann ist es passiert, und es hat alles verändert. Seitdem fühlen wir uns beide, als seien wir in ein tiefes Loch gefallen. Man lernt damit zu leben, aber es wird nicht wirklich besser. Mein Sohn gibt mir Mut, weiterzumachen, und wir versuchen, uns gegenseitig zu stützen.

Ich musste alleine eine neue Routine finden für unser Leben, das war schwer. Eine Therapie hat mir nicht geholfen. Auch bei Selbsthilfegruppen für verwitwete Personen habe ich mich nicht wohlgefühlt, weil meist nur Frauen dabei waren. Als Mann trauert man anders, der Austausch darüber hat mir also nichts gebracht. Ich musste die Stärke in mir selbst finden. Doch natürlich ist die Bewältigung für jeden individuell.

Was mich besonders getroffen hat, ist der Gedanke, dass jemand, der stirbt, langsam aus allem verschwindet. Man kündigt Kreditkarten, löscht Abos, beendet das Leasing fürs Auto – es fühlt sich an, als würde die Person aus der Welt gelöscht werden. Aber ihre Telefonnummer habe ich behalten. Es ist vielleicht nur eine Kleinigkeit, aber es gibt mir das Gefühl, dass noch ein Teil von ihr da ist. Zu Hause habe ich auch alles von ihr aufgehoben. Ich kann mich nicht davon trennen, auch wenn das nicht gesund ist. Es gibt mir Trost.

Eine Therapie hat der 50-Jährige ausprobiert, doch diese hat ihm nicht geholfen. (Symbolbild).
Eine Therapie hat der 50-Jährige ausprobiert, doch diese hat ihm nicht geholfen. (Symbolbild).Pexels

Auch die Beziehungen zu Freunden und Familie hat sich verändert. Keiner wusste so recht, wie er mit mir umgehen soll. Ich werde seltener eingeladen, werde nicht mehr gefragt, wie es mir geht. Das hat mich am Anfang sehr gestört, aber inzwischen verstehe ich es. Die Leute wissen oft einfach nicht, was sie sagen oder tun sollen, wenn sie mit dem Tod konfrontiert sind.

An eine neue Liebe denke ich überhaupt nicht. Ich weiss auch nicht, ob ich je dafür bereit sein werde. Ich fühle mich immer noch verheiratet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich jemals eine andere Frau so lieben könnte. Die neue Frau wäre nur ein Ersatz und das wäre ihr gegenüber unfair.

Das Schlimmste ist für mich, mich als Witwer zu bezeichnen. Wenn ich bei Formularen ‹verwitwet› angeben muss, ist das jedes Mal ein Stich ins Herz. Ich denke oft an die guten Momente mit ihr, aber das macht mich traurig, weil ich weiss, dass wir keine neuen Erinnerungen mehr zusammen schaffen können. Manchmal fühle ich mich sogar schuldig, wenn ich mich freue, weil ich die Momente nicht mit ihr teilen kann. Ich versuche immer noch, einen Weg zu finden, damit umzugehen.»

Wie gehst du mit dem Verlust eines geliebten Menschen um?

«Männer gehen mit der Trauer anders um»

Perrine Mäder, psychologische Beraterin bei Psyvita.
Perrine Mäder, psychologische Beraterin bei Psyvita.privat
Gibt es einen Unterschied zwischen verwitweten Männern und Frauen?
Tatsächlich gibt es Studien und Beobachtungen, die darauf hinweisen, dass Männer und Frauen oft unterschiedlich mit Trauer umgehen. Diese Unterschiede sind jedoch nicht als «besser» oder «schlechter» zu bewerten, sondern spiegeln lediglich verschiedene Bewältigungsstrategien wider.
Wie zeigen sich diese?
Männer neigen tendenziell dazu, ihre Gefühle eher nach innen zu richten und versuchen, ihre Trauer durch Ablenkung oder aktives Handeln zu verarbeiten. Frauen hingegen suchen oft stärker den emotionalen Austausch und die Unterstützung durch soziale Kontakte.
Welche Schwierigkeiten gibt es je nach Geschlecht?
Es zeigt sich häufig, dass verwitwete Männer stärker unter Einsamkeit leiden, da sie oft weniger soziale Netzwerke haben als Frauen. Verwitwete Frauen dagegen können Schwierigkeiten haben, sich an praktische Herausforderungen oder finanzielle Veränderungen zu gewöhnen, vor allem, wenn diese Aufgaben zuvor beim Partner lagen.
Letztlich ist aber jede Trauer einzigartig. Der Umgang mit Verlust hängt von der individuellen Persönlichkeit, den Lebensumständen, der Beziehung zum Verstorbenen und vielen weiteren Faktoren ab. Das Wichtigste ist, dass jeder Mensch den Raum und die Zeit bekommt, die er oder sie benötigt.

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:
Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143
Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen
Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29
Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch
Lifewith.ch, für betroffene Geschwister
Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

Folgst du schon 20 Minuten auf Whatsapp?

Eine Newsübersicht am Morgen und zum Feierabend, überraschende Storys und Breaking News: Abonniere den Whatsapp-Kanal von 20 Minuten und du bekommst regelmässige Updates mit unseren besten Storys direkt auf dein Handy.

Monika Abdel Meseh (mam) ist seit 2023 Teil von 20 Minuten und arbeitetet als Redaktorin im Ressort Community.

Deine Meinung zählt

460
17
106
Merken
17 Kommentare