Atomwaffen: Ausgaben steigen auf 100 Milliarden US-Dollar

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Nukleare AufrüstungDie Atommächte investieren immer mehr Geld in ihre Nuklearwaffen

Während über Irans Atomprogramm gestritten wird, zeigt ein neuer Bericht, wie viel Geld die bestehenden Atommächte in ihre nuklearen Waffenprogramme stecken.

Nukleare Aufrüstung: Darum gehts

  • Die Atommächte steckten letztes Jahr Milliarden in die Modernisierung und den Ausbau ihrer Atomwaffen-Arsenale.
  • Die USA investieren am meisten, gefolgt von China und Russland.
  • Auch private Unternehmen wie Airbus und Boeing sind in die Produktion involviert.

Der entbrannte Krieg im Nahen Osten ist wegen Atomwaffen ausgebrochen. Zumindest hat Israel seine Angriffe auf den Iran damit begründet, dass das Land innert Wochen oder Monaten eine Atombombe bauen und einsetzen könnte. Auch der Angriff der USA, der den Einstieg der USA in den Krieg bedeutet, galt nuklearen Anlagen.

Während die Meinungen über Irans Atomprogramm und die Rechtfertigung für die Angriffe auseinandergehen, zeigt ein neu erschienener Bericht des NGO-Bündnisses «Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen» (ICAN), wie stark die bestehenden Atommächte in ihre nuklearen Waffenprogramme investieren.

Irans Atomprogramm

Über die Frage, ob der Iran tatsächlich bald Atomwaffen haben könnte, gehen die Meinungen auseinander. Auf der einen Seite hiess es noch im März im Bericht der US-amerikanischen Geheimdienste: «Wir gehen weiterhin davon aus, dass der Iran keine Atomwaffen baut und dass Khamenei das Atomwaffenprogramm nicht erneut genehmigt hat.» Auch die Internationale Atomenergie-Organisation IAEA fand in ihrem Bericht Ende Mai «keine glaubwürdigen Hinweise auf ein laufendes, nicht deklariertes strukturiertes Nuklearprogramm», das für Atomwaffen genutzt werde.
Andererseits hat Tulsi Gabbard, Direktorin der US-Geheimdienste, selbst in Interviews Trumps Aussage, dass der Iran «kurz» vor der Atombombe stehe, zugestimmt. Auch haben weitere hochrangige Militär- und Geheimdienstangehörige diese Aussage gegenüber AP bestätigt. Die Verfasser des IAEA-Berichts vermerken im Report von Mai auch, dass der Iran nicht vollständig kooperiere und über hochangereichertes Uran verfüge. Israels Premier Benjamin Netanyahu bezieht sich zudem auf geheime Informationen des Auslandsgeheimdienstes Mossad.

Die Welt rüstet auf

Insgesamt haben die Atommächte USA, China, Grossbritannien, Russland, Frankreich, Indien und Pakistan sowie Israel und Nordkorea im letzten Jahr knapp 100 Milliarden US-Dollar für ihre nuklearen Waffenprogramme ausgegeben, wie die ICAN schätzt – das wären 274 Millionen US-Dollar jeden Tag.

Deutlich am meisten haben die USA dabei investiert – fast so viel, wie China über die letzten fünf Jahre für sein Nuklearwaffenprogramm ausgegeben hat. Am Militärhaushalt gemessen hat allerdings Grossbritannien mit ganzen 13 Prozent den grössten Anteil für sein nukleares Waffenprogramm ausgegeben, gefolgt von Frankreich mit elf Prozent und Pakistan mit zehn.

Die drei Länder haben ihre Ausgaben für Atomprogramme gegenüber dem Vorjahr auch am stärksten erhöht. Alle Atommächte haben verglichen mit 2023 im letzten Jahr rund elf Prozent mehr Geld in ihre Waffenprogramme gesteckt, keines der Länder hat weniger Geld ausgegeben als im Vorjahr.

Das grosse Geschäft

Diese Geldmengen gehen auch in die Privatwirtschaft. Eine breite Reihe an Unternehmen ist direkt oder indirekt am Bau von Atomwaffen beteiligt und macht damit ordentlich Geld, wie ICAN schätzt. Darunter befinden sich auch bekannte Firmen wie Airbus, Boeing und Rolls-Royce. Bei diesen machen die Umsätze mit Atomwaffen zwar nur einen kleinen Betrag aus, bei anderen Unternehmen wie etwa Amentum hingegen fast 65 Prozent.

Vorgehen von ICAN

Da Länder wie Nordkorea und Israel kaum oder gar keine Einsicht in ihre Atomprogramme geben, haben die Forscher der ICAN für ihren Bericht vergleichbare Angaben, etwa zum Anteil am Militärhaushalt, und Experteneinschätzungen herbeigezogen, um eine möglichst genaue Angabe machen zu können. Auch in anderen Ländern und bei den Verträgen der Unternehmen sind nicht immer alle Informationen öffentlich erhältlich. Hier wurde ebenfalls durch Vergleiche und weitere Faktoren eine möglichst exakte Schätzung gemacht.

Was denkst du über die steigenden Investitionen der Atommächte in ihre Waffenprogramme?

Die Schätzungen über die Nuklearwaffenausgaben der Länder beinhalteten die Betriebs- und Entwicklungskosten für nukleare Sprengköpfe und nuklearfähige Trägersysteme, wenn diese Ausgaben öffentlich zugänglich sind, und basieren auf einem angemessenen Prozentsatz der gesamten Militärausgaben, wenn keine detaillierteren Haushaltsdaten verfügbar sind.

Aufgrund des Mangels an verlässlichen und konsistenten globalen Informationen seien in diesen Schätzungen die Kosten für die Sanierung der durch Atomwaffen kontaminierten Umwelt oder für die Entschädigung der Opfer von Atomwaffeneinsätzen und -tests nicht enthalten. Den vollen Bericht findest du hier.

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Jan Janssen (jjn) arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Zuerst im Ressort Zürich und seit 2025 im Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.

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