ZürichDemo gegen das Clubsterben: Im Velotunnel gibt es einen Rave
Das Zürcher Label «Schallfenster» veranstaltet am 31. Juli einen Demo-Rave im Velotunnel unter dem Hauptbahnhof. Die Organisatoren wollen damit auf das Clubsterben in Zürich aufmerksam machen.
Darum gehts
- Am 31. Juli wird der Velotunnel in Zürich zur Tanzfläche für einen Demo-Rave.
- Das Event soll auf das Clubsterben und die Kommerzialisierung der Clubkultur aufmerksam machen.
- Organisatoren fordern Fördergelder und Diversität in der Clubszene.
- Die Durchfahrt für Velofahrende bleibt während des Raves gewährleistet.
Am 31. Juli wird der Velotunnel unter dem Hauptbahnhof zur Tanzfläche: Das Zürcher Label «Schallfenster» verwandelt ihn mit «The Tunnel» in einen Rave und eine Demo zugleich. Der Party-Protest will insbesondere auf die schrumpfende Zürcher Clubszene aufmerksam machen und ein Zeichen gegen die Kommerzialisierung der Clubkultur setzen.
«Viele Clubs gibt es nicht mehr, die übrig gebliebenen stehen finanziell extrem unter Druck», sagt «The Tunnel»-Mitorganisator Onur Özman. Die Konsequenz davon: Sponsoren würden zunehmend die Kontrolle über das Line-up übernehmen, Investmentfirmen kauften Festivals auf, statt künstlerischer Experimente dominierten heutzutage Klickzahlen und Follower-Listen die Booking-Entscheidungen.
Club-Betreiber mitschuldig
Diese Dynamik störe sie als Kulturschaffende, sagt Özman. «Sie führt dazu, dass immer die gleichen DJs immer ähnlicheren Sound laufen lassen – der Club-Besuch als massentaugliche Unterhaltung. So wie beim Radio.»
Mitschuldig an der Club-Misere seien auch die Club-Betreiber selbst. «Viele dieser Personen – oft Männer mit einem Hintergrund in der Finanzwelt – haben die Szene früher positiv geprägt, doch heute agieren sie vor allem als Verwalter eines Status quo.» Innovation und Diversität hätten kaum Platz im gegenwärtigen Clubbetrieb.
Fördergelder für neue Clubs gefordert
Es herrsche Stillstand: «Jüngere Generationen, neue Perspektiven und marginalisierte Gruppen werden systematisch ausgeschlossen oder nur kontrolliert eingeführt.» Damit müsse Schluss sein. In einem Aufruf auf ihrer Website stellt das Kollektiv hinter dem Label verschiedene Forderungen auf.
So müsse die Stadt etwa Fördergelder für neue Clubprojekte bereitstellen, Lagerhallen oder andere Flächen einfacher für Off-Locations zugänglich machen und Subkultur fördern. Und die Clubs selbst stünden in der Verantwortung, nicht nur diverse Artists zu buchen, sondern auch bei der Organisation und Trägerschaften diverse Perspektiven sicherzustellen.
Sollte die Stadt Zürich mehr Fördergelder für die Clubszene bereitstellen?
Velo-Durchfahrt sichergestellt
Am 31. Juli sollen derweil nicht die Forderungen im Fokus stehen, sondern die Musik, sagt Özman: «Es wird ein Rave im ursprünglichen Sinne: Ein tolles Line-up, ein bewusstes und gemeinsames Feiern, eine Bindung zwischen den Leuten ohne Drogen- oder Alkoholexzesse.»
Obwohl die Durchfahrt für Velofahrende weiterhin sichergestellt wird und ein Abfallkonzept besteht: Eine Bewilligung für die Demo-Rave erhielten sie von der Polizei wohl nicht, sagt Onur. «Wir glauben an das Recht auf kulturelle Entfaltung und friedlichen Protest. Ich hoffe, wenn viele Menschen gemeinsam für diese Werte mittanzen, wird auch die Polizei erkennen, dass es mehr Sinn macht, zu begleiten, als zu verhindern.»
Die Stadtpolizei Zürich teilt mit, dass sie Kenntnis von dieser Veranstaltung hat. «Die Abklärungen dazu laufen noch», sagt ein Sprecher.
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Daniel Krähenbühl (dk) arbeitet seit 2017 für 20 Minuten. Er leitet das Regionennetzwerk mit Fokus auf Stadtpolitik, Kriminalität, Gesellschaft und Recherche.
