Verletzter Nati-Star«Es ist eine kleine Welt zusammengebrochen»
Die verletzte Luana Bühler spricht mit 20 Minuten vor dem Viertelfinal gegen Spanien über ihr EM-Aus, die Rolle als Zuschauerin und warum sie trotz allem Grund zur Freude hatte.
Darum gehts
- Luana Bühler verpasst die Heim-EM wegen einer Knieverletzung.
- Die Spielerin von Tottenham beschreibt den Ausfall als «eine kleine Welt, die zusammengebrochen ist».
- Trotz der Verletzung bleibt sie ein wichtiger Teil des Teams und unterstützt die Nati.
- Die Schweiz steht im EM-Viertelfinal und trifft auf die Weltmeisterinnen aus Spanien.
Luana Bühler, wie geht es Ihnen?
Soweit gut. Die letzten Tage waren sehr schön. Ich hatte Zeit, um runterzufahren und für meine Familie. Ich habe versucht, die Tage so weit wie möglich zu geniessen.
Und wie geht es Ihrem Knie?
Hier ist der Status quo. Da werde ich in den nächsten Tagen mit meinem Verein (Tottenham, d. Red.) schauen.
Kurz vor der EM kam die Meldung, dass Sie wegen Ihrer Knie-Verletzung die Heim-EM verpassen.
Es ist extrem bitter. Und es ist schon eine kleine Welt, die für mich zusammengebrochen ist. Die Heim-EM war so lange in meinem Hinterkopf und ich habe extrem lange aufs Turnier hin gefiebert und bis zum Ende gehofft, dass es reicht. Aber …

… ja?
… bei mir war die Situation auch ein wenig speziell. Ich wusste, dass ich schon ein bisschen mit einem Rucksack voll mit Problemen in die Vorbereitung starte. Ich kam aus einer Reha samt Fussverletzung. Ich wusste von Anfang an, dass es für mich am Ende gut laufen und alles zusammenpassen muss. Das EM-Aus traf mich daher nicht aus heiterem Himmel, auch wenn ich zeitweise schon Hoffnung hatte.
War Ihnen etwas beim Aus-Entscheid wichtig?
Wir haben es bis zum letzten Moment probiert, dass es irgendwie klappt. Und das ist eigentlich das, was ich mir persönlich auch immer gewünscht habe. Dass ich alles mache, was in meiner Macht steht. Ich bekam die Chance, bis zum Schluss alles zu probieren. Und das war mir wichtig.

Jetzt sind Sie ein Fan der Nati. Wie ist das?
Es ist eine völlig andere Rolle. Und ich bin ehrlich, auf dem Platz gefällt es mir besser. Für meine Nerven ist es als Zuschauerin viel schlimmer. Auf dem Feld kannst du immer etwas machen, du hast einen ganz anderen Fokus. Beim Zuschauen bist du aber machtlos. Das Schöne im Gegenzug ist, dass man Sachen mitbekommt, die man sonst als Spielerin nie sieht: die Stimmung vor dem Stadion, was in den ganzen Fanmeilen abgeht, das friedliche Zusammensein.
Die Nati-Spielerinnen betonen immer, wie sehr auch die Verletzten ein Teil des Teams seien.
Ja, das ist natürlich sehr schön. Wenn man bei einem Turnier nicht dabei sein kann, heisst das nicht, dass man nicht viel für das Team gemacht hat. Auf dem langen Weg hin zu einem Turnier braucht es immer mehr als nur die 23 Spielerinnen, die am Ende dabei sind. Da ist der Staff und eben auch die Spielerinnen, die dann nicht dabei sind. Die Worte freuen mich wirklich sehr und sie zeigen auch, wie gut die Stimmung in der Nati ist.

In der Vorbereitung ist ein richtiger Ruck durch das Team gegangen. Wir hatten schon immer eine Top-Stimmung in der Nati, aber jetzt schaffen wir es auch, die gute Stimmung auf den Platz zu transportieren. Und das macht nochmals jede Spielerin noch ein bisschen besser.
Die Nati steht historisch im EM-Viertelfinal. Was macht die Schweiz so gut?
Ich habe das Gefühl, dass wir auf allen Positionen nochmals ein paar Prozente besser geworden sind im Vergleich zur Vergangenheit. Dazu kommen einige eher junge Spielerinnen, die noch nicht lange auf internationalem Level gespielt haben, es aber unglaublich machen. Ich finde es richtig schön zu sehen, wie wirklich alle auf ihre Art und Weise Verantwortung übernehmen, wie sich niemand versteckt, wie man bis zum Schluss kämpft, einander unterstützt und hilft – und gleichzeitig mutig genug ist, die individuellen Stärken auszuleben.
Apropos junge Spielerinnen: Riola Xhemaili schoss die Nati in der 92. Minute gegen Finnland in den EM-Viertelfinal. Wie sehr sind Sie abgegangen?
Es war eine unglaubliche Freude da und ich konnte es fast nicht glauben. Lara (verletzte Nati-Spielerin Lara Marti, d. Red.) und ich sind sogar auf unseren gesunden Beinen gehüpft. Und es kamen auch ein paar Tränchen, weil ich wusste, dass die Reise für die Nati nun weitergeht.
Die Reise geht gegen die Weltmeisterinnen aus Spanien weiter. Wie sehen Sie die Chancen?
Spanien ist sicherlich das beste Team dieser EM. Ihre Qualitäten sind unbestritten. Nichtsdestotrotz haben wir nun die Chance, etwas Einmaliges zu erreichen. Wir sind auch besser vorbereitet als bei den letzten Duellen gegen Spanien. Es ist ein Tag, ein Spiel, wir haben als Heim-Team die Fans im Rücken und wenn dann alles zusammenpasst, ist die grosse Überraschung möglich.
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Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredakteur und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.
