Schwangerschaft: Mujinga Kambundji spricht über Saisonabbruch

Aktualisiert

Schwangere Kambundji«Die Hormone haben gegen mich gearbeitet»

Mujinga Kambundji (33) spricht im Interview mit 20 Minuten erstmals ausführlich über den plötzlichen Abbruch der Saison, die Schwangerschaft und ihr Comeback.

«Bei einem Hungerast gibts ein Guetzli»: Mujinga Kambundji über ihre erste Schwangerschaft.20min/Sebastian Rieder

Darum gehts

  • Mujinga Kambundji ist schwanger und spricht über den Abbruch ihrer Saison.
  • Die Sprinterin plant, nach der Geburt schnell wieder ins Training einzusteigen.
  • Kambundji ist inspiriert von anderen Sportlerinnen – wie Belinda Bencic, die nach der Geburt erfolgreich zurückkehrten.
  • Sie freut sich auf ihr Comeback und möchte mindestens bis zu den Olympischen Spielen weitermachen.

Mujinga, wie ist es, ein neues Leben im Bauch zu haben?
Es ist sehr schön, die Bewegungen des Babys zu spüren. Mir geht es wirklich gut – ich habe grosses Glück. Mir war zu Beginn kaum schlecht, auch körperlich geht es mir bestens. Ich weiss, dass es auch anders sein kann. Deshalb schätze ich es sehr.

Wie waren die Reaktionen, als Du die freudige Nachricht bekannt gegeben hast.
Es war überwältigend. So viele schöne Reaktionen. Das hat mich mega gefreut. Aber es war auch sehr anstrengend. Mein Telefon hat die ganze Zeit vibriert.

Klar ist, das Kind wird ein Sprinter oder Sprinterin.
Nicht unbedingt. Hoffentlich irgendetwas mit Sport. Das ist immer gut – egal auf welchem Level. Sport ist gut für die Gesundheit und den Kopf.

Immer noch aktiv: Mujinga Kambundji trotz Schwangerschaft vier statt vorher fünf Mal pro Woche.
Immer noch aktiv: Mujinga Kambundji trotz Schwangerschaft vier statt vorher fünf Mal pro Woche.20min/Sebastian Rieder

Die Hälfte der Schwangerschaft hast Du bereits hinter dir. Was hast Du im Alltag umgestellt? 
Ich trainiere aktuell vier statt fünf Mal, und die Intensität ist dabei etwas tiefer. Ansonsten ist alles fast gleich wie vorher. Auch die Ernährung ist die gleiche geblieben. Vielleicht esse ich gelegentlich mal ein Guetzli, wenn ich einen Hungerast habe.

Die bewusste Ernährung hängt wohl auch stark damit zusammen, dass Du deine Karriere nach der Schwangerschaft fortsetzt.
Auf jeden Fall. Das alles muss nachher wieder weg. Eine gesunde und bewusste Ernährung ist umso wichtiger, da die Nahrung direkt zum Baby geht.

Wie war der Moment, als Du erfahren hast, dass du schwanger bist.
Das kam schleichend. Ich war gerade an der Hallen-WM in China, als das Gefühl aufkam, aber ich hatte gerade keinen Test in der Tasche. Ich habe dann eine Apotheke gefunden. Dann kam die Bestätigung für mein Gefühl, dass ich schon ein paar Tage in mir trug.

Eine Explosion der Gefühle?
Ich habe mich mega gefreut, aber ich war in diesem Moment noch voll im Wettkampf-Tunnel und hielt die Konzentration hoch.

Das führte zu WM-Gold in China.
Darüber habe ich mich mega gefreut. Da ging noch alles gut. Ich war einfach sehr müde, aber mir war nicht schlecht.

Was passierte nach der Heimkehr?
Mir war klar, dass ich die Saison vermutlich nicht zu Ende laufen kann. Trotzdem hatte ich gehofft, das es klappen könnte. Ich habe am Anfang mehr Wettkämpfe eingeplant und einfach weitergemacht.

Frisch schwanger: Mujinga Kambundji feiert in Nanjing WM-Gold über die 60 Meter.
Frisch schwanger: Mujinga Kambundji feiert in Nanjing WM-Gold über die 60 Meter.Sebastien Boue/Presse Sports/fre

Dann kam der Einbruch beim Meeting in Doha – letzter Platz über die 100 Meter.
Da hatte sich mein Körper schon zu stark verändert, die Muskeln und Sehnen war schon sehr weich. Aber ich habe es bis dahin nicht gemerkt, weil der Prozess schleichend war. Ich habe mich zwar immer noch gut gefühlt, aber das Niveau war nicht mehr das gleiche.

Wie hat sich das konkret geäussert?
Der Körper ist schwerfälliger – die Spannung ist nicht mehr die gleiche. Beim Sprint brauchst du diese extreme Körperspannung. Das ist das, was dich schnell macht. Und da haben die Hormone gegen mich gearbeitet. Die Bänder sind weich geworden. Was eigentlich gut ist, aber nicht für den Wettkampf.

Dann hast Du die Reissleine gezogen.
Ich hätte gerne weitergemacht, aber nach Doha wusste ich, dass das der letzte Wettkampf war. Wenn die Leistung nicht mehr stimmt, macht es keinen Sinn mehr.

Wie ist der Plan nach der Geburt?
Ich hoffe, es kommt alles gut. Ich will so schnell wie möglich mit dem Training beginnen und nächste Saison wieder Wettkämpfe bestreiten. Als amtierende Europameisterin habe ich nächstes Jahr eine Wildcard für die EM. Das bedeutet noch etwas mehr Zeit für einen nachhaltigen Aufbau. Ich bin sehr zuversichtlich, dass – egal welche Schwierigkeiten auftauchen werden – wir das meistern werden. Ich habe einen starken Partner und ein super Team um mich herum.

Mujinga Kambundji mit ihrem Partner Florian Clivaz an den Sports Awards.
Mujinga Kambundji mit ihrem Partner Florian Clivaz an den Sports Awards.Urs Lindt/freshfocus

Kann es sein, dass Du als Mutter plötzlich deine Meinung änderst und die Karriere beendest?
Das kann ich mir nicht vorstellen. Die Leichtathletik macht mir immer noch grossen Spass. Ich geniesse die Schwangerschaft, aber ich freue mich auch extrem darauf, mein Comeback zu geben.

Hast Du Vorbilder?
Alle Frauen, die diesen Weg gehen, sind Vorbilder für mich – wie Belinda Bencic im Tennis oder Shelly-Ann Fraser-Pryce. Ihre Rückkehr als Sprinterin war sehr beeindruckend – das war unglaublich stark. Oder die Hürdenläuferin Nia Ali, die drei Kinder zur Welt brachte und jedes Mal wieder grosse Titel gewann.

Comeback nach Schwangerschaft: Belinda Bencic mit Tochter Bella, Partner Martin Hromkovic und Trainer Ian Hughes.
Comeback nach Schwangerschaft: Belinda Bencic mit Tochter Bella, Partner Martin Hromkovic und Trainer Ian Hughes.freshfocus

Haben sie Dich inspiriert es ebenfalls zu wagen?
Auf jeden Fall. Sie haben gezeigt, dass es möglich ist, ein starkes Comeback zu geben. Deshalb möchte ich mindestens bis Olympia weitermachen. Das Timing zwischen Paris 2024 und Los Angeles 2028 ist deshalb perfekt.

Wie verfolgst Du Belinda?
Ich verfolge es sehr, weil es auch ganz frisch ist. Ich habe mich ein wenig mit ihr ausgetauscht. Es ist sehr schön zu sehen, wie schnell sie es wieder an die Spitze geschafft hat. Ich mag ihr den Erfolg sehr gönnen. Es freut mich sehr, dass das so gut funktioniert – das motiviert mich.

Was willst Du für ein Mami sein?
Mein Kind soll in einer starken und stabilen Familie aufwachsen. Ich bin ein extremer Familienmensch – meine Eltern, die vielen Geschwister und Verwandten sind mir sehr wichtig. Der enge Kontakt bedeutet mir viel.

Wie stehst du zu Mujinga Kambundjis Entscheidung, ihre Karriere nach der Schwangerschaft fortzusetzen?

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Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.

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