Handel reagiertProteinmüesli statt Cornflakes: «Will keine Zuckerbombe»
Immer weniger junge Menschen essen Cornflakes. Stattdessen setzen sie auf gesunde, proteinreiche Müesli und bewusste Ernährung.
Cornflakes: Darum gehts
- In den USA essen vor allem junge Menschen immer weniger Cornflakes.
- «Sie stehen nicht für innovativ, sportlich, frisch, jung», sagt eine Ernährungsexpertin.
- Das spüren auch die Schweizer Detailhändler, die ihr Sortiment anpassen.
Statt Party und ungesundem Essen sind heute Achtsamkeit und Frühsport angesagt. «Die Generation Z hat das Müesli gekillt», titelt die US-Zeitschrift «Fortune». Ein Teenager sagt in der «New York Post»: «Ich würde es nicht mal für Geld essen.» Vor allem die Gen Z esse kaum noch Cornflakes, schreiben die beiden Medien.
Wie sieht es in der Schweiz aus? 20 Minuten hat sich in Zürich umgehört.
«Will den Tag nicht mit Zuckerbombe starten!»

Die 25-jährige Karma sagt: «Ich esse meistens kein Zmorge, und wenn doch, dann keine Cornflakes. Ich will den Tag ja nicht mit einer Zuckerbombe starten. Da mache ich lieber selbst ein Müesli mit Joghurt und Früchten, oder ein Spiegelei, das geht ja schnell. Wenn schon frühstücken, dann etwas Richtiges.»

Der 22-jährige Leandro sagt: «Ich esse ab und zu Müesli, am liebsten das Schoggimüesli von M-Budget. Aber wegen des Zuckers achte ich darauf, dass ich nicht zu viel davon esse.»

Ornella (56) sagt: «Ja, ich frühstücke, aber keine Cornflakes. Ich lebe in Südamerika, da sind die Cornflakes sehr teuer. Und es nervt mich, dass sie schnell weich werden, wenn man die Packung geöffnet hat. In der Schweiz würde ich aber wohl ab und zu Cornflakes kaufen.»

Lenny (16) isst kaum Müesli zum Zmorge: «Ich esse höchstens mal Müesli in den Ferien, wenn ich genügend Zeit habe. Dann macht mir auch der Zucker nichts aus. Aber wenn ich arbeiten muss, dann habe ich keine Zeit für Müesli.»
Isst du noch Cornflakes?
Die veränderten Essgewohnheiten spüren auch die Hersteller. Der Müesliriese WK Kellogg kämpft mit dem schwierigen Marktumfeld und wird nun Teil des Ferrero-Imperiums.
Auch die Händler in der Schweiz reagieren.
Coop: Protein- und Ballaststoff-Müesli sind beliebt
«In den vergangenen Jahren stellten wir ein wachsendes Bedürfnis unserer Kundinnen und Kunden nach proteinreichen Produkten fest», schreibt Coop. Im Müesli-Bereich rückten neben Proteinen auch Ballaststoffe in den Fokus – insbesondere Haferflocken erfreuten sich grosser Beliebtheit. Der Bereich Cerealien entwickle sich über das ganze Sortiment hinweg positiv, wobei die protein- und ballaststoffreichen am stärksten wachsen.
Migros: Zuckergehalt um 38 Prozent reduziert
Im Frühstückssortiment sei die Nachfrage nach Artikeln mit einem Gesundheitsmehrwert (ballaststoffreich, proteinreich, weniger Zucker) gestiegen – auch beim Müesli-Sortiment. Die Migros habe den Zuckergehalt der Müesli über die letzten Jahre stetig reduziert. Bei den Frühstückscerealien betrage die Zuckerreduktion seit 2016 38 Prozent. Gleichzeitig sagt die Migros auch, dass sie keine sinkende Nachfrage nach verarbeitetem Müesli feststelle.
Lidl Schweiz: Mehr Protein-Müesli im Angebot
Auch Lidl Schweiz beobachtet eine zunehmende Nachfrage nach Müesli-Produkten mit einem höheren Gehalt an Ballaststoffen und Proteinen. Diese Entwicklung stehe im Einklang mit dem Trend hin zu einer bewussteren und ausgewogeneren Ernährung, heisst es auf Anfrage. Lidl Schweiz fahre eine Strategie der kontinuierlichen Zuckerreduktion in verschiedenen Produktkategorien. So baue Lidl sein Angebot an Müesli mit hohem Ballaststoff- und Proteingehalt sowie an zuckerreduzierten Varianten kontinuierlich aus. Seit einer Woche stehe zum Beispiel das neue «High Protein Granola» in den Sorten Schoko-Nuss und Schoko-Kirsch in den Regalen.
Aldi: Keine Veränderung der Nachfrage
«Wir stellen aktuell keine signifikanten Veränderungen im Konsumverhalten bei Müesli fest», sagt Aldi Suisse auf Anfrage. Die Nachfrage nach ballaststoff- und proteinreichen sowie zuckerreduzierten Varianten sei stabil, ebenso das Interesse an klassischen Müesli.
«Cornflakes haben ein Kinderimage»

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Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.
Marcel Urech (mur) ist seit Februar 2021 Teil des Wirtschaftsressorts von 20 Minuten, wo er unter anderem über Notenbanken, Gold und Bitcoin schreibt.

