WWF entsetztNationalräte wollen umstrittene Pestizide zulassen
Eine Nationalratskommission will Pestizide in der Schweiz zulassen, wenn sie auch in einem EU-Nachbarland zugelassen sind. Sie begründet das mit der Lebensmittelversorgung, Umweltschützer sind entsetzt.
Darum gehts
- Eine Nationalratskommission will Pestizide zulassen, die in EU-Nachbarländern erlaubt sind.
- Der Vorstoss von Mitte-Präsident Philipp Matthias Bregy zielt auf eine vereinfachte Zulassung ab.
- Umweltschützer wie der WWF sind entsetzt und warnen vor Gesundheits- und Umweltrisiken.
- Besonders problematisch seien Pestizide wie Tetraconazol, Triallat und Fosthiazat.
Ist ein Pestizid in einem EU-Nachbarland, den Niederlanden oder Belgien zugelassen, soll es auch in der Schweiz eingesetzt werden dürfen – nach einem vereinfachten Zulassungsverfahren. Das fordert Mitte-Chef Philipp Matthias Bregy in einem Vorstoss, dem heute eine Mehrheit der Wirtschaftskommission zugestimmt hat. Diese Kommission ist auch für die Landwirtschaft zuständig.
Bregy begründet seine Idee damit, dass «Pflanzenschutzmittel ohne Verzögerung für den Schweizer Markt zur Verfügung» stehen sollen, denn vielen Bauern fehle es wegen immer restriktiverer Vorgaben an den nötigen Mitteln, ihre Ernte zu schützen.
Umweltschützer sind entsetzt
Umweltschutzorganisationen zeigen sich entsetzt über den Entscheid. «Die parlamentarische Initiative ignoriert wissenschaftliche Erkenntnisse und lokale Umweltbedingungen», sagt Solène Schaub vom Verein «Ohne Gift». Eine pauschale Übernahme von Zulassungen aus dem Ausland gefährde die Gesundheit der Bevölkerung und den Schutz der Umwelt, sagt sie.
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Auch der WWF warnt eindringlich, dass die Schweiz mit der vereinfachten Zulassung zum Sammelbecken für Problem-Pestizide werden könnte. Die Schweiz würde sich in einem veralteten System verfangen, das Innovationen behindert und risikoarme Alternativen ausbremst, Lösungen, die den klimabedingten Veränderungen Rechnung tragen können.
Diese Pestizide sind besonders problematisch
Besonders besorgt zeigt sich Solène Schaub wegen der Pestizide Tetraconazol, Triallat und Fosthiazat, welche ihrer Einschätzung nach künftig zugelassen werden könnten.
Sollte die Schweiz Pestizide zulassen, die in EU-Nachbarländern erlaubt sind?
«Das Fungizid Tetraconazol wird im Wein-, Getreide- und Zuckerrübenanbau eingesetzt. Es gefährde die Fruchtbarkeit und könne ungeborene Kinder schädigen.
Das Herbizid Triallat wiederum wird gegen Gräser in Getreide und Zuckerrüben eingesetzt und könne das Nervensystem schädigen, ausserdem sei es möglicherweise krebserregend», so die Naturwissenschaftlerin.
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Fosthiazat ist ein Insektizid, das im Kartoffel- und Gemüsebau eingesetzt wird. Sie kritisiert, dass dieses die Fruchtbarkeit schädigen und Säuglinge über die Muttermilch beeinträchtigen könne.
So reagiert Bregy
Die Kritik der Umweltschützer teilt Philipp Matthias Bregy nicht: «Bei Annahme meines Vorstosses kommen vor allem neuere und damit modernere Mittel auf den Markt, die teilweise weniger negative Auswirkungen haben, was in Summe positiv zu beurteilen ist», sagt er auf Anfrage.
Und er betont die Wichtigkeit neuer Mittel für die Landwirte. «Mit diesem Vorstoss kann der seit Jahren bestehende Quasi-Zulassungsstopp von neuen Pflanzenschutzmitteln vermindert werden.» Denn die Schweizer Landwirte hätten ein Problem: Alte Mittel würden zunehmend verboten, während es an neuen Mitteln fehle.
Der Gesetzesentwurf liegt nun beim Bundesrat zur Stellungnahme und wird voraussichtlich in der Wintersession im Nationalrat diskutiert, teilt die Wirtschaftskommission mit.
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Stefan Lanz (sla) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Er ist Bundeshausjournalist mit langjähriger Erfahrung.
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