Schweizer Finanzbildung: Umfrage offenbart grosse Wissenslücken

Werbung
Publiziert

BankenplatzWüsstest du, welche Folgen der Zinseszins aufs Ersparte hat?

Wer investieren will, muss einiges zur Finanzwelt wissen. Eine neue Studie zeigt nun jedoch: Nicht bei allen Bevölkerungsgruppen ist dieses Wissen vorhanden.

Darum gehts

  • Das Wissen unterscheidet sich stark nach Geschlecht, Region und Einkommen.
  • Besonders bei komplexen Themen wie ETFs fehlen den Befragten Kenntnisse.
  • Finanzexperten sehen Finanzkompetenz als wichtige gesellschaftliche Aufgabe.

ETF, BTC, EBITDA: Wer hier auch nur einen Buchstabensalat vermutet, ist in der Schweiz nicht allein. Eine neue Umfrage des Online-Vermögensverwalters True Wealth zeigt, wie viel – oder wenig – die Menschen in der Schweiz über die Finanzwelt wissen. Dabei wird deutlich, dass die Schweizerinnen und Schweizer zwar bei einigen Fragen zur finanziellen Bildung sehr wohl informiert sind, bei anderen aber kaum eine Ahnung haben.

Methodik

Die GfK hat im Auftrag von True Wealth 2043 Personen aus der Deutschschweiz und der Romandie Anfang Juni 10 Fragen gestellt. Die Altersspanne reichte dabei von 16 bis 74 Jahren. Die Befragten wurden aus einem Online-Panel der GfK so ausgewählt, dass sie repräsentativ für die Schweizer Bevölkerung sind. Die Stichprobe ist nach Sprachregion, Geschlecht und Alter gewichtet. Da im Vergleich zur Umfrage 2024 einige Fragen sprachlich angepasst wurden, lassen sich die Resultate nur bedingt vergleichen.

Im Durchschnitt konnten die Befragten 5,43 von 10 Fragen richtig beantworten. Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede je nach Geschlecht, Bildungsgrad, Sprachregion und Einkommen.

Wissen und Wissenslücken

Einigermassen sicher waren die Befragten bei der Frage, welche Auswirkungen der Zinseszins auf das Ersparte hat. Gut 80 Prozent erkannten, wie stark sich damit das Geld auf dem Sparkonto vergrössert. Auch beim Einfluss der Inflation auf die Kaufkraft, den Vorteilen von Diversifikation und dem Einfluss von Gewinnerwartungen auf Aktien wussten jeweils mehr als 70 Prozent der Befragten die richtige Antwort. Beim Verhältnis des Risikos zur Rendite wurde es schon knapper (68,5 Prozent richtige Antworten).

Werbung

Weniger als 45 Prozent wussten, dass die Risikotoleranz bei einem bevorstehenden Hauskauf sinkt. Auch, dass der Vorteil von Geld auf dem Konto gegenüber Aktien bei einem Börsencrash steigt, konnten nur rund ein Drittel richtig beantworten. Noch weniger kannten die Vorteile von ETFs (28,9 Prozent) oder wussten, dass der Preis einer Anleihe bei sinkendem Zinsniveau am Anleihemarkt steigt.

Deutliche Unterschiede

Deutlich wurde bei den Resultaten, dass sich Männer (62,6 Prozent richtige Antworten) im Durchschnitt besser auskennen als Frauen (45,9 Prozent richtige Antworten). Dieser Geschlechterunterschied ist über alle Fragen hinweg sichtbar. Auch bei den Sprachregionen zeigen sich deutliche Unterschiede.

Werbung

Während die Westschweizerinnen und -Schweizer (47 Prozent richtige Antworten) zwar bei einigen wenigen Fragen mehr wissen als die Deutschschweizerinnen und -Schweizer, liegen sie bei der finanziellen Bildung im Durchschnitt hinter der deutschsprachigen Bevölkerung (56,8 Prozent richtige Antworten).

20min/Tom Vaillant

Gemessen am Bildungsgrad zeigt sich, dass diejenigen mit einem höheren Abschluss mehr Fragen richtig beantworten können als solche mit einem tieferen Abschluss. Deutlich wird auch, dass die finanzielle Bildung mit steigendem Einkommen zunimmt – erst ab 15’000 Franken monatlich gibt es wieder mehr Wissenslücken.

«Gesellschaftliche Notwendigkeit»

Entsprechend der Resultate fragt Michael Jan Kendzia, Ökonom und Studiengangleiter BSc International Management an der ZHAW School of Management and Law, im Kommentar zur Studie provokant: «Ist Finanzwissen nur Personen mit hohem Einkommen vorbehalten?» Die Fähigkeit, fundierte finanzielle Entscheidungen zu treffen, sei eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Eigenverantwortung und soziale Teilhabe.

Werbung

Kendzia fordert deswegen, über neue Wege der finanziellen Bildung nachzudenken: differenzierter in der Ansprache verschiedener Zielgruppen und zugleich niederschwelliger im Zugang. «Finanzkompetenz darf nicht zur Ressource weniger werden. Vielmehr ist sie eine gesellschaftliche Notwendigkeit.» Warum ein Vermögensverwalter sagt, dass das vor allem Banken aber gar nicht wollen, liest du in diesem Artikel hier.

Sollte Finanzwissen in der Schweiz besser vermittelt werden?

Folgst du 20 Minuten Wirtschaft auf Whatsapp?

Jan Janssen (jjn) arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Zuerst im Ressort Zürich und seit 2025 im Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.

Deine Meinung zählt

221
124
182
Merken
124 Kommentare
Werbung